Tiroler Qualitätsprodukte statt Folklore-Kitsch

Therese Fiegl war mitverantwortlich für die Markenentwicklung der „Bauernkiste“. In ihrem eigenen Geschäft setzt sie strikt auf Regionalität.

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Von Markus Stegmayr

Innsbruck –Begonnen hat für Therese Fiegl alles mit der „Bauernkiste“ vor über 20 Jahren. Regional gedacht hat sie aber schon früher. Bei ihrem Landwirtschafts-Studium an der BOKU (Universität für Bodenkultur) in Wien widmete sie sich in ihrer Diplomarbeit der Landschaftspflegeleistung der Bauern im Tuxertal. Später kam eine gesunde Portion Egoismus dazu. „Ich hatte bald drei und später vier Kinder. Ich wollte einfach, da ich mich regional ernähren möchte, dass mir Bauernprodukte ins Haus gebracht werden“, stellt sie schmunzelnd fest. Beides führte jedenfalls zur „Geburt“ der „Bauernkiste“, bei der ein kleinregionaler Ansatz gepflegt wurde und wird.

Als Nächstes kam die Liebe zur Grauviehmilch. Über Kontakte stieß man auf einen Konditor in Landeck, der sein Handwerk in der Schweiz erlernt hatte. Aus diesem Kontakt entstand die Schokolade „Tiroler Edle“, die aus Grauviehmilch hergestellt wird. Einen Geistesblitz hatte Fiegl außerdem, als sie auf ihrem Heimweg nach Hötting des Öfteren bei „Walde Seifen“ in der Innstraße vorbeikam. 2010 kam ein weiteres „Kind“ auf die Welt: die „Tiroler Reine“, eine Stückseife, die 2013 ein Geschwisterchen in Flüssigseifenform bekam.

So hatte die Unternehmerin mehrere Produkte auf dem Markt. Obwohl sie betont, dass sie dabei nicht als Geschäftsführerin fungiert, sondern es sich um „partnerschaftliche Arbeitsgemeinschaften“ handelt, merkt man ihr ihre Leidenschaft für diese Marken deutlich an. Verständlich also, dass sie diese Produkte besser inszenieren wollte. Diesem Wunsch und dem Rat ihres Mannes im Sommer 2014, sie brauche ein eigenes Geschäft, kam ein Zufall entgegen. „Ich bekam eine E-Mail von der Hausbesitzerin, nur sechs Wochen nach dem Rat meines Mannes. Ich kannte sie zu diesem Zeitpunkt nicht, sie meinte aber, dass sie meine Aktivitäten und Produkte beobachte und ein Geschäftslokal für mich habe“, erzählt Fiegl.

Aus dem 40 Jahre bestehenden Café wurde ihr „Schaufenster für meine Aktivitäten und meinen Zugang“, so Fiegl. Beim „Kuratieren“ der Inhalte für ihren Laden „Tiroler Edles“ ist Fiegl anspruchsvoll. „Es treten viele Leute an mich heran, meistens passt es aber nicht“, stellt Fiegl fest. „Ich will kein ,Kramuri-Laden‘ sein“, so Fiegl weiter. Mit diesem Anspruch tritt sie auch gegen so manchen Laden mit Geschenken und Mitbringseln in der Innsbrucker Altstadt an. „Ich will beweisen, dass ein Laden wie ,Tiroler Edles‘ funktionieren kann, mit all dem Anspruch an Qualität und dem strengen Ansatz in Bezug auf die angebotenen Produkte“, führt Fiegl aus.

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Dafür nimmt sie auch in Kauf, dass nicht jeder Tourist kurz nach dem Betreten des Geschäftes in helle Begeisterung ausbricht. „Manche kommen auch herein und gehen gleich wieder, wenn sie die Preise sehen“, lächelt Fiegl. Man habe aber viele Stammkunden, die wüssten, dass Qualität auch koste. Auch dass das Bewusstsein für Regionalität in den letzten 20 Jahren gestiegen sei, komme ihr deutlich entgegen, so Fiegl.

Die Inhalte des Ladens bezeichnet Fiegl zusammenfassend als „qualitätvoll und schön“. Man finde Produkte aus Nord-, Ost- und Südtirol. Wenn man durch den Laden streift, stößt man lediglich auf Gebrauchs- und Verbrauchsgegenstände. Neben Seifen und Schokolade, jeweils im Geschäft überaus prominent inszeniert und präsentiert, sind auch unter anderem Bienenhonig, Schnäpse, Bürsten und Rucksäcke im Repertoire. Das Sortiment ist bunt, aber nicht beliebig. Auch CDs mit handgemachter Qualitätsmusik sind käuflich erwerbbar.

„Der Laden wird angenommen, alles ist kostendeckend“, sagt Fiegl abschließend. „Es ist aber nicht so, dass ich meine Zeit abgegolten bekomme“, meint sie weiters. Sie lerne aber viel für sich und für ihre Produkte, die sie ja zusammen mit den Produzenten mitentwickelt. Der Idealismus ist ihr also nicht abhandengekommen. Der Beweis, dass sich statt ramschiger auch qualität­volle Produkte an den Mann und an die Frau bringen lassen, scheint darüber hinaus erbracht zu sein.


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