Gerichtssplitter

18 Monate Haft für diebischen „Antänzer“

Trotz Sicherheitspersonals heißt es am Hauptbahnhof die Augen offen halten. Ein Algerier hatte sich als Trickdieb betätigt.
© Thomas Boehm / TT

Die Gegend rund um den Innsbrucker Hauptbahnhof gilt als unsicheres Pflaster. Und auch im Inneren des Bahnhofsgebäudes sollte man auf der Hu...

Die Gegend rund um den Innsbrucker Hauptbahnhof gilt als unsicheres Pflaster. Und auch im Inneren des Bahnhofsgebäudes sollte man auf der Hut sein. Ende des letzten Jahres klickten nach elf erwiesenen Diebstählen für einen Algerier die Handschellen. Er hatte sich am Hauptbahnhof als Trickdieb betätigt. Vorgangsweise: Durch „Antanzen“ begab sich der 37-Jährige in die körperliche Nähe seiner Opfer. Darauf folgte zur Ablenkung meist ein Rempler oder ein Einhaken eines seiner Beine zwischen den Beinen der Ahnungslosen. Ein bitteres Zusammentreffen für die Reisenden. Diesen fehlten danach Handys sowie Geldbeträge zwischen 3,50 und 700 Euro. Von diesen werden die Bestohlenen freilich nichts mehr sehen. Gestern am Landesgericht zeigte sich der 37-Jährige aufgrund des vorliegenden Videomaterials gleich voll geständig und sogar ein bisschen stolz: „Ich bin begeistert von meinen flinken Fingern!“, gestand der Angeklagte Richterin Helga Moser. Diese hielt dem Algerier jedoch zugute, dass er aus Prinzip keine Frauen und Senioren, sondern nur Männer als Opfer auserkoren hatte. So ergingen über den bereits Vorbestraften 12 Monate Haft, weitere sechs einst bedingt nachgesehene Monate wurden dazu widerrufen. Der Verurteilte hörte es, nahm es an und bedankte sich bei Richterin Moser.

Seit der Strafrahmen für Tierquälerei auf zwei Jahre Haft angehoben wurde, stieg offenbar auch die Sensibilität in der Bevölkerung zum Thema. So findet mittlerweile am Landesgericht fast schon wöchentlich ein derartiger Prozess statt. Am Beginn der behördlichen Ermittlungen standen meist anonyme Anzeigen. Im Fall eines Unterländer Bauern war es das Schreien von Kühen und Kälbern, das Passanten aufrüttelte. Gestern beim Prozess offenbarten Tierärztinnen und die zuständige Bezirkshauptmannschaft tatsächlich unerfreuliche Zustände an dem bereits amtsbekannten Hof. Nicht umsonst war dem Bauern von der Molkerei die Milchanlieferung wegen drastisch erhöhter Zellwerte gestoppt worden. Eine Verurteilung wegen Tierquälerei erfolgte jedoch nicht. Auch wenn der Stall bei der Kontrolle wohl Tage nicht ausgemistet worden war und der Mist 20 Zentimeter hoch stand, gab es keinen Beweis, dass der Bauer die Tiere hungern oder dürsten lassen hätte. „Schauen Sie in Zukunft auf Ihre Tiere, denn Sie bekommen sicher wieder Besuch!“, warnte die Richterin den Freigesprochenen.

Keinen Prozess in Österreich gibt es für jene Amerikanerin (42), die zu Allerheiligen auf der Ehrwalder Straße mit ihrem Sportwagen in ein entgegenkommendes Auto gerast war. Drei Insassen aus Deutschland waren dabei verletzt worden. Die Strafverfolgung wurde nun dorthin abgetreten. (fell)