„Sehnsucht, unterwegs zu sein“: Isolation Berlin live in Österreich

Wien (APA) - „Die Wien-Geschichte“, schmunzelte Tobias Bamborschke. Stimmt, da war was. Mit seiner Band Isolation Berlin hat der Sänger vor ...

Wien (APA) - „Die Wien-Geschichte“, schmunzelte Tobias Bamborschke. Stimmt, da war was. Mit seiner Band Isolation Berlin hat der Sänger vor kurzem ein neues Album veröffentlicht, in dessen Opener es heißt: „Mitten in Berlin träume ich von Wien.“ Nicht nur deshalb dürfte das heutige Konzert im Wiener Fluc ein besonders für die deutsche Gruppe sein, die seit gut zwei Jahren ziemlich erfolgreich unterwegs ist.

Den Anfang machte vor gut vier Jahren eine EP, bevor 2016 das Debüt „Und aus den Wolken tropft die Zeit“ einschlug: Das Quartett wurde mit Kritikerlob überhäuft, die schmackhafte Mischung aus leicht verzogenem Gitarrenpop und melancholisch-düsteren Texten kam auch beim Publikum an. Etliche Konzerte und eine intensive Schaffensphase später ist nun „Vergifte dich“ da, ein überzeugender Nachfolger, bei dem man sich mehr traute. Und eben die erwähnte Wien-Zeile. „Der Reim ist einfach schön“, sagte Bamborschke wenige Stunden vor Konzertbeginn im APA-Interview.

Entstanden ist der Text in einer Tourpause. „Jeden Tag bin ich zum Pfandflaschenautomat gegangen und habe Flasche weggebracht“, bezog sich der Sänger lachend auf eine weitere Zeile. „Da habe ich auch ‚Die Strudlhofstiege‘ gelesen. Ich habe mich damals einfach danach gesehnt, wieder loszufahren, auch nach Wien. Daraus hat sich ein Tagtraum entwickelt, und dann habe ich das geschrieben. Ich hatte Sehnsucht danach, wieder unterwegs zu sein.“ Die Lust am Spielen, am Ausprobieren ist es schließlich auch, die die Platte kennzeichnet.

Und außerdem: Die der Band gerne angedichtete Schwermütigkeit ist nur kreativer Ausdruck, wie im Gespräch schnell deutlich wird, denn hier wird viel und gerne gelacht. Da mögen schwarze Löcher, Gift und Vampire noch so oft in den Songs vorbeischauen. „Das sind letztlich ja auch Momentaufnahmen, jeder stammt aus einer anderen Zeit“, erklärte Bamborschke. „Du kannst nicht sagen, dass ein Song eine Überschrift für ein gesamtes Lebensgefühl ist. Wir sind eine Band und erzählen Geschichten. Daraus ein Charakterbild von vier Menschen abzuleiten, ist doch völliger Quatsch.“

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Dementsprechend gehe es nicht um ihn als Person in diesen Stücken. „Mir ist einfach der Song wichtig. Ob das aus meinem Leben stammt oder aus einem Buch oder von jemand anderem, das ist eigentlich egal. Es ist ein Mischwesen aus mir und anderen Geschichten. Mir geht es nicht darum, den Leuten ein Bild von mir zu zeichnen“, betonte der Musiker. „Konflikte, Geschichten, Situationen interessieren mich - nicht das Leben von Tobias Bamborschke.“ Ein Beispiel dafür ist auch das Lied „Melchiors Traum“, beeinflusst von Wedekinds „Frühlings Erwachen“. Als erstes Stück ist es in einem Jam entstanden, „die Worte sind erst in der Improvisation fertig gewachsen. Da bin ich sehr weit von mir weggegangen und in eine andere Rolle geschlüpft.“

Und natürlich gibt es noch die Musik selbst, die auf „Vergifte dich“ ziemlich vielfältig ausgefallen ist: Da werden mal Indie-Rock-Versatzstücke benützt, fühlt man sich dann wieder näher beim Chanson oder tanzt zum Ende hin Pogo, wenn „Die Leute“ oder „Kicks“ eher dem Postpunk frönen. „Ich wollte bei diesem Album schon Lücken füllen“, erläuterte dazu Gitarrist Max Bauer. „Dabei merken wir schnell, ob etwas funktioniert oder nicht. Da müssen wir nicht viel darüber sprechen.“ Musikalische Ideen wiederholen oder eine Geschichte noch mal erzählen, das kommt für Isolation Berlin nicht infrage.

Und auch die persönlichen Vorlieben spielen ein Rolle, selbst wenn diese nicht thematisiert werden. „Ich spüre das schon, ja“, meinte Bamborschke. „Das finde ich spannend. Jeder hat eigene Einflüsse, und doch kennen wir die gar nicht alle. Wir reden nicht darüber, wo was herkommt. Aber in der Mitte trifft es sich.“ In den Dialog treten dann schon eher die Songs, die von dynamisch-zuckend in Richtung sehnsüchtig-träumend abdriften - und wieder zurück. Am liebsten spielt man aber ohnedies live, gemeinsam mit Bassist David Specht und Schlagzeug Simeon Cöster. „Eigentlich spielen wir sogar lieber als am Anfang“, lachte Bauer, „weil ja Publikum da ist.“ So wohl auch am morgigen Donnerstag in Salzburg.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - Isolation live in Wien (4. April) und Salzburg (5. April), https://de-de.facebook.com/ISLTN.BRLN)


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