Waterhouse verließ Kunstsenat aus Protest gegen Regierungsprogramm

Wien (APA) - Der Schriftsteller Peter Waterhouse ist nicht mehr Mitglied des Österreichischen Kunstsenats. Aus Protest gegen das ÖVP/FPÖ-Reg...

Wien (APA) - Der Schriftsteller Peter Waterhouse ist nicht mehr Mitglied des Österreichischen Kunstsenats. Aus Protest gegen das ÖVP/FPÖ-Regierungsprogramm hat der Autor seine Mitgliedschaft zurückgelegt, erklärt er im aktuellen „Falter“. „Das für mich ganz Problematische, was mich zu diesem Austritt bewogen hat, ist die Kälte und Verpflichtungslosigkeit in der Migrationspolitik“, bestätigte er am Donnerstag.

Er habe diesen Schritt für sich, unabhängig von den weiteren Kunstsenatsmitgliedern, gesetzt. Waterhouse unterstrich gegenüber der APA, dass er sich mit seiner Kritik rein auf das schriftliche Regierungsprogramm bezieht. „Es ist notwendig, diesen Text ganz ernst zu nehmen. Auch wenn die praktische Umsetzung, die eigentliche Arbeit des Regierens und Handels dann woanders hinführt, so bleibt dieser Text als Dokument eines geistigen Zustandes in diesem Landes gültig. Man soll ihn unter diesem Aspekt anschauen.“

Für ihn sind die Formulierungen „verbissen und ängstlich“, außerdem vermisst Waterhouse im Migrationskapitel „die Begriffe Verpflichtung und Verantwortung“. Auch mit der Kunstpolitik geht er scharf ins Gericht, „weil es Zusammenhänge gibt in der Grundhaltung der Migrationspolitik und in der Auffassung von dem, was Kultur ist“, so der Schriftsteller, der 2012 mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet wurde und im Jänner des Folgejahres Mitglied im Kunstsenat wurde. Die Mitgliedschaft ist ehrenamtlich und besteht grundsätzlich lebenslang.

Kaum wahrnehmbar waren und sind für Waterhouse hingegen weitere kritische Stimmen zum Regierungsprogramm, die aus der Kunstszene kommen. „Im Kunst- und Kulturbereich, so weit ich ihn übersehen und erhören kann, erschienen mir die Kritiken als viel zu wenig. Eigentlich spüre ich keine kritische Haltung, ich erkenne sie nicht. Vielleicht übersehe ich da Einiges, aber von der Grundstimmung her sehe ich eher ein Abwarten und vielleicht auch negative Urteile im direkten Gespräch. Aber ich sehe das nicht öffentlich werden und keine Debatte beginnen. Da ist mir zu wenig Ernst erkennbar.“

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Das Datum seines Austritts am 22. März begründete Waterhouse mit der Abstimmung über den diesjährigen Staatspreisträger. Bei dieser „gewichtigen Entscheidung wollte ich noch dabei sein“, so der Schriftsteller. Der Präsident des Kunstsenats, Autor Josef Winkler, bedauerte das Ausscheiden von Waterhouse. „Es ist seine persönliche Entscheidung, die mir leidtut.“ Waterhouse habe sich „wegen dieser momentanen Politik“ dazu entschieden, erklärte Winkler der APA. Die Kommunikation zu ihm werde deshalb aber „lange nicht abgebrochen“.

(S E R V I C E - www.kunstsenat.at)


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