Suchtgifthändler 2 - Unmutsäußerungen während Urteilsverkündung

Wien (APA) - Die den Angeklagten belastenden Angaben hätten sich als „durchaus schlüssig und nachvollziehbar“ erwiesen, stellte Richter Hara...

Wien (APA) - Die den Angeklagten belastenden Angaben hätten sich als „durchaus schlüssig und nachvollziehbar“ erwiesen, stellte Richter Harald Kaml in der Urteilsbegründung fest. Über einen Zeitraum von elf Jahren hätten „auf Geheiß des Herrn“ wiederholt Suchtgiftlieferungen Wien erreicht. Bei einem Strafrahmen von bis zu 20 Jahren - der 61-Jährige war als Rückfalltäter einzustufen - seien 15 Jahre angemessen.

Der Mann wies 16 Vorstrafen auf, davon 14 einschlägige. 1999 war er in Berlin zu mehr als vier Jahren verurteilt worden, nachdem er versucht hatte, mit einem Kleinflugzeug 550 Kilogramm Cannabis von Marokko über Spanien nach Deutschland zu bringen. Um den „Drogenflug“ zu bewerkstelligen, soll in Spanien sogar ein ganzes Flugfeld angemietet worden sein.

Seine nunmehrige Verurteilung machte den 61-Jährigen offensichtlich wütend. Die Urteilsverkündung begleitete er mit gut hörbaren Unmutsäußerungen wie „Jetzt reicht‘s ma!“, „Samma fertig?“ oder „Alles erstunken und erlogen!“ Als ihm der Vorsitzende die Rechtsbelehrung erteilen wollte, rief er wie aus der Pistole geschossen: „Nichtigkeit und Berufung! Dass ma zu an End‘ kummen.“ Verteidiger Wolfgang Blaschitz meldete darauf hin ruhigen Blutes die von seinem Mandanten erbetenen Rechtsmittel an.

Während der Zwillingsbruder des Mannes längst rechtskräftig abgeurteilt wurde und eine sechsjährige Freiheitsstrafe verbüßt hat, war das Verfahren gegen den 61-Jährigen zunächst mangels an Beweisen eingestellt worden. Dann packte jedoch ein in die Geschäfte der beiden verwickelter Mittäter aus, der diesen massiv belastete. Der bis dahin unbehelligt gebliebene Bruder wurde daraufhin mit richterlicher Genehmigung telefonisch überwacht. Als er im Herbst 2015 für eine Woche nach Wien kam, um laut Anklage 150 Kilo Cannabis zu verkaufen, die er sich zuvor von einer Spedition in die Bundeshauptstadt zustellen hatte lassen, klickten die Handschellen.

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In einer „Bunkerwohnung“, die der Mann in der Schönbrunner Straße angemietet hatte, konnten noch mehrere Holzrahmen sichergestellt werden, in die jeweils 60 Cannabisharzziegel zu je 250 Gramm eingebaut waren. Zudem wurden 57.100 Euro sichergestellt - laut Staatsanwaltschaft der Erlös aus bereits abgewickelten Drogen-Verkäufen. Diese wurden jetzt vom Landesgericht für verfallen erklärt.

Der Angeklagte hatte sich vor Gericht grundsätzlich als seriöser Geschäftsmann präsentiert. Er behauptete, er habe Olivenöl und Aloe Vera-Blätter („Das ist gut für die Haut“) nach Österreich importiert. Hinsichtlich der 150 Kilogramm Cannabis, die er schwer leugnen konnte, gab er an, er sei von einem Marokkaner dazu gezwungen worden, das Gift nach Österreich zu schaffen, weil sein damals noch im Gefängnis sitzender Bruder diesem 40.000 Euro geschuldet hätte. Für den Schöffensenat waren der Olivenöl- und Aloe Vera-Vertrieb „Tarnhandlungen, um den Suchgiftschmuggel zu verdecken“, wie Richter Kaml betonte.


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