Der Modellbau-Pionier von Minimundus

Friedrich Jerina wohnte einst im Lienzer Barackenlager. Der Künstler baute vor 60 Jahren erste Modelle für die kleine Welt am Wörthersee. Kurioserweise stammt die einzige Miniatur eines Osttiroler Bauwerks nicht von ihm.

Zählt zu den Herzstücken der Modellwelt am Wörthersee: das von Friedrich Jerina gebaute Miniatur-Schloss Belvedere.
© Minimundus

Von Peter Unterweger

Lienz, Klagenfurt –Minimundus feiert heuer seinen 60. Geburtstag. Mit 20 Modellen wurde die kleine Welt am Wörthersee einst eröffnet. Wichtigster Modellbauer war damals Friedrich Jerina (1906-1996). Der slowenische Maler lebte im Barackenlager in der Lienzer Peggetz und hinterließ auch in Osttirol viele seiner künstlerischen Spuren.

„Ohne Friedrich Jerina gäbe es kein Minimundus“, erklärt Magdalena Starman. Sie hat in ihrem Bericht „In die Osttiroler Berge“ anschaulich die Situation der slowenischen Flüchtlinge im Barackenlager in der Peggetz geschildert, darunter war auch Friedrich Jerina mit seiner Frau Josefine und vier Kindern.

Nach der Vertreibung der Kosaken wurden die Slowenen ins Lienzer Lager gebracht. Der Empfang im Juni 1945 in Lienz war frostig: Trotz der Sommermonate waren die Berge mit Schnee bezuckert. Dass nun wieder hungernde Menschen kamen, wurde von der heimischen Bevölkerung verständlicherweise als Belastung gesehen.

Der Künstler Friedrich Jerina mit seiner Frau Josefine in der Lienzer Zeit.
© Marjan Hoçevar/Archiv Raphaelowa

In landwirtschaftlichen Betrieben wurden Arbeitskräfte gebraucht, da konnten sich die Flüchtlinge tageweise einen Lohn in Form von Lebensmitteln dazuverdienen. Friedrich Jerina nützte sein künstlerisches Talent, um seiner Familie mit vier Kindern ein Zubrot zu verschaffen.

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Der Kreative wurde 1906 in Oberkrain geboren, in Laibach hatte er Malerei studiert. In Osttirol hielt er die Landschaft in Bildern fest. Er tauschte seine Werke gegen Nahrungsmittel ein, so gelangten seine Bilder vornehmlich in bäuerliche Stuben. Der Osttiroler Bote berichtete von einer Ausstellung im August 1946 im Kolpingsaal: „Motive aus Lienzer Umgebung – 38 Aquarelle Friderik Jerinas“.

Ein Landschaftsbild von Friedrich Jerina. Er war akademischer Maler und hinterließ auch in Osttirol viele Spuren.
© Peter Unterweger

Jerina malte auch christliche Themen. Die Slowenen in Lienz waren sehr gläubig. Es wurde ihnen das Kirchlein am Ulrichsbichl zugewiesen.

Da in der NS-Zeit das Altarbild aus der Kapelle entfernt worden war, malte Friedrich Jerina dafür eine große Fatima-Muttergottes. Ältere Kirchenbesucher werden sich an die Darstellung noch erinnern. Um 2000 wurde das Bild in die Fatimakirche von Kisovec in Slowenien gebracht.

Friedrich Jerina übernahm später die künstlerische Gestaltung unzähliger Bildstöcke in Kärnten, er schuf Hunderte Fresken.

Sein Lebenswerk war aber zweifelsfrei der Bau von Modellen. Inzwischen ist die Anzahl der Miniaturgebäude in Minimundus auf 170 Exponate angeschwollen. Alle Modelle sind im Maßstab 1:25 gebaut. Ausnahme: die Burg Hochosterwitz und das Schiffsmodel der „Queen Mary“. Letzteres fertigte Friedrich Jerina 1961 im Maßstab 1:100, bei dem üblichen Maßstab wäre das Schiff 12,4 Meter lang geworden. 20 Schiffsmodelle baute Jerina für Minimundus und mit 120 Exemplaren schuf er die größte private Schiffsmodell-Sammlung der Welt.

Zu den Herzstücken der Modellwelt am Wörthersee zählen das Schloss Belvedere in Wien und der Marmorpalast Teheran. Als weitere von Jerina geschaffene Beispiele höchster Modellkunst gelten Gebäude wie das Prager Altstädter Rathaus, die Burg von Osaka, die Burg Falkenstein bei Obervellach oder das Seeschloss Ort in Gmunden.

Die Tradition des Modellbaus wurde später vom Sohn des Künstlers, Matthäus Jerina, fortgesetzt. Dieser schuf zahlreiche detailgetreue Nachbildungen in Minimundus und war am Bau des Modells für den Petersdom in Rom beteiligt. Dieses wurde in einer Bauzeit von sechs Jahren errichtet. Hätte nur ein Modellbauer an dem Werk gearbeitet, wären 32 Jahre notwendig gewesen. Wie bei anderen Modellen wurde auch beim Dom originales Material verwendet, also etwa der Marmor aus Italien geholt.

Welche Rolle spielt Osttirol eigentlich in der großen Welt der kleinen Gebäude am Wörthersee?

Amüsanterweise befindet sich dort die Miniatur eines Bauwerks, das in Lienz selbst keine Aufmerksamkeit erregt: nämlich die Eisenbahnbrücke über die Isel beim Bahnhof.

Und sie wurde auch nicht, wie man vermuten könnte, von Friedrich Jerina als Erinnerung an seine Ankunft im Viehwaggon am Lienzer Bahnhof hergestellt. Das Modell entstand im Jahre 1980 in der ÖBB-Lehrwerkstätte in Graz.


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