Klein, aber gefräßig: Förster befürchten Borkenkäferjahr

Auch im Bezirk Kufstein könnte der kleine Käfer ein großes Problem darstellen. 35.000 Festmeter Schadholz müssen rasch aufgearbeitet werden.

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Von Wolfgang Otter

Kufstein –Er ist winzig klein, vermehrt sich bei guten Vor­aussetzungen explosionsartig und ist wegen seines schier unstillbaren Hungers für den Wald eine große Gefahr: Die Rede ist vom Buchdrucker-Borkenkäfer, der auch vor dem Bezirk Kufstein nicht Halt macht, wie Hans-Peter Schroll, Leiter der Forstinspektion Kufstein, berichtet. „Man rechnet heuer mit einem starken Befall“, erläutert Schroll. Im Bezirk Kufstein sei zwar der Wald durch seine gut­e Durchmischung an Baum­arten nicht so stark betroffen wie das Oberland, aber es habe auch hier im Vorjahr starken Windwurf gegeben. Der Buchdrucker befällt in erster Linie Fichten.

2017 gab es 35.000 Festmeter Schadholz (25.000 Festmeter Windwurf und 10.000 Festmeter Borkenkäfer) im Bezirk, insgesamt wurden 137.000 Festmeter Holz genutzt. Wie stark der Käfer heuer wüten wird, hänge davon ab, wie das Frühjahr verlaufe. „Wenn es kalt und regnerisch ist, dann verzögert sich die Entwicklung“, sagt Schroll. Unter optimalen Voraussetzungen kann es beim Borkenkäfer bis zu drei Generationen geben. Wichtig sei aber auf alle Fälle die rasche Aufarbeitung des Schadholzes.

Das Land Tirol spricht in einer Aussendung von 131.000 Kubikmetern Borkenkäfer-Schadholz – mehr als zehn Prozent der gesamten Holznutzungsmenge landesweit – und einem wirtschaftlichen Schaden von geschätzten 4,5 Millionen Euro. Aus einem einzigen Käferbaum können demnach bis zu 50.000 Jungkäfer ausfliegen. Diese wiederum können 20 gesunde Bäume zum Absterben bringen, wie das Land Tirol in einer Aussendung informiert.

Im Bezirk Kufstein gibt es noch ein weiteres Problem: das Eschensterben (die TT berichtete). „Es gibt kaum noch gesunde Eschen im Bezirk“, bedauert Schroll. „Wir müssen weiterhin im Bereich von Straßen Bäume, die nicht standfest sind, entfernen.“ Dies werde großflächig passieren. „Wo es geht, wo also die Bäume keine Gefährdung darstellen, lassen wir sie stehen und schauen, ob doch noch einer überlebt“, erklärt Schroll. Das Eschensterben wird durch den Pilz Hymenoscyphus pseudoalbidus ausgelöst. Bereits in über 20 Ländern Europas wütet der Pilz, gegen den es kein Gegenmittel gibt. Die einzige Hoffnung sind resistente Bäume, die gezüchtet werden sollen.

Bei der Forstinspektion wird man heuer auch eine Informationsaktion starten, wie Schroll erzählt, für Waldbesitzer ebenso wie für Wanderer und Sportler. Dabei geht es um die Gefahren bei Waldarbeiten. Immer öfter müssen Waldbesitzer miterleben, dass Gefahrenschilder und Absperrungen einfach ignoriert werden. Zum einen geht es darum, dass von Seiten der Forstarbeiter entsprechend und richtig gesperrt wird, „aber wir haben festgestellt, dass die Beschilderungen von den Freizeitnutzern nicht besonders ernst genommen werden“, berichtet Schroll. „Aber man muss ganz klar sagen: Es besteht hier Lebensgefahr“, warnt er.

Lob gibt es vom Forstinspektionschef für die Jäger im Bezirk, mit denen man eng zusammenarbeitet. Nicht nur für deren Bereitschaft zur Kooperation, sondern auch für die hohen Abschusszahlen.


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