Deutlich weniger Wohnungssuchende in Lienz

Vermehrte Bautätigkeit in der Stadt führte in den vergangenen Jahren zu spürbarer Entspannung: Derzeit ist die Liste der vorgemerkten Wohnungssuchenden in Lienz nur noch halb so lang wie Ende 2015.

© Wilhelm Lackner

Von Claudia Funder

Lienz –Der Bedarf an Wohnungen in Lienz ist ungebrochen groß. Dennoch kam es in den vergangenen Jahren zu einer deutlichen Erleichterung für all jene, die auf der Suche nach einer passenden Bleibe sind. Der Grund dafür ist naheliegend: „Der vermehrte Wohnbau schlägt sich nieder und trägt zur Entspannung der Lage bei“, weiß Stadtrat Willi Lackner, seit Juni 2011 Obmann des Wohnungsausschusses.

Die Zahl der Wohnungssuchenden habe sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren mehr als halbiert. Derzeit stehen laut Lackner 248 Interessenten auf der Liste: „Im November 2015 waren es noch 502.“ Aktuell gebe es 109 Ansuchen auf Altbau-Mietwohnungen, 73 auf Mietkauf, 62 auf Neubau-Mietwohnungen und zwei für das Seniorenwohnheim am Iselkai.

In Lienz gibt es derzeit insgesamt 3924 Wohnungen von Genossenschaften und der Stadtgemeinde. Davon sind 1418 Mietwohnungen, 600 Miet-Kaufwohnungen, 1840 Eigentumswohnungen und 66 so genannte Naturalwohnungen, das sind Dienstwohnungen. Und natürlich gibt es zusätzlich privat errichtete Wohnungen.

Von den Genossenschaften ist in Lienz der größte Player die „Frieden“ mit 1111 Wohnungen, davon 560 zur Miete. Die „Gemeinnützige Hauptgenossenschaft des Siedlerbundes“ (GHS) zählt hier 876 Wohnungen und hat bei den Eigentumswohnungen (675) die Nase vorn. Es folgen die „Wohnungseigentum“ (WE) mit 470 Wohnungen, die „Osttiroler gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft“ (OSG) mit 363 Wohnungen, die „Neue Heimat“ mit 266 Wohnungen und die „Tiroler gemeinnützige Wohnungsbau- und Siedlungs-Ges.m.b.H. (Tigewosi)“ mit 200 Wohnungen.

„Lienz verfügt über 252 stadteigene Wohnungen“, weiß Willi Lackner. „Zehn von ihnen haben eine große Sanierung vor sich.“ Eine Sanierung koste im Schnitt 25.000 Euro. Für heuer seien wieder 80.000 Euro für diese „Überholungen“ budgetiert. Mit den Wirtschaftshofleistungen werden jährlich für diese Arbeiten Beträge bis zu 160.000 Euro ausgegeben. Alle Wohnungen, die saniert werden, werden zudem an die Stadtwärme angeschlossen.

Um sich für eine dieser stadteigenen Wohnungen vormerken lassen zu können, müssen gewisse Grundvoraussetzungen erfüllt werden. Anspruch haben nur Personen, die als EU-Bürger mindestens zwei Jahre den Hauptwohnsitz in Lienz hatten oder fünf Jahre durchgehend bei einem Betrieb in Lienz gearbeitet haben. Nicht-EU-Bürger müssen zumindest fünf Jahre in Lienz gemeldet gewesen sein. Es gab Bestrebungen, Letzteres zu ändern und etwa Geflüchteten mit positivem Bescheid die Möglichkeit zu bieten, früher ein­e Berechtigung zu erhalten. Man blieb aber den bestehenden Vorgaben treu.

Die größte Anzahl der Stadtwohnungen, nämlich 111, sind hinsichtlich Standard der Kategorie A zuzuordnen, 74 verfügen über Kategorie B und 71 über C.

Bei Neuvergabe von Stadtwohnungen sind übrigens drei Monatsmieten als Kaution zu hinterlegen. Der Grund: „Wir hatten die Erfahrung gemacht, dass die Wohnungen teils in katastrophalem Zustand hinterlassen worden waren“, erklärt der Obmann des Wohnungsausschusses. Immer wieder seien vor der Neuvergabe teure Reparaturen und Generalsanierungen nötig gewesen, nachdem Mieter ausgezogen waren.

Deshalb wurde bereits im Juli 2011 im Stadtrat über die Einführung der besagten Kaution diskutiert, die es vorher bei stadteigenen Wohnungen nicht gab. Es wurde damals ein einstimmiger Beschluss gefasst und auch der Gemeinderat gab grünes Licht für die Neuerung. Die von der Stadt eingehobene Kaution fließt, wenn die Wohnung nicht ordnungsgemäß hinterlassen wird, in Sanierungsmaßnahmen. Verlässt der Mieter die Wohnung in adäquatem Zustand, erhält er die Kaution natürlich zurück. Bestehende Verträge waren 2011 von der Neuerung nicht betroffen.

Um den Bedarf an Wohnungen auch in Zukunft stillen zu können, wird in Lienz kräftig weitergebaut. Die nächsten Projekte: Die GHS baut 29 Wohnungen, die OSG in Summe 49 Wohnungen und 12 Reihenhäuser an drei Standorten der Stadt.

Auch in Lienz gibt es sie: Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben. „Im Herbst 2017 waren acht Obdachlose gemeldet“, weiß Lackner. Für diese Personengruppe wurde über den Winter eine Notschlafstelle eingerichtet, die gut angenommen wurde. „Alles ist positiv verlaufen, es gab keinerlei Zwischenfälle“, freut sich Lackner. Nach Ostern schloss die Winternotschlafstelle ihre Tür. „Wir hoffen, dieses Angebot im Herbst weiterführen zu können“, ergänzt Willi Lackner.


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