Leiche im Neusiedler See: Verdächtiger wollte später „kosten“

Weiterhin ungeklärt ist die Identität der im Neusiedler See gefundenen Frauenleiche. Ein Verdächtiger legte ein Geständnis ab. In einer Kühltruhe wurden weitere Leichenteile gefunden.

Beim Opfer soll es sich um eine 20 bis 30 Jahre alte Frau handeln. Sie war etwa 1,55 bis 1,65 Meter groß und von schlanker, zierlicher Statur. Ihr Gesicht war aufgrund der Tatbegehung und -umstände nicht mehr erkennbar.
© APA

Rust – Der Verdächtige im Fall einer zerstückelten Frauenleiche, die Mitte April im Neusiedler See in Rust gefunden worden war, hat laut Staatsanwaltschaft Leichenteile in seiner Wiener Wohnung in der Tiefkühltruhe eingefroren, um sie später zu „kosten“. Um welche Teile es sich hierbei gehandelt habe, wollten die Ermittler nicht bekanntgeben. Zum „Kosten“ sei der Mann offenbar nicht mehr gekommen.

Astrid Wagner, Verteidigerin des 63-jährigen Beschuldigten, meinte auf APA-Anfrage zu diesem Vorwurf, dass dies ursprünglich nicht geplant gewesen sei. Ihr Mandant habe einen Teil der Leiche in der Wohnung „vergessen“ gehabt und es sei ihm nichts anderes eingefallen, als diesen zu lagern. Auf die Idee, Überreste des Opfers zu essen, sei er erst später gekommen.

Identität weiterhin unklar

Wer die getötete Frau ist, von der zunächst nur der Torso gefunden worden war, blieb am Mittwoch bei einer Pressekonferenz von Landespolizeidirektion Burgenland und Staatsanwaltschaft Eisenstadt offen. Zur Identitätsklärung setzen die Ermittler nun auf eine weltweite Fahndung mit der Beschreibung des Opfers, teilte Harald Brenner, Leiter der Ermittlungen im Landeskriminalamt, mit. Außerdem erhoffe man sich Hinweise aus der Bevölkerung.

Beim Opfer soll es sich um eine 20 bis 30 Jahre alte Frau handeln. Sie war etwa 1,55 bis 1,65 Meter groß und von schlanker, zierlicher Statur. Ihr Gesicht war aufgrund der Tatbegehung und -umstände nicht mehr erkennbar, hieß es von der Polizei. Das Opfer wies eine Zahnfehlstellung auf, seine Ohrläppchen waren für das Tragen von Ohrschmuck gestochen. Ihr rötlich-schwarzes Haar trug die Frau zuletzt kurz. Außerdem hatte sie eine Mandeloperation hinter sich.

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Beim Opfer soll es sich um eine 20 bis 30 Jahre alte Frau handeln. Sie war etwa 1,55 bis 1,65 Meter groß und von schlanker, zierlicher Statur. Ihr Gesicht war aufgrund der Tatbegehung und -umstände nicht mehr erkennbar.
© APA

Der Beschuldigte, der eine Seehütte in der Ruster Bucht besitzt, hat ein umfangreiches Geständnis abgelegt und die Tötung und Zerstückelung der Frau zugegeben, berichteten die Ermittler. Der 63-Jährige dürfte die Frau zuvor nicht gekannt haben. Er habe nur den vermeintlichen Vornamen des Opfers angeben können, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Verena Strnad.

Im Raum der Ruster Bucht war die Leiche der Frau entdeckt worden.
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Der Verdächtige mit Wohnsitz in Wien sei im Oktober 2016 aus dem Maßnahmenvollzug bedingt entlassen worden. Er weise ein „massiv einschlägig getrübtes Vorleben“ auf und sei in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher untergebracht gewesen. Gegen ihn bestehe nun der dringende Tatverdacht in Richtung Mord, sagte die Medienstaatsanwältin.

Ende März – laut Strnad kommen zwei Tage in Frage – hatte der Mann die Frau im Bereich des Wiener Westbahnhofes getroffen. Der 63-Jährige habe bei seiner Einvernahme angegeben, dass es in der Wohnung zu einem Streit gekommen sei, bei dem er sie erwürgt habe. Noch am selben Tag soll er sie zerstückelt und nach Rust gebracht haben, wo er mit einem Elektroboot auf den See hinausfuhr und sie versenkt habe.

Am 13. April waren der Torso der Leiche sowie der Kopf im Bereich der Ruster Bucht geborgen worden. Später wurden weitere Leichenteile gefunden. Das Profil der noch unbekannten Frau befand sich nicht in der Polizeidatenbank, allerdings wurde ihr genetischer Fingerabdruck mit einem Einbruchdiebstahl in Wien im Frühjahr 2017 in Zusammenhang gebracht.

DNA des Opfers in Wohnung gefunden

Außerdem habe sich ein Mann bei der Polizei gemeldet, der erzählte, dass er den Verdächtigen kenne und sich nicht sicher sei, „ob er nicht wieder rückfällig geworden ist“, berichtete Brenner. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Wieners wurden schließlich DNA-Spuren der Toten gefunden.

