„Wir haben leider noch keinen Zilli gefunden“

Bei der Familie Friedrich hat das Gletschermessen Tradition. Dementsprechend viel können sie von den Eisriesen erzählen.

Zwei Generationen Gletschermesser: Reinhold Friedrich und seine Kinder Christoph bzw. Margit Friedrich. Die Männer werden als Gletscherknechte bezeichnet, Margit Friedrich ist eine Gletschermagd.
© Alpenverein

Innsbruck – Alles begann mit Schwiegervater bzw. Opa Adolf Lässer: Der war Geograf und startete 1958 im Zillertal mit seiner Arbeit als Gletschermesser für den Alpenverein. Schwiegersohn Reinhold Friedrich (67) folgte ihm nach. „Im nächsten Jahr vollende ich mein 40. Jahr als Gletscherknecht und gehe quasi in Pension“, erzählt der Völser nicht ganz ohne Stolz.

Als Gletscherknechte werden jene 22 Hauptverantwortlichen genannt, die alljährlich die Eisriesen vermessen. Eine faszinierende Arbeit: Von klein auf mit dabei hatte etwa Friedrich seine Kinder Margit, Katrin und Christoph. „Das war immer ein großes Abenteuer“, erinnert sich Margit Friedrich.

Der Tradition entsprechend werden die drei Enkel von Adolf Lässer im nächsten Jahr diese Aufgabe übernehmen – „ich finde es schön, dass Opa das aufgebaut hat und wir das fortführen“, so Margit Friedrich. Die Friedrichs sind für Waxeggkees, Schlegeis-, Furtschagl-, Horn- sowie Schwarzensteinkees in den Zillertaler Alpen verantwortlich. Ersteres liegt heuer auf Platz 2 bei den „Verlierern“: Das Waxeggkees ist im Vergleich zur letzten Messung um 120 Meter zurückgegangen.

Gletscher kommen und gehen.
Reinhold Friedrich

„Die Arbeit ist schwieriger geworden“, erzählt Christoph Friedrich von dem meist zwei- bis dreitägigen Einsatz Anfang September. Durch das Abschmelzen des Eises seien die Zustiege schwieriger und gefährlicher geworden. Manche Gletscher könne man daher gar nicht mehr mit Messband und GPS, sondern nur noch mit Fotovergleich dokumentieren. Am längsten durchgehend vermessen wird übrigens das Hornkees. „1958 war es von der Messmarke 25 Meter entfernt, 2017 791 Meter“, weiß Reinhold.

Wehmut kommt bei ihm dennoch keine auf. „Gletscher kommen und gehen“, sagt er. „Der Mensch beschleunigt zwar die Abschmelzung, der Rückgang wäre aber trotzdem da“, schlägt Christoph Friedrich in dieselbe Kerbe. Als Gletschermesser bekomme man diese Veränderungen hautnah mit – die am Gletscher bzw. was sich durch deren Rückgang in der Landschaft tut. Aber Veränderungen gibt es auch anderswo: „Ganz früher haben wir den Hüttenwirten Äpfel mitgenommen, weil die den ganzen Sommer kein Obst gesehen haben“, erinnert sich Reinhold Friedrich.

Interessantes ausgeapert sei bei den fünf Friedrich-Gletschern allerdings noch nichts. „Wir haben leider noch keinen Zilli gefunden, von dem träumen wir“, sagt Reinhold Friedrich in Anspielung auf den Ötzi. (i.r.)


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