Turbulente und grellbunte Reise nach Reims in der Grazer Oper

Graz (APA) - Elf Türen und jede Menge überkandidelte Sänger - der Beginn von Gioachino Rossinis „Il viaggio a Reims“ in der Grazer Oper war ...

Graz (APA) - Elf Türen und jede Menge überkandidelte Sänger - der Beginn von Gioachino Rossinis „Il viaggio a Reims“ in der Grazer Oper war ebenso derb-humoristisch, wie es den ganzen Abend weiter ging. Feinsinniges kam bei der Premiere am Samstag dafür aus dem Orchestergraben, wo Chefdirigentin Oksana Lyniv mit sicherer Hand ordnete, klar hervorhob und auch großen Ensembleszenen den Überblick bewahrte.

Die Oper hat nicht wirklich einen Inhalt, und den letzten Hauch von Sinn oder Logik hat ihr Regisseur Bernd Mottl in Graz erfolgreich ausgetrieben. Hier ist es eine bunte Ansammlung von Menschen aus unterschiedlichen europäischen Nationen, die nach Reims will und im Hotel „Zur goldenen Lilie“ auf die Weiterreise wartet. Dass diese nie passiert, ist von Anfang an klar, so chaotisch, wie es hier zu geht. Die Drehbühne (Friedrich Eggert) zeigt ein Luxushotel mit einer Heerschar von Bediensteten, und hier wird geliebt, verfolgt, verehrt, schockiert, belogen und gelacht.

Auf der Bühne ist ein ständiges Kommen und gehen, plötzlich klettern alle in eine Kutsche, die im Zimmer steht, dann duellieren sich zwei Männer, was alle zum Brüllen komisch finden, eine Guillotine ist auch da, die - so ein Spaß! - nicht funktioniert. Dazwischen muss der Chor sich als Blumen verkleiden, eine Sängerin ein Schaumbad nehmen und Bodybuilder gibt es auch noch.

Gleich 16 Sänger, allesamt in den schillerndsten Farben ausstaffiert (Kostüme: Alfred Mayerhofer), können sich abwechselnd in absurden Szenen mit wirkungsvoller Musik präsentieren. Die Ensemblesstücke wurden effektvoll eingesetzt und erklangen in ihrer ganzen Fülle, aber dank Oksana Lyniv nie als undefinierbare Masse. Auch bei den Duetten gab es herausragende Momente, Tetjana Miyus (Corinna) und Pavel Petrov (Cavalier Belfiore) waren zusammen ebenso stilsicher wie in ihren einzelnen Arien. Elena Galitskaya (Contessa di Folleville) kam sehr schräg, sehr glitzend, aber mit schönen, weichen Spitzentönen daher, Anna Brull (Marchesa Melibea) überzeugte mit kräftiger, sicher geführter Stimme. Peter Kellners (Lord Sidney) pinkfarbenen Anzug und Glitzerfächer standen im komischen Gegensatz zu seinem Bass, der alles andere als rosig-zart erklang.

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Die temporeiche Abfolge der Szenen und die heiteren Einlagen kam hörbar gut an, Freunde des Klamauks werden sicher ihre Freude an dieser Inszenierung haben.

(S E R V I C E - „Il viaggio a Reims“ von Gioachino Rossini in der Grazer Oper. Musikalische Leitung: Oksana Lyniv/Marcus Merkel, Inszenierung: Bernd Mottl, Bühnenbild: Friedrich Eggert, Kostüme: Alfred Mayerhofer. Besetzung: Corinna (Tetiana Miyus), Marchesa Melibea (Anna Brull/ Yuan Zhang), Contessa di Folleville (Elena Galitskaya), Madama Cortese (Sonja Saric), Cavalier Belfiore (Pavel Petrov), Conte di Libenskof (Milos Bulajic), Lord Sidney (Peter Kellner), Don Profondo (Wilfried Zelinka), Barone di Trombonok (Neven Crnic/Dariusz Perczak), Don Alvaro (Ivan Orescanin), Don Prudenzio (Martin Simonovski), Don Luigino (Martin Fournier), Maddalena (Andrea Purtic), Delia/Modestina (Aleksandra Todorovic), Antonio (David McShane), Zefirino/Gelsomino (Albert Memeti). Weitere Vorstellungen: 12., 14., 18., 20. April, 2., 6., 16. Mai, 6., 10. Juni 2018. http://www.oper-graz.com )


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