Fleißige(s) Bienchen in St. Ulrich

Eine neue Bienensaison steht vor der Tür und für die Imker gibt es viel zu tun. Davon kann Helene Wörter ein Lied summen. In St. Ulrich am Pillersee nimmt sie Besucher mit auf eine Reise in die Welt der Bienen.

Helene Wörter gibt ihr Wissen über Bienen und das Imkern bei Führungen durch den Bienenlehrpfad in St. Ulrich weiter.
© Hotter

St. Ulrich a. P. –Helene Wörter geht voraus. Zuerst über den Schotter des Parkplatzes, vorbei am Info-Gebäude, dann über den weichen, von Wurzelwerk durchzogenen Waldboden, bis sie eine Weide mit Erikakraut erreicht. „Eine super Bienenweide“, sagt sie und blickt kurz auf die pinken Blüten, bevor sie ihren Weg fortsetzt. Ihr Ziel, das Bienenhäuschen, ist schon zu sehen. Genauso wie etliche Bienen, die ihre ersten Ausflüge machen und mit Nektar im Gepäck wieder in ihr Zuhause schwirren. „Für ein Kilogramm Honig sind rund 150.000 Ausflüge notwendig.“

Infos wie diese gibt die 59-Jährige bei Führungen durch den Bienenlehrpfad in St. Ulrich mit vier Bienenvölkern weiter (bei Interesse: 0664/4018993). Das Areal wird vom Wirt des Gasthofes Adolari zur Verfügung gestellt. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die kommende Saison. Unter anderem müssen noch Info-Tafeln aufgebaut werden, bevor der rund ein Kilometer lange Pfad Mitte Mai wieder seine Pforten öffnet.

Für die Imker hat die Arbeit nach dem Winter bereits begonnen. „Im April werden den starken Völkern die Honigräume aufgesetzt“, erklärt Wörter, eine von 40 aktiven Imkern des Bienenzuchtvereins Pillersee mit den drei Gemeinden St. Ulrich, Fieberbrunn und St. Jakob in Haus, die zusammen 348 Völker besitzen. Bis vor Kurzem war Wörter 20 Jahre lang die einzige Imkerin in St. Ulrich. „Vor zwei Jahren haben dann zwei junge Frauen auch angefangen, das freut mich wirklich sehr“, erzählt die Imkerin, die privat 19 Bienenvölker betreut.

© Hotter

Im Bienenhäuschen zieht sich Wörter eine weiße Jacke aus Stoff und Drahtgeflecht an, die sie vor Stichen schützt. Anschließend nimmt sie vorsichtig eine Wabe aus einer Kiste heraus. Eine Bienenwabe dient zur Aufzucht von Larven und zur Lagerung von Honig und Pollen. „Das hier sind die Drohnenzellen“, sagt Wörter und zeigt auf einige Zellen, die im Vergleich zu anderen hervorstehen. Drohnen, das sind die Männchen. Sie bilden zusammen mit den Arbeiterinnen und den Königinnen ein Bienenvolk. „Jetzt gebe ich die Wabe wieder hinein, sonst werden die Bienen ganz unruhig“, sagt Wörter, die aber betont, dass die Bienen allgemein ganz friedlich sind. Das war nicht immer so. „Einmal, da hatte ich eine aggressive Königin. Das hat man am Bienenvolk gemerkt. Sobald ich aus dem Auto ausgestiegen bin, haben sie mich schon gehabt.“ Deshalb wurde die böse Königin durch eine sanftmütige ersetzt. Und die Bienen geben seitdem Ruhe. Außer jemand mit starkem Schweißgeruch, einer Alkoholfahne oder jeder Menge Haarspray kommt in ihre Nähe. „Das mögen sie überhaupt nicht.“ Mit dem Imkern angefangen hat Wörter erst mit 40 Jahren. „Mein Mann hat damals eine kleine Wiese gepachtet und Obstbäume gepflanzt. Ich habe dann gesagt: Da müssen Bienen her“, erinnert sie sich. Gesagt, getan. Wörter hat sich zur Facharbeiterin ausbilden lassen und widmet sich seitdem ihrem liebsten Hobby.

Insekten, so sagt sie, haben sie schon immer fasziniert. Bienen schreibt sie eine ganz besondere Bedeutung zu. „Die Bienen sind so wichtig für die Natur. Ohne Bestäubung gibt es kein Leben“, sagt die „Nuaracherin“. Das haben auch Politiker erkannt. Vor wenigen Tagen hat Umwelt- und Agrarministerin Elisabeth Köstinger angekündigt, dem EU-weiten Verbot einer Gruppe bienenschädlicher Insektizide am 27. April zuzustimmen. In dieser Studie wurde demnach nachgewiesen, dass drei so genannte Neonicotinoide einen negativen Einfluss auf die Bienenpopulationen haben.

© Hotter

Wörter will mit der Bienenzucht ihren eigenen Beitrag leisten und die kleinen Hautflügler vor dem Aussterben bewahren. Dazu steht dem Verein eine eigene Belegestelle auf der Steinplatte in Waidring zur Verfügung. Dorthin bringt Wörter die Königinnen, um sie von Drohnen ausgesuchter Völker begatten zu lassen. Ist dies geschehen, kommen die Bienen wieder in ihren Stock zurück und legen Eier. Und die Drohnen? Im August kommt es zur Drohnenschlacht. „Die Arbeiterinnen drängen die Männchen aus dem Stock oder lassen sie aushungern.“

Apropos Hunger: „Bei uns bekommt ein Imker durchschnittlich 10 Kilogramm in einem normalen Ertragsjahr zusammen.“ Honig enthalte rund 180 Inhaltsstoffe, darunter Spurenelemente und Mineralstoffe. Durch das Imkern hat Wörter eine ganz andere Sichtweise auf die Natur bekommen. Und sie wird weitermachen. Den Bienen und damit auch den Menschen zuliebe. (miho)


Kommentieren


Schlagworte