Terror-Prozess 4 - Angeklagter schilderte religiösen Werdegang

Wien (APA) - „Mit Religion hatte ich wirklich nichts am Hut“, erklärte der 19-Jährige zu Beginn seiner Einvernahme. Er sei nicht religiös er...

Wien (APA) - „Mit Religion hatte ich wirklich nichts am Hut“, erklärte der 19-Jährige zu Beginn seiner Einvernahme. Er sei nicht religiös erzogen worden. Nach seiner ersten Verurteilung hätte er in der Justizanstalt Wiener Neustadt von einem Tschetschenen vom Islam erzählt bekommen und Schriften erhalten.

„Ich hatte keine Bücher, keine Beschäftigung. Mich hat überzeugt, dass Gott den Gläubigen verspricht beizustehen und Belohnung für die Geduldigen“, schilderte der Angeklagte. Im Gefängnis sei es ihm nicht besonders gut gegangen. Er sei gedemütigt worden, die Justizwache hätte ihn teilweise schlecht behandelt. In dieser Situation dürfte dem Burschen der erwachende Glauben Halt gegeben haben.

In Kontakt mit dem IS kam der Angeklagte, als er in die Justizanstalt Gerasdorf verlegt wurde. Dort lernte er Gefangene kennen, die mit der Terror-Miliz sympathisierten: „Es war aber nicht so, dass ich strenggläubig war. Ich habe auch Marihuana geraucht.“

Radikalisiert dürfte sich der junge Mann erst nach seiner Haftentlassung im Oktober 2015 haben. Er schrieb 80 Bewerbungen, ohne einen Job zu bekommen. Als er eine Lehrstelle fand, indem er seine Vorstrafen verschwieg, intensivierte sich in der Berufsschule seine Beschäftigung mit dem Islam und dem IS. Über das Internet fand er Kontakt zu IS-Verfechtern: „Der IS war voll im Trend.“ Seine neuen Bekannten hätten ihm das Gefühl vermittelt, „dass mich jemand versteht“.

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Am selben Tag, als der Bursch sein Zeugnis in der Berufsschule erhielt, verlor er seine Lehrstelle. Die Firma hatte von seinen Vorstrafen erfahren, angeblich deshalb, weil das Unternehmen ein Schreiben von der Justiz erhalten hatte. Der Jobverlust habe ihn sehr getroffen, gab der Angeklagte zu Protokoll: „Ich habe wieder die Schuld beim Staat gesehen.“


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