Ob der Mann auch mit anderen Straftaten etwas zu tun hat, werde erhoben, zurzeit gebe es aber keine dahin gehenden Erkenntnisse, sagte Brenner. Das Ermittlungsverfahren sei nicht abgeschlossen, so die Sprecherin der Anklagebehörde. Wo dieses fortgeführt werde, sei noch nicht geklärt, da sich der Tatort in Wien befindet. Derzeit laufe das Ermittlungsverfahren in Eisenstadt, bezüglich der Hauptverhandlung sei die Zuständigkeit neu zu bewerten.

Am Mittwoch wurde die Suche nach den noch fehlenden Leichenteilen – die beiden Hände und Füße sowie ein Ober- und ein Unterschenkel – fortgesetzt. Es gebe kein zeitliches Limit dafür, sagte der Leiter der Staatsanwalt, Johann Fuchs. Die Polizei ersucht nun um Hinweise an das Landeskriminalamt unter der Telefonnummer 059-133-103333 oder via Mail unter LPD-B-LKA@polizei.gv.at.

Beschuldigter mehr als 20 Jahre im Vollzug

Das Wiener Landesgericht für Strafsachen hat Details aus dem Vorleben des Beschuldigten im Fall der Frauenleiche aus dem Neusiedler See öffentlich gemacht. Er wurde am 17. Oktober 2016 bedingt entlassen, wofür sich damals ein beigezogener Sachverständiger, behandelnde Ärzte und Psychologen der Justizanstalt ausgesprochen hätten. Der Mann habe sich da bereits mehr als 20 Jahre im Vollzug befunden.

Bei der Entscheidung für seine Freilassung aus der Wiener Haftanstalt sei auch berücksichtigt worden, dass der Beschuldigte das letzte Jahr seiner Anhaltung als Freigänger in einer betreuten Wohneinrichtung verbracht hatte. „Er integrierte sich gut, zeigte sich einsichtig, selbstkritisch und stand - bis zuletzt - in engem Kontakt zu seinem Therapeuten und seinem Bewährungshelfer“, berichtete Christina Salzborn, Leiterin der Medienstelle des Wiener Landesgerichts.

Nach der Entlassung habe er sich bis zum Frühjahr 2018 in einer betreuten Wohneinrichtung aufgehalten. Er „ging einer geregelten Tagesstruktur nach und hielt sämtliche Weisungen ein. Die Berichte der Bewährungshilfe und seiner Betreuer waren positiv und erfolgversprechend“, betonte die Sprecherin. Im Frühjahr 2018 bezog er nach Einholung einer zustimmenden Stellungnahme seiner Betreuer eine eigene Wohnung, absolvierte aber laut Gericht weiterhin die Therapie und hielt sich an die ihm erteilten Weisungen.

Was bedingte Entlassung bedeutet

Liegt bei einer verurteilten Person eine geistige oder seelische Abartigkeit höheren Grades vor, die aber nicht zur Zurechnungsunfähigkeit führt, so ist unter bestimmten Umständen neben der Freiheitsstrafe auch die Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher auszusprechen. Die Unterbringung im Maßnahmenvollzug erfolgt vor der eigentlichen Freiheitsstrafe, wird auf diese jedoch angerechnet.

Auch aus der Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher sieht das Gesetz die Möglichkeit der bedingten Entlassung vor, hielt Salzborn fest. Die bedingte Entlassung hat nur zu erfolgen, wenn nach dem Verhalten in der Anstalt, der Persönlichkeit des Insassen und seiner Gesundheit, der konkreten Vorgeschichte, seiner Entwicklung und der Aussicht auf ein redliches Fortkommen anzunehmen ist, dass keine Gefährlichkeit mehr besteht. Jedenfalls sei dabei eine Probezeit von zehn Jahren festzusetzen.

Bedingte Entlassungen aus Anhaltungen werden in der Regel nur unter der Bedingung von Weisungen und Auflagen gewährt, so etwa Bewährungshilfe, Absolvierung von Psychotherapie, Alkoholabstinenz, Aufnahme einer geregelten Tagesstruktur und mitunter auch einer Wohnungsweisung in einer speziellen, betreuten Einrichtung. Vor der Entscheidung wird stets eine Stellungnahme der betreuenden Anstalt und ein Gutachten eines Sachverständigen aus dem Fachgebiet der Psychiatrie eingeholt. Dabei wird die Vorgeschichte der Person als auch die Entwicklung während der Anhaltung einbezogen, ebenso frühere Gutachten und medizinische Unterlagen.

Laut der Rechtsanwältin des Beschuldigten stelle sich die Frage, ob der 63-Jährige zurechnungsfähig ist. Sie gehe davon aus, dass es sich nicht um eiskalten Mord, sondern um einen Totschlag unter Einfluss einer psychiatrischen Erkrankung gehandelt habe. Die Situation sei eskaliert, weil das spätere Opfer den Wiener beschimpft habe. (APA)


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