Münchner Ballettfreunde zum Auftakt der Festwoche aus dem Häuschen

München (APA/dpa) - Die Münchner Ballettfreunde scheinen zuweilen noch enthusiastischer zu sein als die Opernfans. Gellende Pfiffe hallten a...

München (APA/dpa) - Die Münchner Ballettfreunde scheinen zuweilen noch enthusiastischer zu sein als die Opernfans. Gellende Pfiffe hallten am Samstagabend zur Eröffnung der Ballettfestwoche durch das Münchner Nationaltheater, begleitet von rauschendem Applaus, Getrampel, Bravorufen. Das Publikum wollte die Stars von Igor Zelenskys Tanztruppe und den Choreografen Wayne McGregor nicht mehr von der Bühne lassen.

Bis dato hatte der schon nicht mehr ganz neue Münchner Ballettdirektor Zelensky eine eher konservative Linie bedient, mit klassischen Handlungsballetten wie „Anna Karenina“, „Spartacus“ und „Alice im Wunderland“, die auch im Rahmen der bis zum 22. April dauernden Ballettwoche zu sehen sind. Zur Eröffnung präsentiert Zelensky nun mit McGregor einen Star der freien Ballettszene. Der Brite gilt als einer der international führenden zeitgenössischen Ballettkünstler und war zuletzt auch im Herbst an der Wiener Staatsoper zu erleben.. Seinem Oeuvre widmet das Staatsballett nun einen dreiteiligen Porträtabend - Neuland zumindest für einen Teil der Compagnie.

Den Auftakt macht die 2014 in Zürich erstmals aufgeführte Kreation „Kairos“ zu Livemusik aus Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, die der Komponist Max Richter elektronisch verfremdet hat. Zehn Tänzer verwandeln Vivaldis Wetterstürme in einen rauschenden Tornado, begleitet von den Lichtblitzen eines Stroboskops. Mit „Sunyata“ gibt es danach eine echte Uraufführung. Jeweils vier Tänzerinnen und Tänzer agieren zur Musik der finnischen Komponistin Kaija Saariaho, deren Werk für Orchester und Elektronik auf Gedichten des persischen Lyrikers Rumi basiert. Vor dem Hintergrund eines bunten Perserteppichs mit einem hineingeschnittenen Loch - es soll das buddhistische Konzept einer positiven Leere symbolisieren - spielt die Choreographie assoziativ mit der Dichtung, untermalt von orientalisierenden Orchesterklängen, in die Sequenzen der persische Texte hineingesprochen werden.

Zum dritten Teil des Abends ist das Orchester aus dem Orchestergraben verschwunden; der Sound kommt aus großen Lautsprecherboxen am Bühnenrand. In „Borderlands“, uraufgeführt 2013 in San Francisco, frönt McGregor, inspiriert durch die Form- und Farbexperimente des Bauhauskünstlers Josef Albers, einer abstrakten Formensprache, animiert Tänzer zu roboterhaften Bewegungen oder lässt sie, wie unter Strom mit Armen und Händen zucken. Es gibt aber auch lyrische Elemente mit anmutiger Zweisamkeit, wobei der Soundtrack manchmal am Kitsch vorbeischrammt. Für Zelenskys Truppe war der vielfältige Abend eine enorme Herausforderung, die sie überzeugend bis überragend bewältigte.

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