Sondertransport nach Graz: Flugzeugrumpf „landete“ sicher vor Hotel

Graz (APA) - Der Vogel ist gelandet: Donnerstagfrüh ist eine Iljuschin IL 62 aus dem niederösterreichischen Heidenreichstein in Graz beim No...

Graz (APA) - Der Vogel ist gelandet: Donnerstagfrüh ist eine Iljuschin IL 62 aus dem niederösterreichischen Heidenreichstein in Graz beim Novapark Hotel angekommen. Der Sondertransport mit einer Länge von 70 Metern benötigte von der Grazer Nordeinfahrt bis zum Ziel rund drei Stunden und wurde von zahlreichen Schaulustigen begleitet. Ab Juli soll die Maschine als Eventlocation am Dach des Hotels dienen.

Zwei Nächte lang war die ehemalige Reisemaschine des tschechoslowakischen Staatspräsidenten Gustav Husak zu ihren neuen Besitzern unterwegs. In der ersten Nacht schaffte es der überlange Transport bis Baden und hatte schon da über Bundesstraßen einige Hindernisse wie Kreisverkehre und eine Eisenbahnkreuzung zu überwinden, schilderte Franz Sucek von der beauftragten Transport- und Kran-Firma Prangl.

Millimeterarbeit war bereits in Niederösterreich angesagt, eng wurde es auch Donnerstagfrüh in Graz. Kurz vor 1.00 Uhr kam der Tross wie geplant bei der nördlichen Stadteinfahrt an. Zunächst ging es noch flott über die Wiener Straße, doch bereits an der Kreuzung mit dem Kalvariengürtel musste der fünf Meter breite und viereinhalb Meter hohe Transport ausscheren. Das Linksabbiegemanöver war sogar auf der großzügig ausgebauten Kreuzung nur mit einer Fahrt über Verkehrsinseln möglich - das Gras streifte dabei fast am Bauch des Flugzeugrumpfes.

Für das Spektakel hatten sich Dutzende Zaungäste versammelt und ihre Mobiltelefone gezückt. Aus einem Gasthaus schwärmten so manche angeheiterten Gäste aus, um die Vorbeifahrt des „Fliegers“ zu sehen. Während die Logistik-Experten um die Ecke manövrierten, sammelten sich im Gastgarten des Wirts die Spritzergläser. „Schatzi, flieg‘ ma mit?“, fragte ein Gast seine Liebste. Eine Zuschauerin meinte: „Endlich tut sich bei uns was in der Gasse.“

Für eine zweite Kreuzung hatten im Vorfeld unter anderem ein Lichtmast sowie eine Ampel vorübergehend weichen müssen. Dennoch blieb es eng: Zwischen Reifen und Hausmauer blieben weniger als ein halber Meter. Zahlreiche Anrainer fotografierten aus ihren geöffneten Fenstern hinaus, wobei besonders Bewohner eines ersten Stocks beste Sicht auf das Cockpit der Maschine hatten.

Mit dem Zwitschern der aufwachenden Vöglein „landete“ der große Vogel ohne Flügel wie geplant kurz vor 4.00 Uhr hinter dem Hotel Novapark. Das Abladen brachte noch etwas Verzögerung, da die Spezialisten die Gewichtsverteilung neu justieren mussten. Letztlich legte der Kran den Rumpf nach einer 90-Grad-Drehung in zehn Metern Höhe kurz vor 9.00 Uhr auf seinem Zwischenlager, einem Sportplatz, ab.

Der gesamte Transport wog laut Sucek rund 122 Tonnen, wobei der etwa 50 Meter lange Rumpf mitsamt Rahmen rund 54 Tonnen ausmachte. Am Parkdeck bekommt das Flugzeug in den kommenden Wochen wieder seine Flügel, Triebwerke und das Heck dazugebaut. Die komplette Maschine soll in etwa vier Wochen mit einem 500-Tonnen-Kran auf das Hoteldach in etwa 25 Metern Höhe gehievt werden. Anfang Juli soll die „Eventlocation der besonderen Art“ eröffnen.

Allein der Abbau der von 2000 bis 2013 als Restaurant dienenden Maschine sowie der Transport nach Graz kosteten zusammen rund 500.000 Euro. Inklusive Zusammenbau, Installation am Dach, neuem Anstrich und Inventar wird das Projekt bis zu zwei Millionen Euro verschlingen, rechneten Geschäftsführer und Eigentümer Helmut Neukam und Direktor Ricardo Nickel bei der Pressekonferenz nach der Ankunft vor. Und dabei ist das Flugzeug nur ein Teil eines größeren Umbaus beim Hotel: Insgesamt investiert der Betrieb rund sieben Millionen Euro und wird künftig zusätzliche Zimmer, Kongressräume und Parkdecks bieten.

Die ausrangierte Iljuschin war eine Passagiermaschine, die Platz für fast 190 Fluggäste bot. Am Hoteldach soll eine Art „Flughafendeck“ entstehen, das Kapazität für 150 Leute bietet. In der Maschine selbst werden 15 bis 100 Personen Platz finden - je nachdem ob Tische oder Sessel gewünscht werden. Von der Iljuschin IL 62M wurden 193 Stück gebaut, 14 davon sind derzeit laut Novapark Hotel noch im aktiven Dienst. Die angekaufte Maschine wurde 1976 gebaut und soll bis etwa 1996 geflogen sein.

Die Idee für eine spezielle Location hatte Neukam bereits vor langer Zeit. Früher wollte er in einen Flieger Zimmer hineinbauen, „aber die Zeit war nicht reif“. Nun habe er zusammen mit Nickel die Idee wieder aufgegriffen. Neukam und Nickel rechnen fest damit, dass viele Leute einfach nur zum Flugzeug-Schauen kommen werden.

Imposant sind die Abmessungen: Die Iljuschin ist fertig zusammengebaut mehr als 53 Meter lang und mehr als zwölf Meter hoch. Die Flügelspannweite beträgt 43,2 Meter. Die vier Triebwerke leisteten ehemals je 8.460 PS, beschrieb das Novapark Hotel in seinen Unterlagen. Geplant ist die Eventlocation für Privatanlässe und Firmenveranstaltungen, wobei die Preise für Konsumationen nicht höher als im Hotel sein sollen. Zudem ist auch ein Zutritt im „Museumsstil“ mit „erschwinglichem Eintrittspreis“ angedacht, verriet Neukam. Details wolle man im Mai bekanntgeben, wenn das zusammengebaute Flugzeug auf das Dach gehoben wird.


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