Innsbruck-Wahl

Oppitz-Plörer muss bei Stichwahl auch im FPÖ-Becken angeln

Um im Amt zu bleiben wird Christine Oppitz-Plörer (FI) wohl auch versuchen, Rudi Federspiels (l.) Wähler für sich zu gewinnen. Georg Willi (r.) hat nach der ersten Wahlrunde einen ordentlichen Vorsprung zu verteidigen.
© Kristen/TT

Georg Willi sieht sich in der Stichwahl um das Bürgermeisteramt nicht in der Favoritenrolle. Oppitz-Plörer muss aufholen und braucht Schützenhilfe. Hat der ÖVP-Absturz noch Konsequenzen?

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck — Anders noch als 2012 konnte Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer ihren Amtsbonus gestern nicht voll ausspielen. Die 24,28 Prozent reichen im Bürgermeisterrennen dieses Mal lediglich, um mit Rudi Federspiel (21,17 %) von der FPÖ ihren schärfsten Verfolger auf Distanz zu halten und in die Stichwahl einzuziehen.

Der Abstand nach vorne ist kein kleiner. Grünen-Bürgermeisterkandidat Georg Willi hängt die FI-Chefin mit 30,88 Prozent um ganze 6,6 Prozentpunkte ab. Diesen Vorsprung muss Willi nun verteidigen. Dass das nicht leicht sein wird, weiß Willi bereits am Wahl­abend. Er will sich auch trotz Platz eins nicht in die Favoritenrolle für den 6. Mai drängen lassen. Die „halbe Miete" sei das Ergebnis nicht: „Jede Wahl beginnt bei null." Dass die Grünen als Partei (24,16 %) nun FI (16,15 %) und ÖVP (12,17 %) überholen, da kennt auch Willis Freude keine Grenzen.

Oppitz-Plörer blickt auch in Richtung FPÖ-Wähler

Die noch amtierende Bürgermeisterin ließ bereits gestern Abend erkennen, um welche Stimmen sie in den kommenden zwei Wochen nun buhlen will — bzw. sogar muss, will sie noch weitere sechs Jahre an der Spitze der Stadt stehen. Sie verweist darauf, dass das bürgerliche Lager nach wie vor das stärkste im Gemeinderat sei. Damit meint sie ÖVP, FI — und wohl auch die FPÖ.

Im diesjährigen Gemeinderatswahlkampf hat sie eine Koalition mit der FPÖ noch nie dezidiert ausgeschlossen. Im Gegensatz zu Willi. Er erneuerte gestern seine Ansage, nicht mit den Blauen koalieren zu wollen. Oppitz-Plörer betont hingegen weiter, dass sie und ihre Liste die „politische Mitte" seien, deren Anhängerschaft es nun für die Stichwahl hinter sich zu vereinen gelte.

Dass Federspiel erneut das Bürgermeisteramt verfehlt, das war gestern schnell verschmerzt. Weit mehr zählt da schon Platz zwei im Parteienranking mit 18,56 %. Um rund drei Prozentpunkte mehr als noch 2012 Liste Federspiel und FPÖ zusammen.

Bitteres Erwachen für Grubers ÖVP

Bitter ist das Aufwachen für Franz Gruber. Der VP-Frontmann spielt, wie erwartet, in der Bürgermeisterfrage keine Rolle (9,12 %), weit schwerer wiegt aber, dass sich die Partei mit nur noch 12,17 Prozent nahezu halbiert. Gruber könnte deshalb als VP-Obmann zur Diskussion stehen. Das angestrebte Stockerl verfehlt die SPÖ mit 10,32 Prozent weit und muss erneut mehr als vier Prozentpunkte einbüßen. Schwächer ist nur das Ergebnis für BM-Kandidatin Irene Heisz — 6,98 Prozent.

Für fast alle Kleinfraktionen endete der gestrige Wahl­abend mit einem positiven Ergebnis — nämlich den Einzug in den Gemeinderat. Sowohl Seniorenbund, Gerechtes Innsbruck, Alternative Liste Innsbruck als auch die Liste Fritz sitzen mit je einem Mandat im neuen, 40-köpfigen Gemeinderat. Für eine kleine Überraschung sorgen die NEOS: Sie schaffen auf Anhieb zwei Mandate. Bürgerinitiativen und Inn-Piraten müssen draußen bleiben.

Viele Koalitionsvarianten möglich

Spannend wird bereits in den kommenden Tagen, welche Koalitionsvarianten Chance auf eine Realisierung haben werden. Willi will als stärkste Fraktion zwar nicht zu Sondierungen, „aber zu Gesprächen einladen". Da will er aber auch mit der FPÖ reden. Möglich sind ob der neuen Buntheit des Gemeinderates viele Varianten.

Im Stadtsenat (sofern er bei den derzeit sieben Sitzen bleibt und nicht per Gemeinderatsmehrheit auf neun erweitert wird) kämen auf Grüne und FPÖ je zwei Sitze, während FI, ÖVP und SPÖ mit je einem vorliebnehmen müssten. Für Oppitz-Plörer wäre dies — sollte sie wieder Bürgermeisterin werden — ein Novum. Noch nie saß sie allein für die FI im Senat. Rechnerisch hätten FI, ÖVP und FPÖ im 7er-Senat eine Mehrheit — im Gemeinderat aber mit 21 Stimmen nur eine hauchdünne. Und das auch nur, weil das eine Seniorenbund-Mandat mit den fünf der ÖVP gekoppelt ist.

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