Van der Bellen im Zeitzeugenarchiv verewigt

Der Bundespräsident erinnerte sich kürzlich im Zeitzeugen-Interview an seine Kindheitsjahre im Kaunertal: „Da fühl’ i mi dahuam.“

© Polak

Kaunertal –Er war ein Jahr alt, als er mit seiner Familie nach Feichten im Kaunertal kam. Dort hatte Bundespräsident Alexander Van der Bellen (74) seine ersten sechs Lebensjahre verbracht. Beim Zeitzeugen-Interview mit Filmemacher Thomas Junker sprach Van der Bellen kürzlich von „seinem Kaunertal“.

Das Kaunertaler Zeitzeugenarchiv ist ein vom Regionalmanagement regioL betreutes und mit öffentlichen Mitteln gefördertes Projekt, die Kosten liegen bei 54.000 Euro – die TT berichtete. Mehr als 200 Menschen mit bemerkenswerten Geschichten machen bei den Interviews mit. „Ziel des Projekts ist es, das kulturelle Erbe festzuhalten und zu dokumentieren, wie es früher war“, erläuterte Junker, „es ist eine mündliche Chronik, mit modernen Mitteln.“

Als prominentester Interviewpartner konnte nun Van der Bellen gewonnen werden. Seine Geschichten, sowie alle weiteren, hat der Tourismusverband gemeinsam mit den Gemeinden Kaunertal, Kauns und Kaunerberg online zugänglich gemacht.

Zurück zum Interview mit Van der Bellen. „Das Tal von Weiler Platz aufwärts war ganz anders als heute“, erinnerte sich das Staatsoberhaupt. „Jetzt ist alles kommerzieller. Damals gab es noch so gut wie keinen Tourismus.“ Auf die Frage nach der persönlichen Bedeutung des Kaunertales antwortete er: „Ich habe erst im Laufe der Zeit gemerkt, dass es nicht nur die Landschaft ist, die für mich sehr wichtig ist, sondern vor allem die Sprache.“

Als er erstmals Wien besuchte, habe er sich gedacht: „Die reden ja ganz anders.“ Seine Schlussfolgerung: „Im Kaunertal fühle ich mich bis heute zu Hause.“ Die Mundart-Version hört sich dann so an: „Da fühl’ i mi dahuam.“

Zum Thema Infrastruktur-Erschließung, die für ihn vor allem der Straßenbau und später der Ausbau der Lifte am Kaunertaler Gletscher darstellen, erklärte Van der Bellen: „Natürlich wurde hier in die Natur eingegriffen. Aber vorher reichte es gerade so zum Überleben.“ Heute sei die Bevölkerungszahl stabil oder leicht anwachsend. Das Tal habe eine gute Entwicklung genommen. Nachhaltiger Tourismus steht für ihn in Zukunft an oberster Stelle. Ratschläge will er allerdings keine erteilen. „Ich finde, die Bewohner sind sehr offen geworden. Nur die Sprache sollte nicht verloren gehen.“

Das Zeitzeugengespräch mit Van der Bellen und dessen Gedanken zum heutigen Kaunertal sind im Internet unter www.kaunertaler-zeitzeugen.at zu finden. (TT, hwe)


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