Banken bei Immo-Krediten wieder riskanter unterwegs

Kredite für Eigentumswohnungen sind wieder leichter zu bekommen. Dabei steigt das Ausfallrisiko für Banken. FMA droht mit Strafaufschlag.

© Franz Pfluegl

Von Stefan Eckerieder

Wien –Leichtfertig vergebene Immobilienkredite brachten die weltweite Finanzwelt im Jahr 2008 ins Wanken und führten in eine Finanz- und Wirtschaftskrise, von der sich die Weltwirtschaft gerade erst erholt. Mit der steigenden Kreditvergabe im Zuge des Aufschwungs scheinen die Banken nun wieder risikobereiter zu werden. Doch auch die Bankenaufseher sind mit neuen Werkzeugen ausgestattet, um die Banken zu bremsen.

Das Positive für Konsumenten: Wer ein Darlehen für ein Haus oder eine Eigentumswohnung will, kommt billig und leicht zu Geld. Bereits 2017 haben die privaten Wohnbaukredite in Österreich um die Hälfte stärker zugelegt als das Kreditwachstum insgesamt. Es herrscht starker Wettbewerb. Einige Banken sind im Wettlauf um Kunden jedoch aggressiver als andere. Bis vor ein, zwei Jahren war es gängige Praxis, dass Kunden mit Pensionsantritt die letzten Raten mit der Abfertigung zurückgezahlt haben. Nun gehe der Trend zu überlangen Laufzeiten von bis zu 40 Jahren, wo die Kreditnehmer am Laufzeitende schon 80 sein können, warnte die Finanzmarktaufsicht (FMA) am Mittwochabend vor Journalisten. Die FMA hat den Eindruck, dass eine Verlängerung dazu genutzt wird, um den Kredit ‚vergebbar‘ zu machen, weil sich eine kürzere Laufzeit in der Haushaltsrechnung nicht ausgeht.

Eine Verlängerung der Laufzeit senke zwar die monatliche Belastung spürbar – bei einem 200.000-Euro-Hypothekarkredit zu 2 Prozent zum Beispiel von 1012 Euro (20 Jahre) auf 606 Euro (40 Jahre) –, erhöhe die Gesamtrückzahlung und das Risiko aber empfindlich, warnt die FMA. Wer sich einen Kredit zu Niedrigzinsen gerade noch leisten könne, sei bei langen Laufzeiten und steigenden Zinsen gefährdet. Beim Kredit müsse das Lebenseinkommen im Vordergrund stehen, hier dürfe nicht alles ausgereizt werden. Damit tue man niemand etwas Gutes.

Auch der Eigenmittelanteil, der für einen Immo-Kredit benötigt wird, sinkt bei einigen Banken unter die Mindestgrenze von 20 Prozent. Tilgungsfreie Jahre und weitere kritische Anreize für Neukunden bereiten den Aufsehern ebenfalls Sorgen.

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„Wir beobachten, dass sich das in den letzten 24 Monaten aufbaut. Jetzt ist Zeit, hier einzugreifen“, sagten die FMA-Chefs Helmut Ettl und Klaus Kumpfmüller. Bis Jahresende werde man einen „kritischen Dialog“ mit einzelnen Instituten führen. Zu Verboten oder Vorschriften greift die Aufsicht im Wohnbaukreditvergabemodus noch nicht. Im Einzelfall könne eine Bank dann einen Aufschlag von beispielsweise 0,7 Prozentpunkten auf die ohnedies zu erfüllende Eigenmittelquote aufgebrummt bekommen. Man vertraue aber darauf, dass die reine Androhung zu einem Umdenken bei den betroffenen Banken führen werde.

Ein Systemrisiko gebe es aber nicht, ebenso wenig eine Blase, sagen die FMA-Chefs.

FMA leitete 422 Verfahren ein

Seit 2017 müssen die Banken ein Basiskonto für sozial oder wirtschaftlich schutzbedürftige Menschen anbieten. Für die Banken ist das kein einträgliches Geschäft. Dementsprechend schwierig waren Information darüber zu erhalten. Erst als die FMA eine Überprüfung durchführte und die Institute auf die Informationspflicht aufmerksam machte, änderte sich das, so die FMA. Wiederholt hatten Konsumentenschützer Banken mit Beschwerden eingedeckt — wegen Ablehnungen oder bestimmter Vertragsklauseln. Ablehnen darf eine Bank ein Basiskonto nur, wenn schon ein Konto bei einer österreichischen Bank besteht oder der Kontointeres­sent gegenüber der Bank oder einem ihrer Mitarbeiter straffällig geworden ist. Beschweren können sich abgelehnte Kunden bei der FMA oder bei der Banken-Schlichtungsstelle. Mittlerweile gibt es rund 9300 solcher Basiskonten in Österreich.

Insgesamt gingen bei der FMA im Vorjahr 2325 Beschwerden ein. In 1604 sah sich die FMA zuständig, was 422 Verfahren nach zog. Drei Viertel der Verfahren richteten sich gegen Banken. Meistens betrafen die Beschwerden über Banken den Zahlungsverkehr, gefolgt von strittigen Kreditthemen.


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