Bezirk Imst

Kanal in Wildbach verwandeln

Bisher ein gerader Strich in der Landschaft, soll der Gurglbach wieder Platz bekommen.
© Reichle

Der Gurglbach soll wieder ein natürliches Bett bekommen. Das Projekt steht vor der Genehmigung. Wunsch der Gemeinden Nassereith und Tarrenz wäre ein Baubeginn im Herbst.

Von Matthias Reichle

Nassereith, Tarrenz –Breite Schotterbänke, ein Bach, der sich über mehrere Äste ausbreitet, sanft dahinplätschernde Gewässer – solche Bilder kennt man unter andrem vom Außerferner Lech. Den Gurglbach hingegen hat man über weite Strecken beinahe mit dem Lineal gezogen. „Er wurde 1903 verbaut“, weiß der Nassereither Bürgermeister Herbert Kröll.

Seit Jahren besteht der Wunsch der Umweltabteilung des Landes, die Strecke wieder in einen natürlichen Zustand zurückzuversetzen. Es ist ein Projekt, das auch von Nassereith und Tarrenz unterstützt wird. Der Bach soll dabei wieder Platz bekommen und als Naherholungsgebiet dienen.

Die Genehmigungsphase steht nun kurz vor dem Abschluss. In der kommenden Woche findet die mündliche Verhandlung für den Naturschutz, Forst- und Wasserrecht statt. „Die Gurgl wird bis zu 100 Meter breit“, erklärt Kröll das geplante Projekt. „Die Zustimmung der Grundeigentümer habe ich seit 2016 beeinander“, betont er. Von einem nicht ganz einfachen Vorgang spricht man auch seitens des Landes. Ziel ist es, den Bach ungefähr dorthin zurückzuverlegen, wo er vor der Verbauung geflossen ist.

Wie die Pläne zeigen, wird das Bachbett bis zu 100 Meter breit.
© Reichle

Ursprünglich war von 1,3 Mio. Euro die Rede, die das Projekt kosten wird. Nun schaut es aus, als ob es 400.000 bis 500.000 Euro mehr werden, heißt es von Seite des Projektanten. Wunsch wäre, im Herbst zu beginnen. Der Rückbau soll sich über zwei Niedrigwasserperioden erstrecken.

Die Renaturierungsmaßnahmen betreffen einen Kilometer des Gurglbachs – von der Fußgängerbrücke beim Modellflugplatz Richtung Nassereith. Die Gurgl wird nach Norden erweitert und reicht später bis zum Radweg, der derzeit gebaut wird, heran.

Auch der Hochwasserschutz soll profitieren. Ein zweiter Projektteil befindet sich beim Geschiebebecken „Birne“ in Nassereith. Dort soll ein Absturzbauwerk für die Fische barrierefrei umgebaut werden. Darüber hinaus wird das Becken geräumt. „Das war eine unserer Bedingungen“, so Kröll. Das Geschiebebecken sei in den letzten 20 bis 25 Jahren zugewachsen. „Wer einen Hochwasserschutz für Imst will, muss in Nassereith damit anfangen.“

Auch wenn der Gurglbach renaturiert wird, die Gurgl oder Teile des Gurgltals unter Naturschutz zu stellen, sei derzeit nicht geplant, heißt es vom Land. Vorstöße in diese Richtung waren bisher immer auf Widerstand der Grund­eigentümer gestoßen.