Sport-2000-Chef: Decathlon verschiebt Messlatte nach unten

Wien (APA) - Der heimische Sporthandel ist seit Jahren in Bewegung. Nach Newcomern wie Sports Direct und der norwegischen Kette XXL drängt n...

Wien (APA) - Der heimische Sporthandel ist seit Jahren in Bewegung. Nach Newcomern wie Sports Direct und der norwegischen Kette XXL drängt nun im Sommer mit dem französischen Diskonter Decathlon der größte Sporteinzelhändler der Welt in den österreichischen Markt. Mit Sportschuhen um 10 Euro werde Decathlon die Messlatte nach unten verschieben, erwartet Sport-2000-Chef Holger Schwarting.

„Wir haben immer schon mit Hofer- und Lidl-Angeboten gekämpft und haben versucht, dem entgegenzuhalten. Aber wir sind nicht aufgestellt für das, sonst verwischen wir unser Markenbild“, sagte Schwarting Donnerstagabend bei einem Pressegespräch in Wien. Auf der anderen Seite könne der Sportfachhandel nicht nur Bogner verkaufen, räumte Schwarting ein. Bogner ist ein deutsches Sportmoden-Unternehmen im hochpreisigen Segment.

Während die Händler von Sport 2000 einen Eigenmarken-Anteil von 10 Prozent haben, setzt Decathlon zu 80 bis 90 Prozent auf eigens entwickelte und produzierte Ware. „Wir kaufen keine Fremdmarken ein, finanzieren keine Drittanbieter mit und können diese eingesparten Kosten durch den Preis direkt an unsere Kunden weitergeben“, erläuterte Decathlon kürzlich auf APA-Anfrage.

Da Sport 2000 da preislich nicht mithalten kann, setze die oberösterreichische Einkaufsorganisation, die in Österreich 223 Händler mit 357 Geschäften an ihr System angeschlossen hat, auf „Qualität und Spezialisierung“. Allein seit Oktober 2017 hat die Gruppe in Österreich 30 neue Spezialisten-Händler wie Lauf- oder Fahrrad-Geschäfte aufgenommen.

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„Die Herausforderungen sind gewaltig. Früher gab es viele Sportartikelhändler, die ein bisschen was von allem gemacht haben. Durchwurschteln ist vorbei“, sagte Schwarting, der drei Trends für die Zukunft sieht: Europäisierung, Digitalisierung und Polarisierung. Die Märkte teilten sich heute in Diskonter und Fachberater. Wer dazwischen liege bzw. sich nicht eindeutig positioniere, verliere.

Sport 2000 setzt daher auf sein Steckenpferd Beratung. Mit Laufanalysen oder der speziellen Anpassung von Fahrrädern oder Skischuhen will man sich vom Diskont abheben. 80 bis 90 Prozent der Kunden seien Stammkunden, die Mehrheit sehr markenaffin, so Schwarting. Zugute kommt der Branche insgesamt, dass die Österreicher viel und gerne Geld für Sport ausgeben. Die Pro-Kopf-Ausgaben liegen hierzulande im Schnitt bei 300 Euro im Jahr. Die Deutschen geben durchschnittlich nur 100 Euro jährlich für Sportequipment oder Sportmode aus. Selbst in der Schweiz sind es mit 240 Euro weniger als in Österreich.

Von so viel Sportbegeisterung wollen sich viele Händler ein Stück abschneiden. Auch dem deutschen Sportartikelhändler Karstadt Sports, Teil von Rene Benkos Sporthandelssparte Signa Sports, wird Interesse an einem Einstieg in den österreichischen Markt nachgesagt. Benko ist gerade dabei, seine Sporthandelssparte an die Börse zu bringen, wenngleich noch nicht viele Details bekannt sind. Zur Gruppe gehören inzwischen neben Karstadt Sports auch Outfitter, internetstores, Tennis-Point und Probikeshop. Zuletzt hat die Signa Sports Group den auf Sneaker und Sportmode spezialisierten Onlinehändler Stylefile übernommen.


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