TT-Interview

Bürgermeister ,,für alle“: Georg Willi baut auch auf FP-Wähler

Einer Koalition mit einer nur knappen Mehrheit im Gemeinderat steht Willi skeptisch gegenüber.
© Thomas Böhm

Für die Bürgermeisterstichwahl in Innsbruck am 6. Mai möchte sich Georg Willi (Grüne) wandeln. Er will auch den FPÖ-Wähler ein Angebot legen – aber nicht den Vizebürgermeisterposten für Federspiel.

Herr Willi: stärkste Partei im Innsbrucker Gemeinderat und mit knapp 31 Prozent als Erster in die Bürgermeisterstichwahl – wie gut haben Sie geschlafen?

Georg Willi: Hervorragend.

Was hat Sie am Wahlabend am meisten überrascht?

Willi: Einerseits das gute Abschneiden der Grünen mit den 24 Prozent, andererseits, dass es mir gelungen ist, doch noch darüber hinaus Stimmen zu bekommen. Wir haben alle drei [Anm.: Christine Oppitz-Plörer (FI), Rudi Federspiel (FPÖ)] über die eigene Partei hinausgestrahlt.

Sie sehen sich aber trotzdem nicht als Favorit gegen Oppitz-Plörer. Wieso diese Bescheidenheit?

Willi: Die zum Teil bitteren Erfahrungen der letzten Monate haben mir gezeigt, dass jede Wahl bei Null begonnen werden muss. Man kann sich nicht verlassen, dass das, was man bei einer Wahl erreicht hat, bei der nächsten ein sicheres Ausgangspotenzial ist. Das heißt: am 6. Mai stehen zwei Persönlichkeiten mit ihren Stärken und Schwächen zur Wahl. Ich bin zwar kein Außenseiter – aber ich muss es erst einmal schaffen, im ganzen Parteienspektrum eine Mehrheit zu bekommen. Christine Oppitz-Plörer hat einen Vorteil. Sie kann aus einem größeren Reservoir zusätzliche Stimmen lukrieren als ich. Da habe ich es schwerer.

Ihnen fehlen rund 20 Prozent für eine einfache Mehrheit. Auch wenn sie alle kleineren Parteien gewinnen können wird das ohne Stimmen von ÖVP und FPÖ nicht reichen.

Willi: Ich mache mit dem heutigen Tag einen Wandel durch. Ich wechsle vom Spitzenkandidaten einer Partei zum Bürgermeisterkandidaten für alle. Ich muss es schaffen, Leute von anderen Parteien für mich zu gewinnen.

Aber Oppitz-Plörer reklamiert die politische Mitte in Innsbruck bereits für sich.

Willi: Ich habe gestaunt, als sie am Sonntag von einer bürgerlichen Mehrheit gesprochen hat, die sie abholen wird. Sie meint mit bürgerlichem Lager offensichtlich Schwarz, Gelb und Blau, obwohl viele meiner Wähler sich als bürgerlich verstehen. Ich will wissen, wer dieses bürgerliche Lager ist, das sie hier sieht und ob sie eine Koalition mit den Freiheitlichen vorhat. Ich habe mich in dieser Frage klar deklariert: keine Koalition mit der FPÖ. Nicht, dass ich mit Federspiel persönlich nicht gut reden könnte, aber es gibt faktisch keine Schnittmenge zwischen den Freiheitlichen und den Grünen. Wenn ich aber eine Stadt gestalten will, macht das mit einer Partei, mit der wir keine Schnittmengen haben, keinen Sinn.

Heißt das auch, dass Sie FPÖ-Wählern für die Stichwahl kein Angebot legen?

Willi: Ich lege denen sogar viele inhaltliche Angebote: mit leistbarem Wohnen, einem guten sozialen Netz und meinem Verkehrskonzept. Das alles ist auch für FPÖ-Wähler wichtig.

Gelten diese Angebote auch für FI- und ÖVP-Wähler?

Willi: Wenn ich Bürgermeister für alle sein will – ja.

Sie haben Federspiel im Stadtsenat eine kontrollierende Rolle zugeschrieben – könnte er das auch als Vizebürgermeister?

Willi: Nein. Ich finde, die Vizebürgermeister müssen ressortführend und Teil der Koalition sein.

Wie hoch schätzen Sie die Chancen für eine Neuauflage der jetzigen Viererkoalition?

Willi: Hoch. Ich möchte eine sehr breite Koalition bilden. Und die FPÖ soll die wichtige Kontrollfunktion übernehmen.

Rechnerisch gingen sich knappe Dreierkoalitionen mit Grüne, FI und SPÖ, aber auch FI, ÖVP und FPÖ aus...

Willi: Eine Koalition sollte einen Überhang haben, der nicht von einer Stimme auf oder ab abhängig ist.

Angst davor, dass ihnen das Schicksal der ÖVP aus 2012 blüht? Also als stimmenstärkste Fraktion nur in der Oppositionsrolle?

Willi: Nein. Oppitz-Plörer hat selbst aus dem gelernt und die ÖVP später wieder in die Koalition geholt. Man kann uns als stärkste Kraft nicht vor die Türe stellen.

Das hat die ÖVP damals auch geglaubt.

Willi: Stimmt. Es war dann auch nur vorübergehend.

Sollte sich in den kommenden Tagen eine Allianz ohne die Grünen abzeichnen – würde Sie auf die Stichwahl verzichten, um für die Grünen retten was zu retten ist?

Willi: Ich bin mit über sechs Prozent Vorsprung in die Stichwahl gewählt worden. Ich stelle mich mit großer Freude dieser Wahl mit einem klaren Ziel: Ich möchte der nächste Bürgermeister von Innsbruck werden.

Das Interview führte Manfred Mitterwachauer