China-Besuch - Peking will CO2-reduziertes Olympia 2022

Peking (APA) - Bundespräsident Alexander van der Bellen und die nach China mitgereisten Mitglieder der schwarz-blauen Bundesregierung werden...

Peking (APA) - Bundespräsident Alexander van der Bellen und die nach China mitgereisten Mitglieder der schwarz-blauen Bundesregierung werden am morgigen Montag mit dem Vizebürgermeister Pekings, Sui Zhenjiang, zusammenkommen. Sui will dabei auch Umweltprojekte der chinesischen Hauptstadt präsentieren. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Olympischen Winterspielen, die 2022 in Peking stattfinden.

China rührt bereits seit längerer Zeit die olympische Werbetrommel. Laut Medienberichten will die Regierung die Spiele zu den „nachhaltigsten der Geschichte“ machen. Dazu soll eine CO2-reduzierte Pilotstadt entstehen, wie das Internetportal „energiezukunft.eu“ jüngst berichtete.

Da dies in der „Smog-Metropole“ Peking wohl selbst schwer zu verwirklichen ist, wird auf die Stadt Zhangjiakou in der benachbarten Provinz Hebei ausgewichen, in der ein Teil der Spiele stattfinden soll. Der Co-Austragungsort Zhangjiakou, etwa 200 Kilometer von Peking entfernt, gilt als „Region mit gutem Wind-, Sonne- und Biomassepotenzial“.

Die chinesische Regierung holte sich für diesen Zweck die Internationale Energieagentur (IRENA) ins Boot. Es wurde eine gemeinsame Vereinbarung zur Kooperation für das Ziel einer CO2-reduzierten Zone („Low-carbon Olympic Zone“) in Zhangjiakou unterzeichnet. Dort sollen das olympische Zentrum und die Stadien mit Erneuerbaren Energien versorgt werden, schrieb „energiezukunft.eu“. Die Stadt hat demnach zudem das Ziel, 50 Prozent seiner Energieversorgung bis zum Jahr 2020 aus Erneuerbaren Energien zu gewinnen.

IRENA-Generaldirektor Adnan Z. Amin betonte bei der Unterzeichnung, dass dies nicht nur für die Winterspiele 2022 in China gelten solle. Vielmehr gelte auch für künftige Olympische Spiele das Ziel einer „kosteneffektiven Dekarbonisierung“. Sowohl in Südkorea, wo im vergangenen Februar in Pyeongchang Winterspiele ausgetragen wurden, als auch bei den Olympischen Sommerspielen in Athen 2004 oder Peking 2008 wurde kritisiert, dass die dafür errichteten aufwändigen und ressourcenintensiven Bauten danach vorerst kaum Verwendung fanden.

Peking wolle nun immerhin die bereits für die Sommerspiele 2008 gebauten Gebäude für die Winterspiele 2022 nutzen, um weitere Umweltzerstörung zu vermeiden. Das wegen seiner Architektur als „Birds Nest“ berühmt gewordene Olympiastadion soll für die Eröffnung und das Ende der Spiele wieder genutzt werden, ebenso eine Reihe weiterer Gebäude.

IRENA will bei Chinas Planung strategisch beraten. China entwickle sich zu einem wichtigen Akteur in der Energiewende, kommentierte IRENA-Generaldirektor Adnan Z. Amin die Unterzeichnung des „Memorandum of Understanding“. Zwischen 2012 und 2016 habe China die Nutzung von Solarenergie für die Stromversorgung um das Zehnfache erhöht. China kündigte an, bis 2020 weiterhin massiv in die regenerative Energieerzeugung investieren zu wollen.

Peking ist die erste Stadt, die sowohl bei Sommer- als auch bei Winterspielen als Gastgeberin auftritt. Umso mehr bemüht sich die Regierung um ein faires und ökologisches Image. Umweltschützer sind indes nicht von der tatsächlichen Nachhaltigkeit überzeugt. Diverse NGOs haben Pekings Bewerbung unter dem Zeichen von „umweltfreundlichen Spielen“ bereits scharf kritisiert.

So gilt die Region rund um Peking als „Wassernotstandsgebiet“, Schnee gebe es aufgrund mangelnder Niederschläge praktisch gar nicht, meinen Kritiker. Wintersport ist in China derzeit noch kaum verbreitet, auch wenn österreichische Firmen gerade wegen Olympia einen Zukunftsmarkt wittern. Das Fazit von „energiezukunft.eu“ war jedenfalls skeptisch: „Im Zuge der Winterspiele sollen hunderte Ski-Resorts sowie Eislaufhallen entstehen. Nachhaltig geht allerdings anders.“

Van der Bellen wird bei seinem Staatsbesuch, von Bundeskanzler Sebastian Kurz, Umweltministerin Elisabeth Köstinger, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (alle ÖVP), Außenministerin Karin Kneissl und Infrastrukturminister Norbert Hofer (beide FPÖ) sowie WKÖ-Präsident Christoph Leitl samt Wirtschaftsdelegation begleitet. Nach einem Treffen mit der chinesischen Staatsspitze am heutigen Sonntag in der chinesischen Hauptstadt steht für den Großteil der Delegation im Lauf der Woche auch ein Besuch des Boao-Wirtschaftsforums auf der Insel Hainan auf dem Programm.

~ WEB https://news.wko.at/presse ~ APA046 2018-04-08/08:01


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