VCÖ: Mehr Platz für Radler auf Tirols Straßen machen

Laut Klimastrategie soll der Anteil der Radfahrer am Verkehr bis 2025 auf 13 Prozent steigen. Mit dem Zugpferd Stadt wäre mehr drin.

© Thomas Boehm / TT

Der österreichweite Anteil der Radfahrer soll in den nächsten Jahren verdoppelt werden. Was ist dringend nötig?

Christian Gratzer: In den Ballungsräumen braucht es direkte, möglichst kreuzungsfreie Verbindungen vom Umland in die Städte. International setzen viele Ballungsräume auf diese so genannten Rad-Highways. In den Regionen braucht es sichere Radverbindungen zwischen den Gemeinden sowie von Siedlungen zum nächsten Ortsgebiet. In den Städten muss dem Radverkehr mehr Platz auf der Fahrbahn eingeräumt werden. Da die Fahrrad-Infrastruktur im Vergleich zu Straßen für den Autoverkehr vergleichsweise günstig ist, ist es finanzierbar. Wichtig ist, dass die Bundesregierung den Ausbau der Rad-Infrastruktur in den Gemeinden und Städten stärker fördert.

Ist das Ziel zu bescheiden?

Christian Gratzer, Verkehrsclub Österreich.
© vcö

Gratzer: Vorarlberg hat bereits heute einen Radverkehrsanteil von 16 Prozent, Deutschland landesweit 13 Prozent. In der Stadt Salzburg werden 20 Prozent der Alltagswege mit dem Fahrrad gefahren. Die 13 Prozent sind aus Sicht des VCÖ lediglich ein Etappenziel auf dem Weg zu einem Radverkehrsanteil von über 20 Prozent.

Innsbruck hat einen Radfahreranteil von 17 Prozent, tirolweit gesehen beträgt er 11 Prozent. Was fehlt am Land?

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Gratzer: Das Ziel muss sein, dass wichtige Alltagsziele der Bevölkerung wie Bahnhöfe sehr gut mit dem Fahrrad erreichbar sind. Das gilt auch für Freizeiteinrichtungen wie Sportplätze, Schwimmbäder oder Kinos. Wesentlich sind dabei ausreichend und sichere Fahrrad-Abstellplätze. Auch Supermärkte und andere Handelsketten sind gut beraten, ihren Kundinnen und Kunden ausreichend und qualitativ hochwertige Fahrrad-Parkplätze anzubieten.

Radfahren ist sauber, leise und gesund. Doch gibt es genug Platz?

Gratzer: Das Fahrrad ist ein sehr platzsparendes Verkehrsmittel, sowohl beim Fahren als auch beim Parken. Auf einen Autoparkplatz können acht Fahrräder parken. Wesentlich ist, dass die städtische Verkehrsplanung die Mobilität höher bewertet als das Abstellen von Fahrzeugen. Derzeit erhalten parkende Autos meist mehr Platz als der Radverkehr.

Es gibt europäische Städte mit einem Radfahreranteil von 30 bis 40 Prozent.

Gratzer: Kopenhagen und Amsterdam sind sehr gute Beispiele, die zeigen, dass eine Mobilitätswende möglich ist. Beide Städte waren in den 1970ern autodominiert, mit viel Autoverkehr und Staus. Das Wichtigste war, dass Wohngebiete verkehrsberuhigt und dem Radverkehr viel Platz auf der Straße gegeben wurde. Wenn die Verkehrspolitik gute Bedingungen schafft, dann wird viel Rad gefahren. Wie sagte der Gründer der Firma Opel, Adam Opel: „Bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden wie beim Fahrrad."

Das Gespräch führte Sabine Strobl

Hunderte Radler bei Parade

Bei Prachtwetter versammelten sich am Samstagabend zahlreiche Radler beim Innsbrucker Marktplatz zu einer Radparade. Der ganze Tag stand im Zeichen der aktiven Mobilität. Um 18 Uhr führte die Strecke über 8 Kilometer vom Marktplatz in der Innenstadt am Inn entlang bis zur Kettenbrücke, durch Saggen und Pradl bis zum Tivoli-Areal und zurück über den Südring durch Wilten zum Markplatz. Als Einstimmung auf die UCI Straßenrad-WM, die im September in Tirol stattfindet, verlief die Radparade auf der gleichen Strecke durch die Stadt, auf welcher auch die Profis im Straßenrennen gegeneinander antreten. Das Klimabündnis Tirol, die Radlobby Tirol und Innsbruck riefen mit Unterstützung von Land Tirol und Stadt Innsbruck zum Mitradeln auf. (TT)

Viele Radfahrer fuhren den Kurs ab, auf dem auch die Profis bei der UCI Straßenrad-WM unterwegs sein werden.
© Vanessa Rachlè / TT

Kommentieren


Schlagworte