Neuer Gewaltausbruch bei palästinensischen Protesten befürchtet

Jerusalem (APA/dpa/AFP) - Bei für Freitag erwarteten palästinensischen Protesten im Gazastreifen wird ein neuerlicher Gewaltausbruch befürch...

Jerusalem (APA/dpa/AFP) - Bei für Freitag erwarteten palästinensischen Protesten im Gazastreifen wird ein neuerlicher Gewaltausbruch befürchtet. Palästinenser wollen an der Grenze zu Israel Tausende Autoreifen verbrennen, um eine „Rauchwand“ zu erzeugen - Israel warnt vor schweren Umweltschäden. Außerdem wollen Aktivisten große Blendspiegel einsetzen, um israelischen Scharfschützen die Sicht zu erschweren.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres rief alle Beteiligten zur Zurückhaltung auf. „Ich unterstreiche meinen Aufruf an alle Beteiligten, alles zu unterlassen, was zu mehr Gewalt führen könnte, oder Zivilisten, besonders Kinder, in Gefahr bringen könnte“, sagte Guterres laut Mitteilung vom Donnerstag. „Insbesondere rufe ich Israel dazu auf, Vorsicht beim Einsatz von Gewalt auszuüben, um Opfer zu verhindern. Zivilisten müssen ihr Recht auf Demonstrationen ausüben können.“

Beim schlimmsten Ausbruch der Gewalt seit 2014 waren am Karfreitag insgesamt 19 Palästinenser getötet worden. Ein weiterer Palästinenser starb an Verletzungen, die er am Karfreitag erlitten hatte. Israelische Soldaten schossen nach Armeeangaben gezielt auf palästinensische Rädelsführer - die meisten der Getöteten waren nach israelischen Angaben militante Palästinenser.

In der Nacht zum Donnerstag tötete Israels Luftwaffe dann in der Nähe des Grenzzauns erneut einen bewaffneten Palästinenser. Seit Karfreitag sind damit inzwischen mindestens 21 Palästinenser bei Konfrontationen im Grenzbereich getötet worden.

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Israels Armeesprecher Ronen Manelis warf der im Gazastreifen herrschenden Hamas vor, sie wolle das Grenzgebiet zu Israel mit gewaltsamen Protesten gezielt in ein Kampfgebiet verwandeln. „Die Hamas spielt mit Feuer und wird die Konsequenzen tragen müssen.“

Die Hamas kündigte Zahlungen an Familien von Toten und Verletzten an. Angehörige von Toten sollten 3.000 Dollar (rund 2.450 Euro), von Schwerverletzten 500 Dollar (rund 400 Euro) und von mittelschwer Verletzten 200 Dollar (rund 160 Euro) erhalten, hieß es in einer Mitteilung der Organisation am Donnerstag.

Die Proteste sollen nach dem Willen der Hamas bis Mitte Mai dauern. Anlass ist der 70. Jahrestag der Gründung Israels. Die Palästinenser sehen sie als Katastrophe an, weil 1948 Hunderttausende Palästinenser fliehen mussten oder vertrieben wurden. Sie pochen auf ein „Recht auf Rückkehr“ für Flüchtlinge und ihre Nachkommen. Israel lehnt dies ab.

Gilad Erdan, israelischer Minister für strategische Angelegenheiten und innere Sicherheit, sagte, sein Land sei auf jedes Szenario vorbereitet. Jeder Versuch, den Gaza-Grenzzaun zu beschädigen, werde als „Terrorakt“ angesehen.

Der UN-Nahostgesandte Nikolay Mladenov sagte, er verfolge die Vorbereitungen auf die neuen Proteste mit Sorge. „Israelische Truppen sollten höchste Zurückhaltung üben und Palästinenser sollten Konfrontationen am Gaza-Grenzzaun vermeiden“, sagte Mladenov nach Angaben seines Sprechers. Die israelische Behörde Cogat, die für Verbindungen mit den Palästinensern zuständig ist, warnte vor schweren Umweltschäden durch die geplante Verbrennung von Reifen.

Die USA forderten die Palästinenser auf, friedlich zu protestieren und sich von der Grenze zu Israel fernzuhalten. Die Demonstranten sollten außerhalb der 500 Meter breiten Pufferzone bleiben und sich „in keiner Weise“ dem Grenzzaun nähern, forderte der US-Nahostgesandte Jason Greenblatt.

Die Hamas wird von den USA, der EU und Israel als Terrororganisation eingestuft. Sie bestreitet das Existenzrecht Israels und fordert die gewaltsame Errichtung eines islamischen Palästinas vom Mittelmeer bis zum Jordan.


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