Tiroler halten wenig von Testamenten
Von Reinhard Fellner...
Von Reinhard Fellner
Innsbruck – Die demografischen Veränderungen in der Gesellschaft machen auch vor Vermächtnissen nicht halt. Steigt doch die Zahl älterer und zugleich kinderloser Bürger an. Die Frage nach einer sinnvollen Verwendung von Erspartem stellt sich.
Dabei geht es nicht um Kleingeld. So wird sich nach aktuellen Studien die Zahl der Erbfälle bis 2030 verdoppeln. Wurden beispielsweise 2014 bundesweit noch 15 Milliarden Euro vererbt, wird der Betrag bis 2050 jährlich auf das Doppelte ansteigen.
Nach einer Market-Studie sind in Österreich jedoch lediglich 1,75 Millionen Testamente registriert. Dazu dürfte eine weitere Million an selbstverfassten Testamenten kommen. Die Tiroler sollen bei der Errichtung von Testamenten besonders säumig sein – während sie jedoch Spitzenreiter beim Abschluss von Lebensversicherungen sind. Ein Regelungsdefizit, das nach dem Tod nicht nur zu – vermeidbaren – Streitfällen unter Verwandten führt, sondern Erspartes auch an Personen fließen lässt, für die es gar nicht gedacht war.
Martin Oberhammer vom Innsbrucker Notariat Schwarz stellte dazu auf einer Pressekonferenz von Notaren und Fundraising Verband fest, dass im Erbbereich weiter hoher Aufklärungsbedarf bestehe. Oberhammer: „Neben rechtlichen Unklarheiten ist aber neu, dass Notare immer häufiger gefragt werden, an wen man denn ihr Erbe sinnvoll vermachen könnte.“ Hier hakt Markus Aichelburg-Rumerskirch vom Fundraising Verband ein. Vergissmeinnicht.at – die Initiative für das gute Testament – bietet nämlich über 78 Partnerorganisationen aus dem gemeinnützigen Bereich die Alternative, Vermögen sinnvoll zu vermachen. So könnte das Ersparte für viele noch einen letzten, tieferen Sinn ergeben.
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