„Hände weg von der Unterführung“

Haller Anrainer haben 750 Unterschriften gegen die Auflassung einer Fußgängerunterführung im Bereich Galgenfeldstraße gesammelt. Sie fürchten vor allem um die Sicherheit von Kindern. Stadt und Land beruhigen.

© Domanig

Von Michael Domanig

Hall –Im Sommer 2017 fasste der Haller Gemeinderat den Grundsatzbeschluss für eine umfassende Neugestaltung der heiklen Kreuzung zwischen B 171, Galgenfeldstraße und Zollstraße im Osten der Stadt – ein Thema, das die Kommunalpolitik schon seit Jahrzehnten beschäftigt.

Teil des geplanten Umbaus ist die Schaffung einer eigenen Linksabbiegespur von der Galgenfeldstraße Richtung Mils, um so die häufigen Rückstaus zu verhindern. Zugleich soll die Fußgängerunterführung, die unter der B 171 hindurchführt, durch einen ampelgeregelten Schutzweg ersetzt werden. Gegen diese Aspekte regt sich bei Anrainern massiver Widerstand: „Die Toten mahnen! Hände weg von der Unterführung“, steht auf einem Transparent nahe der Kreuzung, begleitet vom drastischen Bild eines Teddybären in einer Blutlache.

Die zugehörige Petition, gestartet vom Haller Rechtsanwalt Christian Margreiter, hat schon 200 physische und über 560 Online-Unterschriften erreicht. Die Hauptmotivation liege in seiner Familiengeschichte begründet, erzählt Margreiter: „1968 wurde mein damals 10-jähriger Cousin, der heute gleich alt wäre wie ich, auf dieser Kreuzung von einem Auto überfahren, als er von der Schule in Schönegg zum Postbus wollte. Für mich war das ein großer Schock und eine Zäsur in meinem Leben.“ Auf der Kreuzung habe es noch weitere Todesfälle gegeben, „die eben dazu führten, dass vor Jahrzehnten diese Unterführung errichtet wurde“.

Er selbst wohne seit 1991 nahe der Kreuzung, so Margreiter. „Ich habe fünf Kinder – und war immer froh, dass es die Unterführung gibt. Jetzt möchte ich auch, dass meine drei kleinen Enkel die Kreuzung sicher nützen können.“

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Die Unterführung werde stark frequentiert, betont er, erst recht seit den vielen Neubauten im Stadtteil Untere Lend. Im März habe man an einem normalen Tag zwischen 7 und 14 Uhr 273 Personen gezählt. „Besonders viele Schüler nützen auf ihrem Schulweg die Unterführung.“ Diese Tatsache werde von der Politik jedoch „negiert“.

Während in früheren Planungen „unstrittig war, dass die Unterführung bleibt“, solle sie nun zugeschüttet werden, „weil wegen des geplanten Linksabbiegers Richtung Osten der Kreuzungstrichter erweitert wird und der Nordeingang der Unterführung nicht mehr nützbar ist“. Doch ein Zebrastreifen sei kein Ersatz, nur eine Unterführung biete wirksamen Schutz. „Es geht um die Sicherheit der Kinder“, sagt Margreiter. Statt die Unterführung aufzulassen, solle diese „endlich“ barrierefrei umgebaut werden.

Der Linksabbieger sei zudem „völlig unnötig“, findet Margreiter. „Die Kreuzung soll ja ohnehin ampelgeregelt werden, also hat der Verkehr aus der Galgenfeldstraße irgendwann Grün.“ Die Linksabbiegespur werde „nur noch mehr Durchzugsverkehr in die ohnehin schon stark belastete Galgenfeldstraße lotsen“.

Die Neugestaltung der Kreuzung sei grundsätzlich gut, so Margreiter, er sei als Anrainer auch bereit, Grund dafür abzutreten: „Aber solange das Problem der Unterführung nicht gelöst ist, werde ich mich mit Händen und Füßen gegen eine Enteignung wehren.“

Der Umbau sei „sehr lange und gründlich geplant worden“, entgegnet Christian Molzer, Vorstand der Abteilung Verkehr und Straße beim Land Tirol. „Wir haben beobachtet, dass die nicht barrierefreie – und auch nicht ertüchtigbare – Unterführung von vielen Verkehrsteilnehmern nicht angenommen wird. Ein ampelgeregelter Schutzweg ist aus unserer Sicht sicherer.“ Die Verkehrsverhandlung hat bereits stattgefunden, laut Molzer ist der Bescheid aber noch nicht ergangen.

BM Eva Posch stellt klar, dass sie die Sicherheitsbedenken „sehr ernst“ nehme, sie vertraue aber auf die planenden Fachleute, „die den Kreuzungsumbau ja wesentlich aus Sicherheitsgründen veranlassen“. Dies gelte etwa auch für die „dringend nötige“ Verlegung der Bushaltestellen. Die vorgeschlagene Planung „entspricht ganz bestimmt dem Stand der Technik und allen Sicherheitsauflagen“.


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