Tirols Wirtschaft sucht „Nadel im Heuhaufen“

Innsbruck – Der Konjunkturmotor brummt, allerdings trübt auch ein dicker „Wermutstropfen“ die allgemeine Zufriedenheit. Der eklatante Fachkr...

© Jakob Gruber

Innsbruck –Der Konjunkturmotor brummt, allerdings trübt auch ein dicker „Wermutstropfen“ die allgemeine Zufriedenheit. Der eklatante Fachkräftemangel dämpft nämlich inzwischen das Wachstum, wie WK-Präsident Jürgen Bodenseer am Mittwoch betonte. „Für unsere Firmen gleicht die Suche nach Fachkräften inzwischen wirklich der Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, so Bodenseer.

Um hier Abhilfe zu schaffen, gebe es aber Konzepte. So seien der Aufbau einer überregionalen Arbeitsvermittlung und die Regionalisierung von Mangelberufslisten notwendig. Beim Thema Zumutbarkeit setzt Bodenseer auf Anreize statt Zwang. Es sei einen Versuch wert, Personen bei einem Standortwechsel mit einer Art „Umzugsprämie“ zu unterstützen – in Form von Förderungen oder mit steuerlichen Erleichterungen. „Generell ist das ein heikles Thema und schwierig in einen gesetzlichen Rahmen zu setzen. Und Menschen mit Gewalt zu ‚verpflanzen‘, wäre der falsche Weg“, so Bodenseer. Potenzial sieht der WK-Präsident auch beim Arbeiten für Asylwerber. Nach einem halben Jahr Verfahrensdauer sollte eine Beschäftigung zumindest in Form von Praktika oder Teilzeitarbeit in Betrieben möglich sein. Das sei auch für die Integration der Betreffenden wichtig.

Für WK-Tirol-Vizepräsident Martin Felder liegt der Schlüssel in der dualen Ausbildung: „In Tirol sind sowohl die Platz- als auch die Personalressourcen begrenzt. Wir können uns nur über Höherqualifizierung und Qualität weiterentwickeln.“ Notwendig sei es unter anderem, die steigende Nachfrage bei Sonderformen wie Lehre nach der Matura oder nach dem Studium stärker zu berücksichtigen. Weiters brauche es die Anerkennung der Meisterprüfung auf der Stufe eines Bachelors. Die dringendsten Hausaufgaben der Politik im Bereich Bildung liegen für Felder in der Fachkräfte-Förderung. Dazu gehöre die Einführung von „Berufsorientierung und Wirtschaftspraxis“ als Pflicht-Schulfach von zumindest einer Wochenstunde.

Generell gebe es nicht „das“ Rezept gegen den Fachkräftemangel, aber viele Hebel, an denen angesetzt werden kann und muss, so das Fazit. (hu)

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