Lieber Theorie als Praxis: Theaterkritikerin Karin Kathrein wird 80

Wien (APA) - Als Journalistin begleitet sie seit Jahrzehnten das österreichische Theatergeschehen ebenso neugierig wie kritisch, als Vorsitz...

Wien (APA) - Als Journalistin begleitet sie seit Jahrzehnten das österreichische Theatergeschehen ebenso neugierig wie kritisch, als Vorsitzende der Jury des Nestroy-Theaterpreises hält sie unermüdlich Ausschau nach preiswürdigen Regie- und Schauspielleistungen. Am 7. Juni feiert die Wiener Publizistin, Theaterwissenschafterin und Theaterkritikerin Karin Kathrein ihren 80. Geburtstag.

1938 in eine großbürgerliche Wiener Familie geboren (der Großvater gründete das Bankhaus Kathrein & Co, heute eine Tochter der Raiffeisen Bank International), wuchs Karin Kathrein in einem kulturaffinen, musisch geprägten Haushalt auf. „Ich bin sehr früh ins Theater gegangen, vor allem aber in die Oper, wo meine Eltern ein Logen-Abonnement hatten“, erinnert sie sich einmal im Gespräch mit der APA. Ein Mode-Studium an der Akademie für Angewandte Kunst ließ sie rasch sausen, sobald sie sich an der Nähmaschine zu bewähren hatte. Danach studierte sie Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Wien, wo sie 1965 zum Dr. phil. promoviert wurde.

Schon während des Studiums sammelte sie erste praktische Erfahrungen beim Wiener Studententheater, als dritte Regieassistentin bei Leopold Lindtbergs „Faust“-Inszenierung 1961 bei den Salzburger Festspielen („Ein fürchterliches Erlebnis“; erster Regieassistent war übrigens Axel Corti) und dem Theater der Jugend. „Eigentlich wollte ich zum Theater, aber schon bald war ich ziemlich entsetzt. Das Machotum, die Missgunst und der Neid, den ich da kennenlernte, waren mir ziemlich unsympathisch.“ Dass sich nicht alles, was sie damals von der Praxis in die Theorie vertrieben hat, seither zum Besseren gewandelt hat, beweisen etwa die auch im Theater geführte #Metoo-Debatte oder der umstrittene Offene Brief des Burgtheater-Ensembles.

Nach dem Studium arbeitete Kathrein als Produktionsassistentin sowie Dramaturgin im Theater an der Wien und drei Jahre bei einer Künstleragentur, ehe sie auf die Kritikerseite wechselte und damit ihre Berufung fand. 1970 wurde sie Kulturredakteurin bei der „Presse“, wo Piero Rismondo ihr Mentor wurde. 1985-88 begleitete sie als Ressortleiterin u.a. den Start der „Peymannschaft“ im Burgtheater - nicht immer zum Wohlgefallen ihrer Chefredakteure, aber stets unbeeinflusst: „Es war eine wunderbare Kampfzeit.“ Von Kurt Falk ließ sie sich als Kulturressortleiterin für „Die ganze Woche“ abwerben, wo sie „lehrreiche und interessante Jahre“ verbrachte, aber später nicht zu Falks Boulevard-Zeitung „täglich Alles“ wechseln wollte.

1990-93 war sie Chefredakteurin der Zeitschrift „Bühne“, danach bis 2001 Kulturredakteurin und Theaterkritikerin des „Kurier“. Seit 1999 ist sie Vorsitzende der Jury des Nestroy-Theaterpreises, wo sie alljährlich über die Wahl der besten Saisonleistungen wacht und stets aufs Neue auf das Gelingen der heiklen Gala hofft.

Als Publizistin hat Karin Kathrein, die 1994 mit dem Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse sowie 1999 mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien ausgezeichnet wurde, u.a. 1982 einen Schauspielführer von der Antike bis zur Gegenwart geschrieben (als Taschenbuch später bei rororo erschienen), sowie 2001 gemeinsam mit Gerard Mortier und Hans Landesmann ein Buch über die Salzburger Festspiele 1992 bis 2001 herausgegeben.


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