Wiener Terror-Prozess 2 - „Ein fröhliches Kind, beinahe ein Kasperl“

Wien (APA) - „Er war ein fröhliches Kind, beinahe ein Kasperl“, beschrieb die Mutter des 19-Jährigen den jüngeren ihrer zwei Söhne. Sie und ...

Wien (APA) - „Er war ein fröhliches Kind, beinahe ein Kasperl“, beschrieb die Mutter des 19-Jährigen den jüngeren ihrer zwei Söhne. Sie und ihr Mann hätten Wert daraufgelegt, dass diese „als Österreicher“ aufwuchsen, schilderte die Frau. Auf die albanischen Wurzeln der Eltern hätte man bei der Erziehung keinen Wert gelegt. Auch Religion sei in der Familie nie ein Thema gewesen.

In der Schule habe man ihren angeklagten Sohn „vor lauter Kasperleien als Störfaktor gesehen, einfach weil er durch sein lustiges und kindliches Gemüt die ganze Klasse durcheinandergebracht hat“. Die Lehrer hätten ihn deswegen von Schulsportwochen und anderen Aktivitäten ausgeschlossen. Als man ihm zu Hause wegen einer Verfehlung sein Handy strafweise wegnahm, hätte er in der Schule die Mobiltelefone von zwei Klassenkameraden an sich genommen. Darauf sei er von der Schule suspendiert worden, berichtete die Mutter.

Der Bursch landete in weiterer Folge in einer Schule für geistig schwerbehinderte Kinder. Da sei er nicht mehr hingegangen und habe sich im Alter von 14 mit wesentlich älteren Burschen abgegeben, erklärte die Zeugin. Ihr Sohn geriet auf die schiefe Bahn, wurde mit 15 erstmals gerichtlich verurteilt und landete im Gefängnis. Dort kam er über Zellengenossen in Kontakt mit dem Islam, den er nach seiner Entlassung auch zu Hause thematisierte: „Er begann uns zu testen, obwohl er wusste, dass ich voll dagegen bin und war.“

Das sich ihr jüngerer Sohn nach dem Verlust seiner Lehrstelle - das Unternehmen hatte von seinen Vorstrafen erfahren - immer mehr zurückzog und sich zu Hause verstärkt dem Islam zuwandte und sich radikalisierte, bekamen die Eltern - die Mutter arbeitet als Krankenschwester, der Vater als Sozialbetreuer - nicht mit. „Es tut mir wahnsinnig leid“, bemerkte die Mutter dazu. Ihr Sohn sei „labil“ geworden: „Jedes Mal, wo er versucht hat sich aufzurappeln, ist etwas passiert.“ „Es ist für uns traurig gewesen zu sehen, wie er sich verändert hat“, fügte der Vater hinzu. Als ihr Sohn unter Terror-Verdacht festgenommen wurde, sei das „ein Schock für uns gewesen“. „Wenn Sie von der Polizei von der Arbeit abgeholt werden und zu Hause sind die Spürhunde - ich habe gedacht, das kann nur eine Show sein“, deponierte der Vater.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Als Zeuge vernommen wurde auch jener Beamte des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), der nach der Festnahme des 19-Jährigen mit diesem die Beschuldigteneinvernahmen durchführte. Der Angeklagte habe sich zu Beginn verschlossen gezeigt. Darauf habe man auf ihn „eingeredet wie auf eine kranke Kuh“, dass ihn Angaben auch entlasten könnten, gab der Beamte zu Protokoll. Aufgrund dessen habe der Jugendliche zu kooperieren begonnen. Der Zeuge erwähnte „ein sehr, sehr gutes Vernehmungsklima“ und beschrieb den Angeklagten als „nach außen hin aggressiv, aber innerlich sehr sensibel und leicht verletzlich“.

Der 19-Jährige behauptet allerdings, er wäre von dem Beamten zu Beginn einer Befragung geohrfeigt worden. Dieser dementierte das: „Einen handgreiflichen Vorfall gab es nie. Es gab null Handgreiflichkeiten.“ Darauf rief ihm der Angeklagte zu: „Du bist ein Lügner, ein Lügner bist du!“ Sichtlich zornig hantierte der 19-Jährige mit einem Gummiringerl und echauffierte sich: „Mit Handschellen war ich am Stuhl! Du hast mich geschlagen!“ Der Mann habe ihm „eine Watsche gegeben“, präzisierte der Angeklagte: „Da hatte ich eine Wut. Ich war so wütend. Ich konnte nichts machen.“

Die Verhandlung wird am kommenden Mittwoch um 10.00 Uhr fortgesetzt.


Kommentieren