Blockchain wird auch die Eventbranche verändern

Indie-Star Björk verkauft ihre Alben bereits gegen Kryptowährung, mit der massentauglichen Blockchain wird ein Ticket-Schwarzmarkt unterbunden.

© Getty Images/iStockphoto

Von Gabriele Grießenböck

Interlaken –Auch die Eventbranche ist in der digitalen Welt angekommen und die Blockchain-Technologie bringt die größte Veränderung. „Die Blockchain-Technologie wird zum absoluten Game-Changer der Entertainment-Branche“, meint Daniel Haudenschild, CEO von Schwisscom Blockchain. Stark vereinfacht ist die Blockchain-Technologie eine dezentrale Datenbank, in der alle Transaktionen penibel dokumentiert sind. Es gibt hierbei keine Vermittlungsinstanz mehr, die zwischen den Vertragspartnern geschaltet ist.

Damit wird sich auch die Rolle der Ticketvermarkter ändern. Fans sehen sich heute noch vor dem Problem, dass die Tickets oft in rasender Geschwindigkeit ausverkauft sind. Später tauchen die Karten für ein Vielfaches des Preises auf Weiterverkaufsplattformen wieder auf. „Das kann die Blockchain lösen“, so Haudenschild. Er sieht auch die Ticketvermarkter nicht mehr nur in ihrer klassischen Funktion als reiner Verkäufer. Die Blockchain wird das Geschäftsmodell verändern. Weg vom Verkauf, hin zum Daten­management.

Für Fans bietet die Technologie ungeahnte Vorteile. „Konzertbesucher können zum Beispiel vor Ort spontan VIP-Tickets buchen, ihr Ticket weitergeben oder noch weitere Dienstleistungen bestellen. Und das Ganze in ungeahnter Schnelligkeit, nämlich in Echtzeit“, sagt Haudenschild. Konzertbetreiber können durch die Technologie genau sehen, was ihre Kunden auf dem dreitägigen Festival besucht und konsumiert haben. Die Besucherlenkung kann beispielsweise durch Belohnungssysteme erweitert werden. „Es geht nicht darum, Menschen zu kontrollieren, sondern sie in ihrem Freizeiterlebnis zu unterstützen.“ Das Erlebnis könne viel gezielter gesteuert werden.

Beispiele aus der Musikbranche gibt es bereits. Die isländische Indie-Ikone Björk ist etwa eine Vorreiterin in Sachen blockchainbasierter Vertrieb. Fans können ihr Album „Utopia“ mit Kryptowährungen bezahlen und werden mit Audiomünzen belohnt. Die Coins schaffen für Fans und Musiker gleichermaßen Vorteile. Durch die Blockchain werden die Transaktionen vollkommen sicher und es bedarf keiner Vermittler wie Musikverlage, Labels und Vertriebe mehr, um Songs zu verkaufen. Auch das unkonventionelle Burning-Man-Festival in der Wüste Nevadas verwendet bereits die Blockchain-Technologie für den Kartenverkauf.Massentaugliche Blockchain-Anwendungen sind ab Oktober 2018 geplant. Wann man nun sein VIP-Ticket auch auf einem Festival via Blockchain buchen kann, das steht noch nicht fest. Haudenschild sieht die Technologie jedoch so weit entwickelt, dass es im Oktober bereits erste massentaugliche Anwendungen geben wird.

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