Folientunnel: Umweltanwalt sorgt sich um Image Tirols

Der Landesumweltanwalt beeinsprucht die Genehmigung von Folienhäusern in Kematen. Er befürchtet, dass sich diese im Inntal auswachsen.

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Von Denise Daum

Kematen, Thaur –Es könnte ein folgenreicher Präzedenzfall werden: Gemüsebauer Andreas Norz hat auf seinen Ackerflächen in Kematen mehrere so genannte Folientunnel zum Schutz der Ernte aufgestellt. Während das Umweltreferat der Bezirkshauptmannschaft dagegen keine Bedenken hegt und eine naturschutzrechtliche Genehmigung erteilte, schrillen bei Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer die Alarmglocken. „Wenn ein einzelner Bauer das macht, stört mich das nicht. Aber wenn das nun jeder darf, ist in ein paar Jahren das Mittlere Inntal zugedeckt damit.“ Eine Häufung von Folienhäusern würde nicht nur eine erhebliche Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, sondern einen Imageschaden für Tirol bringen. „Jetzt macht das einer in Kematen auf zwei Hektar. Was ist, wenn das 100 machen?“ Problematisch könnte auch die Wassersituation werden. Sind Folientunnels großflächig aufgestellt, versickert der Regen nicht verteilt im Boden, sondern rinnt konzentriert an einzelnen Stellen ab. Das Aufstellen von Folienhäusern müsse in irgendeiner Form reglementiert werden, betont der Landesumweltanwalt. Er hat deshalb den positiven Naturschutzbescheid beeinsprucht.

Ein Problem mit den Folientunneln hat auch Kematens Bürgermeister Rudolf Häusler. Er schickt voraus, dass er sich zur regionalen Gemüseproduktion „absolut bekennt“ und hinter der heimischen Landwirtschaft stehe. „Aber das, was nun auf dem Feld steht, habe ich baurechtlich nicht genehmigt“, betont Häusler. Norz habe lediglich um partiellen Ernteschutz angesucht – und diesen auch genehmigt bekommen. „Er hätte die Folie über den Winter aber einrollen müssen“, erläutert der Bürgermeister. Er werde nun dafür sorgen, dass der gesetzmäßige Zustand wieder hergestellt wird.

Andreas Norz ist sich indes keiner Schuld bewusst und zeigt sich von den Aussagen des Bürgermeisters überrascht. Der Bauer aus Thaur erklärt, dass er ursprünglich schon geplant habe, die Folien Mitte Dezember einzurollen und Ende Jänner weiterzumachen. „Mein Kunde wollte dann aber auch im Winter Vogerlsalat und Babyspinat aus Tirol. Also habe ich durchgeerntet. Ich muss mich ja auch nach meinen Kunden richten“, betont Norz.

Das Bauwerk stehe genauso da, wie es genehmigt wurde. Dass er die Folie über den Winter hätte einrollen müssen, ist für ihn nicht klar. „Ich habe ganz normal eine Bauanzeige gemacht und alles war in Ordnung. Später kam Kritik, weil halt eine Blumenwiese schöner ausschaut als die Folien“, bringt Norz seine Sicht der Dinge auf den Punkt. Für ihn gehe es nun um eine grundsätzliche Frage: „Ich produziere für den Tiroler Markt. Wenn das so, wie ich das mache, nicht in Ordnung ist, soll die Politik das klar sagen.“

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Vom Einspruch des Landesumweltanwalts hat Norz gestern erfahren. „Ich bin gespannt, was da rauskommt.“


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