Osttiroler Jäger brauchen neuen Chef

Nach 18 Jahren hat Bezirksjägermeister Martin König am Trophäenschauwochenende angekündigt, bei den Wahlen im nächsten Jahr nicht mehr anzutreten. Und Jäger fordern dringend Wild-Ruhezonen.

Bezirksjägermeister Martin König wird bei den Neuwahlen im kommenden Jahr nicht mehr für das Amt kandidieren.
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Von Christoph Blassnig

Lienz –Überredungsversuche hätten gleich gar keinen Sinn, stellte der Osttiroler Bezirksjägermeister Martin König beim Jägertag in der Lienzer Dolomitenhalle am Samstag klar. „18 Jahre lang habe ich gerne und mit voller Energie diese Arbeit gemacht. Es wird Zeit für ein neues Gesicht an der Spitze.“ Ein persönlicher Entschluss sei zu respektieren, die Ankündigung komme aus gutem Grund so früh: „Macht euch rechtzeitig Gedanken über meine Nachfolge für die Neuwahlen im nächsten Jahr.“ Ein Bezirksjägermeister sei angewiesen auf offene und direkte Meldungen aus der Jägerschaft. „Nicht am Stammtisch, sondern persönlich und auf Augenhöhe.“

Martin König sieht für die nächsten Jahre zwei große Themenbereiche anstehen, die dringend Maßnahmen erforderten. So nehme der Drang des Menschen in die Natur von Jahr zu Jahr immer weiter zu. Der Freizeitsport in all seinen Ausformungen, Sommer wie Winter, brauche Beschränkungen und Grenzen, deren Einhaltung zu überwachen und Übertretungen zu sanktionieren seien. „Der vermeintliche Erlebnispark Natur braucht mehr denn je Ruhezonen, deren Schaffung wir dringend von der Politik fordern. Nur mit einem Miteinander wird es wahrscheinlich nicht gehen.“

Die Begutachtung der erlegten Stücke der Kollegenschaft ist jedes Jahr ein Höhepunkt am Jägertag.
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Weiters sei einer drohenden Überpopulation des Rotwildes in Osttirol und Oberkärnten in den kommenden Jahren entschieden entgegenzuwirken, sagte König. Zur verträglichen Bejagung der maßgeblichen Tiere hielt der akademische Jagdwirt Stefan Pfefferle ein Referat, dem die Jägerschaft in der Dolomitenhalle aufmerksam folgte.

Pfefferle legte dar, wie sich der verstärkte Druck auf die Natur auf die Kulturlandschaft in Wald und Feld, auf die Tierwelt und schließlich auch wieder auf den Menschen selbst auswirke. „Jahreszeit, Wetter, Land- und Forstwirtschaft sorgen für freie Flächen. Moderne Technik wie E-Bikes und Allradfahrzeuge bringen den Menschen überall hin. Nachtwanderungen auf Schneeschuhen finden dank leistungsstärkster Stirnlampen nicht mehr nur in Vollmondnächten statt.“ Das Wild lerne rasend schnell und gebe seine Erfahrungen umgehend weiter. Die Folge daraus sei der Rückzug in den Wald und die Nacht.

Ziel müsse das genaue Gegenteil sein, nämlich die Sichtbarkeit des Rotwildes durch wenig Scheu. Das Schießen sei ein Handwerk, das nur durch ständiges Üben ein sauberes Handwerk bleibe – gezieltes Mehrfachschießen eingeschlossen. „Führt keinen Partisanenkrieg das ganze Jahr gegen das Wild!“, forderte Pfefferle. „Nicht Kälber aus einem Rudelverband schießen, sondern immer einen Familienverband entnehmen.“ Die Zahl der Muttertiere werde generell extrem unterschätzt, eben diese Zuwachsträger seien zu regulieren. „Bei uns im Oberallgäu gibt es dank Wildkameras von jedem Hirsch ein Passbild. Aber: Schaut auf die Weibchen.“

Auch Stefan Pfefferle empfiehlt energisch die Schaffung und Einhaltung von Ruhezonen, auch freiwillig im eigenen Revier. „Die Regulierung des Rotwildbestandes in Osttirol wird durch das richtige Bejagen kein Problem darstellen.“

„Ein Viertel der Osttiroler Jäger hat bereits auf bleifreie Munitio­n umgestellt. Bitte dranbleiben!“, sagt Hermann Stotter (Nationalparkdirektor).
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In den 22 heimischen Hegebezirken ist mit einem Gesamtabgang von 5973 Stück im letzten Jahr ein Höchstwert erzielt worden. Der Gesamtschalenwildabschuss war mit 4808 Stück ebenfalls noch nie so hoch. Für die Jagdbehörde stellte Bezirkshauptfrau Olga Reisner ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis fest – trotz des harten Winters.

Nationalparkdirektor Hermann Stotter berichtete aus einer Untersuchung im Herbst 2017, dass ein Viertel der Osttiroler Jäger bereits auf bleifreie Munition umgestellt habe. „Bitte dranbleiben.“ Auch Bezirksjägermeister Martin König betonte, er verzichte bereits seit Jahren vollständig auf Blei. „Bei besten Ergebnissen.“


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