Sandra Frauenberger - Kurzvisite im Gesundheitsressort geht zu Ende

Wien (APA) - Sandra Frauenberger wird ihre Kurzvisite im Gesundheits- und Sozialressort in Bälde beenden. Zuvor für Bildung und Integration ...

Wien (APA) - Sandra Frauenberger wird ihre Kurzvisite im Gesundheits- und Sozialressort in Bälde beenden. Zuvor für Bildung und Integration zuständig, war sie erst Anfang 2017 dorthin gewechselt - nachdem Sonja Wehsely das Handtuch geworfen hatte. Frauenberger vollzieht nun mehr oder weniger den selben Schritt wie ihre Vorgängerin.

Seit 2007 war die 51-Jährige Teil der Wiener Stadtregierung. Bis 2015 kümmerte sie sich um die Frauen- und Integrationsagenden. Nach der Wahl wurde ihr Portfolio mit dem Ressort Bildung aufgefettet. Seit den Anfängen hat sich die Karriere der laut eigenen Angaben „leidenschaftlichen“ Politikerin im frauenpolitischen Bereich sowie bei der Gewerkschaft abgespielt.

Beruflich begann ihr Engagement 1984 mit den Eintritten in die Länderbank und in die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA). Innerhalb der Gewerkschaft stieg sie von der Jugendreferentin zur Frauensekretärin und 1999 schließlich zur Leiterin der Bundesfrauenabteilung auf. Ab 2004 saß sie überdies im Bundesvorstand des ÖGB und im GPA-Bundespräsidium. Im Juni 2006 übernahm sie für ein Jahr auch den Vorstandsvorsitz des Wiener Arbeitnehmerförderungsfonds (WAFF).

Ihre politische Heimat hat Frauenberger - ebenso wie Parteikollegin und Finanzstadträtin Renate Brauner - in der SPÖ-Margareten. Dort ist sie seit 1997 aktiv, als sie zum Mitglied des Bezirksfrauenkomitees avancierte. 2001 stieg sie in die entscheidenden Bezirksgremien auf, 2009 löste sie Brauner als Vorsitzende ab. Im Wiener Gemeinderat besitzt sie seit 2001 ein Mandat, das sie auch behalten möchte. Im Jänner 2007 wurde sie als Nachfolgerin von - damals schon - Sonja Wehsely amtsführende Stadträtin.

Zu Frauenbergers damaliger Leistungsbilanz zählte die Gründung der „Wiener Zuwanderungskommission“ - ein Expertengremium, das Empfehlungen in Sachen Zuwanderung erarbeitete, die der Stadt als Leitfaden für die Gestaltung der Migrationspolitik innerhalb der nächsten zehn Jahre dienen soll. Zudem wurden unter ihre Amtszeit zahlreiche Pakete geschnürt, so das „Verpartnerungspaket“ zur Umsetzung der eingetragenen Partnerschaft oder das „Tierschutzpaket“, in dessen Mittelpunkt die artgerechte Tierhaltung stand.

Auch die Novellierung des Prostitutionsgesetzes oder die „Wiener Charta“ wurden umgesetzt. In letzterer wurden mittels Bürgerbeteiligung die Grundsätze für ein gutes Zusammenleben in der Stadt festgeschrieben.

Frauenberger galt stets als begeisterte Rot-Grün-Anhängerin - die mit dem Gesundheitsressort vor allem das Megaprojekt Krankenhaus Nord erbte. Im Troubleshooting um Planungsfehler und Verzögerungen setzte sie durchaus auf Zuversicht und Strenge. Zuletzt wurden jene Personen dienstfrei gestellt, die für die Energetik-Affäre rund um das Großspital verantwortlich gewesen sein sollen. Auch die Neuorganisation des Krankenanstaltenverbunds brachte sie auf Schiene. Die Neuregelung der Wiener Mindestsicherung fiel ebenfalls in ihre Agenda, nachdem einige Bundesländer die bisher geltende gemeinsame Regelung nicht mehr mittragen wollten.

Im Rennen um die Nachfolge von SPÖ-Parteichef und Bürgermeister Michael Häupl stand sie klar auf der Seite des später unterlegenen geschäftsführenden Parlamentsklubchefs Andreas Schieder. Möglicherweise ist sie mit ihrem Rücktritt ihrer Ablöse durch den neuen Chef-Roten Michael Ludwig zuvorgekommen. Denn dass sie in dessen Team keinen Platz mehr gehabt hätte, davon waren viele im Rathaus überzeugt. Auch der Umstand, dass sie zu den Lieblingsfeindinnen des Boulevards gehörte, hat ihr - wie sie nun selbst angedeutet hat - den Abschied erleichtert. Unterstützung erhielt sie allerdings bis zuletzt von Noch-Stadtchef Michael Häupl, der sie 2007 in die Regierung geholt hatte.

Die verheiratete Mutter zweier Söhne wurde am 22. September 1966 in eine Simmeringer Arbeiterfamilie geboren. Erstmals politisch aktiv wurde Frauenberger als 16-Jährige, bei einer Friedensdemo gegen den Kalten Krieg. Entspannung findet Frauenberger eigenen Angaben zufolge beim Radiohören, bei der Lektüre - etwa von Simone de Beauvoir - sowie beim Laufen.

~ WEB http://www.spoe.at ~ APA443 2018-04-04/17:24


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