Eine letzte Jause bei Ingrid

Beste Skitouren-Bedingungen gibt es im Gleirschtal (Sellrain). Bis zum 15. April ist die Pforzheimer-Hütte noch geöffnet, bevor sich Ingrid Penz als Hüttenwirtin verabschiedet.

Ziel erreicht: Das Gipfelkreuz des Samerschlag steht auf 2829 Metern.
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St. Sigmund –Im Inntal und in vielen Mittelgebirgslagen Tirols hält mehr und mehr der Frühling Einzug. In höher gelegenen Regionen hingegen, wie etwa in St. Sigmund im Sellraintal, sieht man vom Frühling noch nicht viel. So ist etwa die Rodelbahn zur Gleirschalm noch immer komplett und durchgehend schneebedeckt, das gesamte Gleirschtal präsentiert sich so winterlich, wie ich es eigentlich noch nie erlebt habe. Schnee in Hülle und Fülle und eine geschlossene Schneedecke – und dies Anfang April. Da lacht das Herz jedes Skitourengehers, denn besser könnten die Bedingungen nicht sein.

Diese Woche waren wir also im Gleirschtal unterwegs. Seit Langem wieder einmal. Aus zweierlei Gründen: Einerseits, um die Top-Skitourenbedingungen auszunützen, und andererseits, um uns bei Ingrid Penz, der langjährigen Hüttenwirtin der Pforzheimer-Hütte, persönlich zu verabschieden. Nach 13 Jahren Hüttenleben ist nun Schluss für Ingrid, die bei Gästen und Einheimischen für ihre extravagante Frisur und die gesellige und lustige Art bekannt ist. Sie wird auf der Pforzheimer-Hütte wohl vielen fehlen.

Den Samerschlag-Gipfel hat man bei der gesamten Tour vor sich. Verfehlen kann man ihn also nicht.
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Doch ganz vom Erdboden wird Ingrid nicht verschwinden, wie sie uns versichert: „So schnell wird mich das Sellraintal nicht los“, schmunzelt die Hüttenwirtin. Warum? Sie wird künftig ein Tal weiter und eine „Etage“ tiefer, also in Haggen, die Schärmer Alm bewirtschaften und die Pforzheimer-Hütte ihren langjährigen Mitarbeitern Florian und Sonja überlassen. „Die beiden sind noch jung und voller Energie“, streut die Noch-Hüttenwirtin dem Duo Rosen.

Doch nun zur Tour: Auf dem Programm stand diese Woche der Samerschlag. Ein kleiner und unscheinbarer Gipfel, der hoch über der Pforzheimer-Hütte thront. Grundsätzlich sind Touren im Gleirschtal nicht zu unterschätzen, denn das Gleirschtal zählt zu den längsten Tälern überhaupt. Alleine der Hüttenzustieg zur Pforzheimer-Hütte nimmt rund zwei bis zweieinhalb Stunden (ca. 730 Höhenmeter) in Anspruch. Wir starten beim kostenpflichtigen Parkplatz in St. Sigmund (4 Euro) und folgen dem Rodelweg gemütlich bis zur Gleirschalm. Weiter taleinwärts, vorbei an der Riegelkapelle in Richtung Süden. Bis hierher haben wir nicht viele Höhenmeter absolviert, erst jetzt wird es langsam etwas steiler. Wir orientieren uns an den Schneestangen und folgen diesen weiter bis hinein zur Materialseilbahn, die auf die Pforzheimer-Hütte führt. Vorsicht: Die Passage vor der Materialseilbahn, die so genannte „Enge“, ist bei zunehmender Tageserwärmung doch lawinengefährdet.

Die Hütte haben wir nun im Blickfeld. Über den steilen Osthang geht’s in einigen Spitzkehren hinauf. Teil eins der Tour und die ersten 730 Höhenmeter von knapp über 1300 sind geschafft. Es ist zeitig in der Früh, für den Einkehrschwung zu früh. Doch für einen schnellen Smalltalk mit dem Hüttenpersonal, welches längst auf den Beinen ist, muss Zeit sein.

Tourentipp online

Den Track für die Tour finden Sie hier: https://go.tt.com/2q8Vrqi

Noch warten rund 600 Höhenmeter auf uns. Von der Hütte folgen wir der Spur über sanftes Gelände in Richtung Westen – Walfeskar (Aufstieg Zwieselbacher Rosskogel) – und zweigen dort aber nach links ab und nehmen die Spur wieder in Richtung Süden, die in Richtung Gleirschjöchl führt.

Der Samerschlag ist eigentlich nicht zu verfehlen, denn den Gipfel samt Gipfelkreuz hat man immer vor sich. Über einen Rücken folgen wir der Aufstiegsspur bis zum wirklich steilen und finalen Gipfelhang, den man bei ungünstigen Verhältnissen durch ein Felsband auch ein wenig entschärfen kann.

Hüttenwirtin Ingrid Penz (r.) verabschiedet sich nach 13 Jahren von der Pforzheimer-Hütte.
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Wir sind am Ziel. Allzu gemütlich ist es aber nicht. So windstill der Aufstieg noch war, am Gipfel ist der kräftige Südföhn deutlich zu spüren. Ein schnelles Gipfelfoto, ein rascher 360-Grad-Rundumblick, und wir fahren wieder ab. Anfänglich über gepressten Pulverschnee, später über lässigen Schmierschnee. Richtiger Firn ist das heute aber noch nicht.

Und jetzt kehren wir natürlich bei Ingrid und ihrem Team auf der Pforzheimer-Hütte ein. Die Zeit verrinnt viel zu schnell, die Geschichten, die uns die Wirtin erzählt, nehmen kein Ende. Wir wären gerne noch länger geblieben, aber irgendwann müssen wir zurück ins Tal nach St. Sigmund.

Doch dieses Mal brechen wir mit einem anderen Gefühl auf als sonst. Nämlich mit jenem, dass wir uns von Ingrid Penz als Hüttenwirtin der Pforzheimer-Hütte endgültig verabschieden müssen. Nach 13 Jahren liebevoller Bewirtung von Gästen und Einheimischen, sowohl im Sommer als auch im Winter.

Bis zum 15. April können Sie Ingrid Penz auf der Hütte noch besuchen und sonst ab Mitte Juni wieder als neue Gastwirtin auf der Schärmer Alm in Haggen. (flex)


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