Erneut Palästinenser bei Zusammenstößen an Gaza-Grenze getötet

Tel Aviv/Jerusalem (APA/dpa/AFP) - Nach den Protesten an der Grenze von Israel zum Gazastreifen mit 18 palästinensischen Todesopfern ist bei...

Tel Aviv/Jerusalem (APA/dpa/AFP) - Nach den Protesten an der Grenze von Israel zum Gazastreifen mit 18 palästinensischen Todesopfern ist bei erneuten Zusammenstößen wieder ein junger Palästinenser getötet worden. Der 25-Jährige sei von israelischen Soldaten östlich der Stadt Bureij erschossen worden, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium in Gaza am Dienstag mit. Die israelische Armee wollte die Angaben überprüfen.

Wenige Stunden zuvor hatte der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman die Palästinenser vor einer „Fortsetzung der Provokationen“ gewarnt. Jeder, der sich der Sperranlage zwischen Israel und dem Gazastreifen nähere, bringe „sein Leben in Gefahr“, erklärte der rechtsgerichtete Politiker.

Bei den schlimmsten Konfrontationen zwischen israelischer Armee und Palästinensern im Gazastreifen seit 2014 waren am Freitag mindestens 18 Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen worden. Mehr als 1.400 wurden verletzt, die meisten durch Tränengas. 2014 hatte der Krieg zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas 50 Tage gedauert.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte das Vorgehen Israels bei den Massenprotesten am Freitag als völkerrechtswidrig. „Israelische Soldaten haben nicht nur exzessiv Gewalt angewendet“, sagte der stellvertretende Nahost-Direktor Eric Goldstein. „Sondern sie haben offensichtlich Befehle befolgt, die nichts als eine blutige militärische Antwort auf die palästinensischen Demonstrationen sicherstellten.“

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Das Ergebnis seien „vorhersehbare Tode und Verletzungen der Demonstranten“ auf der anderen Seite der Grenze gewesen. Diese seien dabei keine „unmittelbare Bedrohung für das Leben“ der Soldaten gewesen. Goldstein verwies unter anderem auf vorherige Aussagen der Armee, mehr als 100 Scharfschützen an der Grenze zu postieren.

Die Armee äußerte sich zunächst nicht zu dem Bericht. Am Freitag hatte sie betont, nur gezielt auf Anstifter geschossen zu haben. Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sagte später dem Armeesender, die meisten am Freitag getöteten Palästinenser seien „bekannte Terroraktivisten“ gewesen.

Zum „Marsch der Rückkehr“ am „Tag des Bodens“ waren nach palästinensischen Schätzungen mehr als 50.000 Menschen gekommen, nach israelischen Angaben rund 40.000. Die Hamas wollte mit der Aktion ihren Anspruch auf ein „Recht auf Rückkehr“ für palästinensische Flüchtlinge und deren Nachkommen in das Gebiet des heutigen Israel untermauern. Israel lehnt eine Rückkehr in das eigene Staatsgebiet ab.

Der „Tag des Bodens“ erinnert an die gewaltsame Niederschlagung von Protesten arabischer Bauern gegen die Enteignung ihres Landes im Norden Israels am 30. März 1976. Die neuen Proteste sollen bis Mitte Mai dauern. Israel verteidigte sein hartes Vorgehen. Ein Armeesprecher sagte, es habe sich „nicht um eine Protestkundgebung“ gehandelt, sondern um „organisierte terroristische Aktivitäten“.


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