Strafzölle - Trump: „Wir haben den Handelskrieg bereits verloren“

Washington/Frankfurt (APA/Reuters) - US-Präsident Donald Trump hat die geplanten Strafzölle gegen chinesische Produkte verteidigt. „Wir habe...

Washington/Frankfurt (APA/Reuters) - US-Präsident Donald Trump hat die geplanten Strafzölle gegen chinesische Produkte verteidigt. „Wir haben den Handelskrieg bereits verloren“, sagte Trump am Freitag in einem Interview mit der Radioshow „Bernie & Sid“ des Senders 77 WABC. „Wir haben keinen Handelskrieg, wir haben den Handelskrieg verloren.“

Er sage nicht, dass die geplanten Schritte nicht etwas schmerzhaft sein könnten. Aber die Börsen seien um 40 und mehr Prozent gestiegen. „Davon könnten wir ein bissen verlieren“, sagte Trump. „Aber wir werden ein viel stärkeres Land haben, wenn wir fertig sind.“

Trump hat China zuletzt in einer neuen Runde des Handelsstreits mit zusätzlichen Zöllen im Volumen von 100 Milliarden Dollar (81,57 Milliarden Euro) gedroht. Die Regierung in Peking reagierte prompt und kündigte mögliche Gegenmaßnahmen an.

Mit der Drohung zusätzlicher Zölle auf chinesische Produkte verschreckt US-Präsident Donald Trump Anleger weltweit. DAX und EuroStoxx50 verloren am Freitag jeweils 0,4 Prozent auf 12.261 und 3.415 Punkte. Die Terminkontrakte auf die US-Indizes deuteten auf Eröffnungsverluste der Wall Street hin. Die US-Arbeitsmarktdaten bremsten die Talfahrt der Börsen am Nachmittag allerdings.

TT-ePaper gratis lesen und iPhone 11 Pro gewinnen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

Jetzt mitmachen
TT ePaperTT ePaper

„Die Kurserholung der vergangenen beiden Tage war genau das, was der US-Präsident für die verbale Aufrüstung vor den Verhandlungen mit China benötigte“, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. „So bleibt die Stimmung insgesamt positiv und man kann argumentieren, dass die Wirtschaft und die Investoren die Strafzölle mittragen würden, wenn sie denn am Ende umgesetzt werden.“

Trump will das Volumen der Zölle auf chinesische Importwaren auf 150 von 50 Milliarden Dollar verdreifachen. Die Regierung in Peking betonte, sie sei vorbereitet und werde nicht zögern zu reagieren. „Das ganze sieht nach klassischer Trump-Verhandlungstaktik aus: Starte mit einer Extrem-Forderung, von der man im Ausgleich für große Zugeständnisse abrückt“, sagte Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. Wenn sich die Parteien allerdings in eine ausweglose Lage manövrierten, bestehe die Gefahr eines ausgewachsenen Handelskrieges.

Bei den Unternehmen gehörten konjunkturabhängige Werte zu den größten Verlierern. Die Aktien des Industriekonzerns Thyssenkrupp verloren 1,1 Prozent. Der Spezialmaschinen-Bauer ASML büßte in Amsterdam 1,7 Prozent ein. Finanzwerte standen ebenfalls unter Verkaufsdruck. Die Titel der Deutschen Bank gaben 1,8 Prozent nach.

Einige Investoren flüchteten in „sichere Häfen“. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, stieg um 23 Ticks auf 159,34 Punkte. Die „Antikrisen-Währung“ Gold verteuerte sich um bis zu 0,5 Prozent auf 1333,28 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Kerry Craig, Anlagestratege der Vermögensverwaltung der US-Bank JPMorgan, mahnte zur Besonnenheit. „Lässt man das politische Gepolter außen vor, hat sich das Umfeld für die Börsen nicht verändert: Die Weltwirtschaft wächst synchron und die Zinsen normalisieren sich langsam.“


Kommentieren