„Brummbär“ ist nun an der Kärntner ÖVP-Spitze

Martin Gruber folgt Christian Benger als Kärntner Parteichef nach. Interner Machtkampf und gutes Netzwerken haben ihn nach oben gebracht.

© APA

Von Karin Leitner

Klagenfurt –Vorerst führt er nur die Geschäfte der Kärntner Schwarzen. Das ist im Vorstand fixiert worden. Beim nächsten Parteitag wird Martin Gruber zum ÖVP-Chef gekürt. Nicht nur sprichwörtlich, tatsächlich ist er über Nacht zum Frontmann der Landespartei geworden, die bei der Wahl am 4. März – mit einem Prozentpunkt mehr als zuletzt – auf 15,4 Prozent gekommen ist.

Der bisherige Obmann, Christian Benger, tritt ab – obwohl er mit SPÖ-Landeshauptmann Peter Kaiser einen Regierungsbund paktiert hat. Ob seines ungelenken Vorgehens – etwa Äußerungen in Interviews – war Benger schon im Wahlkampf von Gesinnungsfreunden kritisiert worden. Vielen missfiel auch, dass er bereits vor der Wahl eine Koalitionsbedingung genannt hatte. Nichtsdestotrotz beteuerte Benger, unumstritten zu sein: „Es gibt Geschlossenheit hinter mir.“ Die gab es nicht. Benger hat den internen Machtkampf verloren. Gänzlich der Politik entsagen wird er nicht; das Landtagsmandat nimmt der gebürtige Vorarlberger an.

Das Sagen hat jetzt aber Gruber. Kommunalpolitische Erfahrung hat dieser. Seit 2009 ist er Bürgermeister von Kappel am Krappfeld, einer 2000-Einwohner-Gemeinde im Bezirk St. Veit an der Glan. Er war erst 25 Jahre alt, als er Ortschef wurde.

Bei der Landtagswahl war Gruber ÖVP-Spitzenkandidat im Wahlkreis Ost; auf 3300 Vorzugsstimmen brachte er es – damit auf das beste Resultat in der Volkspartei.

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Ehrgeizig, zielstrebig ist der 34-Jährige. Und umtriebig. Gruber ist bei der Feuerwehr und Präsident des Sportvereins. Er sitzt auch im Vorstand der Landwirtschaftskammer, ist Vizepräsident des Kärntner Gemeindebunds und Bezirksparteiobmann.

Ein Netzwerk hat sich Gruber aufgebaut – vor allem über den Bauernbund. In der Landesregierung war er ebenfalls zugange: als Referent des einstigen ÖVP-Landesrats Josef Martinz. Abseits der Politik werkt Gruber, der die Agrar-HAK absolviert hat, als Sachbearbeiter für Förderwesen in der Agrarabteilung des Landes. Und er ist Nebenerwerbsbauer.

Im Kärntneranzug zeigt er sich gern, ditto als Familienmensch. Zwei Mädchen haben er und seine Frau; das eine ist zwei Jahre alt, das andere ein Baby. Eines von Grubers Landtagswahlkampfthemen war flexible Kinderbetreuung in den Kommunen.

Intimes tat er vor der Wahl in einem Lokalblatt kund. Beim Duschen singe er: „Neben Chartliedern schmettere ich auch das Krappfeld-Lied. Wirklich singen kann ich aber nicht. Meine Mutter hat mich deshalb früher immer Brummbär genannt.“


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