Rudi Federspiel im Interview: „Frauen wollen starken Mann“

Rudi Federspiel, FPÖ-Bürgermeisterkandidat, spricht mit der TT über Stadtschulden, Sicherheitsprobleme, politische Gegner, den typischen FPÖ-Wähler und Feminismus.

Rudi Federspiel.
© TT/Rudy De Moor

Herr Federspiel, seit fast 30 Jahren sind Sie in der Stadtpolitik. Klappt es dieses Mal mit dem Bürgermeister?

Rudi Federspiel: Die Chancen, dass Innsbruck einen freiheitlichen Bürgermeister bekommt, waren noch nie so groß. Ich bekomme sehr viel positives Feedback aus der Bevölkerung, die Leute vertrauen mir.

Was wäre dann Ihre erste Amtshandlung?

Federspiel: Ein Kassasturz. Ich würde mich mit den wichtigsten Beamten der Stadt zusammensetzen und schauen, welche finanziellen Möglichkeiten wir überhaupt noch haben. Die laufenden Großprojekte sind nicht mehr zu stoppen, aber ich würde mir anschauen, wo Einsparungspotenzial ist.

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Gesetzt den Fall, Sie kommen gar nicht erst in die Stichwahl – ziehen Sie dann einen Schlussstrich unter die Politik?

Federspiel: Auf keinen Fall. Ich kann ja meine Leute nicht im Stich lassen. Außerdem wäre mir das Leben dann viel zu langweilig.

Georg Willi von den Grünen hat eine Zusammenarbeit mit der FPÖ bereits ausgeschlossen. Mit wem könnten Sie denn gut?

Federspiel: Wenn jemand Bürgermeister aller Innsbrucker werden will, kann er nicht die FPÖ ausgrenzen. Das empfinde ich als schlechten Stil. Alle Fraktionen, die Stadtsenatsstärke haben, sollen mitregieren. Ich lehne niemanden ab.

Verspüren Sie Rückenwind durch die schwarz-blaue Regierung? Was erhoffen Sie sich von Innenminister Herbert Kickl bezüglich der Nordafrikaner-Szene in Innsbruck?

Federspiel: Für Innsbruck ist die neue Regierung im Bund sehr positiv. Der Kontakt zwischen Kickl und mir ist sehr eng. Er ist meiner Meinung und forciert sehr stark die Abschiebungen von Kriminellen.

Aber das ist ja nicht so einfach und hängt auch sehr von der Kooperation der Herkunftsstaaten ab ...

Federspiel: Alle tun immer so, als ob das Problem gottgegeben wäre. Das ist es aber nicht. Die illegal Aufhältigen werden in Zukunft dank der neuen Regierung eingesperrt. Dann werden viele von allein gehen.

Wir reden hier von Maßnahmen, die nur auf Bundesebene veranlasst werden können. Was kann die Stadt machen?

Federspiel: Innsbruck muss einmal aufhören mit der Willkommenskultur und diesem Multikulti. Die Stadtregierung muss sich dazu bekennen, dass die Innsbrucker wichtiger sind.

Zahlreiche Ihrer Wahlplakate wurden beschmiert. Die FPÖ ist auffallend oft Ziel dieser Attacken. Warum?

Federspiel: Es wird schon einige geben, die äußerst aggressiv auf mein Gesicht reagieren. So schiach wäre ich aber doch gar nicht ... Was hier passiert, ist faktisch Sachbeschädigung, die Täter gehören bestraft.

Sind diese Attacken für Ihre Partei ausschließlich negativ? Immerhin bekommen Sie dadurch mediale Aufmerksamkeit und sind im Gespräch.

Federspiel: Ja, es gibt interessanterweise viele Leute, die diese Sachbeschädigung ärgert. Vielleicht bringt uns das auch Stimmen.

Der typische FPÖ-Wähler ist unter 40 und männlich. Welches Angebot haben Sie für Frauen?

Federspiel: Das ist ein wichtiger Punkt: Viele junge Frauen sagen mir, sie wählen uns, weil sie Angst um ihre Sicherheit haben. Frauen wollen einen starken Mann und setzen da ganz auf mich.

Aber lassen wir mal das Sicherheitsthema beiseite. Was können sich die Frauen von Ihnen erwarten?

Federspiel: Ich kann sehr gut mit Frauen, daheim bin ich überhaupt – neben meinem Hund – das einzige männliche Wesen. Ich begegne den Frauen absolut auf Augenhöhe. Ich war sogar Frauensprecher im Tiroler Landtag.

Also ist Rudi Federspiel ein Feminist?

Federspiel: Ja.

Ja?

Federspiel: Ja. Ich habe auch in meinem Reisebüro immer mit Frauen zu tun gehabt und bin mit ihnen gut gefahren. In gewissen Belangen sind sie verlässlicher als Männer.

Warum ist dann die FPÖ so männerdominiert?

Federspiel: Bei der Listenerstellung habe ich dieses Mal bei den Frauen die Qual der Wahl gehabt. Ich hätte noch mehr Frauen reinholen können, aber man muss immer aufpassen, dass sich die Damen untereinander dann auch gut verstehen. Da klappert’s eher als bei den Männern.

Sie prangern immer wieder den Schuldenstand der Stadt an. Steht es wirklich so schlecht um Innsbruck?

Federspiel: Die Bürgermeisterin hat das raffiniert gemacht: Derzeit werden nur die Zinsen für die Großprojekte zurückgezahlt, das verfälscht das Bild. In fünf Jahren schaut die Sache schon anders aus. Die Stadt ist nicht arm, aber mich stören die Kostenexplosionen bei den Großprojekten wie Patscherkofel, Regionalbahn, Haus der Musik.

Neben den Schulden bezeichnen Sie den Zuzug als eines der größten Probleme der Stadt. Wie wollen Sie den eindämmen?

Federspiel: Wir haben einen immensen Zuzug, der alles durcheinanderwirbelt. Wir haben jetzt 98.000 Inländer und 35.000 Ausländer in der Stadt. Der Zuzug kann nur eingedämmt werden, wenn wir endlich aufhören, Angebote zu schaffen. Immer wird noch mehr Sozialwohnbau betrieben – wer bekommt denn die Wohnungen? Großteils nicht die Inländer. Sozial-Ghettos zu bauen, ist für mich keine Stadtentwicklung.

Wenn Sie es sich aussuchen können: Mit welchem politischen Gegner wollen Sie in die Stichwahl?

Federspiel: Lieber wäre mir der Georg Willi als die Bürgermeisterin (Christine Oppitz-Plörer).

Das Interview führte Denise Daum


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