Drei Tote und 250 Verletzte bei neuen Protesten in Gaza

Gaza/Genf (APA/dpa/Reuters) - Bei neuen massiven Protesten an der Grenze zu Israel sind am Freitag im Gazastreifen mindestens drei Palästine...

Gaza/Genf (APA/dpa/Reuters) - Bei neuen massiven Protesten an der Grenze zu Israel sind am Freitag im Gazastreifen mindestens drei Palästinenser getötet und 250 weitere verletzt worden. Ein Sprecher der palästinensischen Gesundheitsbehörde teilte mit, unter den Toten sei auch ein Teenager. Mehrere Menschen seien lebensgefährlich verletzt worden.

Nach Angaben der israelischen Armee waren rund 10.000 Palästinenser an Protesten und Ausschreitungen entlang der Grenze beteiligt. Sie verbrannten Autoreifen und schleuderten Steine in Richtung Israel. Dichter schwarzer Rauch stieg an zahlreichen Orten auf. Die israelische Armee setzte nach eigenen Angaben Wasserwerfer zum Löschen der Brände und einen riesigen Ventilator gegen die Rauchschwaden ein, die auf die israelische Seite zogen.

Die radikalislamische Hamas hatte vor einer Woche den „Marsch der Rückkehr“ gestartet, insgesamt sollen die Proteste sechs Wochen andauern. Beim schlimmsten Ausbruch der Gewalt seit 2014 sind bisher 25 Palästinenser ums Leben gekommen.

Anlass der Proteste ist der 70. Jahrestag der Gründung Israels. Die Palästinenser sehen sie als Katastrophe an, weil 1948 Hunderttausende Palästinenser fliehen mussten oder vertrieben wurden. Sie pochen auf ein „Recht auf Rückkehr“. Israel lehnt dies ab.

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Mit dem Verbrennen Tausender Reifen erzeugten die Palästinenser an mehreren Orten eine „Rauchwand“. Ziel war es, Scharfschützen auf der israelischen Seite der Grenze die Sicht zu erschweren. Nach Angaben der Armee gab es mehrere Versuche, den Grenzzaun zu beschädigen und im Schutz des Rauchs die Grenze zu überqueren. Es seien auch Sprengsätze und Brandflaschen geworfen worden.

Israels Armee erklärte das Grenzgebiet zum Gazastreifen am Freitag zum militärischen Sperrgebiet. Die Truppen setzten Mittel zur Bekämpfung von Unruhen ein, hieß es in der Mitteilung. Schüsse würden gemäß klarer Einsatzregeln abgefeuert. Israels Militär werde es nicht zulassen, dass der Grenzzaun beschädigt wird.

Die palästinensischen Aktivisten trugen beim Verbrennen der Autoreifen einen Mundschutz. Israel hat vor schweren Umwelt- und Gesundheitsschäden durch die Aktion gewarnt.

Reifen enthalten Kautschuk, Metalle, Schwefelverbindungen und andere Stoffe, die beim Verbrennen gesundheitsschädliche Substanzen bilden. So entstünden etwa Feinstaub, Rußpartikel und Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), erläuterte Joachim Wuttke vom deutschen Umweltbundesamt. Viele PAK seien krebserregend. „Der Feinstaub kann zudem andere Schadstoffe wie Schwefeldioxid mit in die Lunge transportieren, was dann Verätzungen hervorrufen kann“, sagte Wuttke - so etwas sei auch beim Londoner Smog 1952 geschehen.

Am Karfreitag waren bei Konfrontationen 18 Palästinenser getötet worden, zwei starben später an ihren Verletzungen. Israelische Soldaten schossen nach Armeeangaben gezielt auf palästinensische Rädelsführer - die meisten der Getöteten waren nach israelischen Angaben militante Palästinenser.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres forderte von allen Beteiligten Zurückhaltung. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) äußerte sich besorgt über die hohen Opferzahlen. Rund 1.750 Palästinenser sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde seit Karfreitag verletzt worden, viele durch Tränengas. Das UNO-Menschenrechtsbüro teilte mit, es gebe „starke Hinweise“ darauf, dass die israelischen Sicherheitskräfte übertriebene Gewalt eingesetzt hätten. Schusswaffen sollten nur als letztes Mittel eingesetzt werden. Ihre ungerechtfertige Anwendung könnte den Tatbestand der vorsätzlichen Tötung von Zivilisten erfüllen und wäre eine Verletzung der Genfer Konventionen. Guterres hatte eine Untersuchung gefordert.

Die Hamas wird von den USA, der EU und Israel als Terrororganisation eingestuft. Sie bestreitet das Existenzrecht Israels und fordert die gewaltsame Errichtung eines islamischen Palästinas vom Mittelmeer bis zum Jordan.


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