Musik

Beatsteaks im Interview: “Spontanität schlägt Routine“

Seit 1995 gibt es die Beatsteaks. Von den Gründungsmitgliedern ist allerdings nur mehr Peter Baumann (ganz rechts) übrig.
© Ute Langkafel

Die Beatsteaks sind von der Liste deutscher Rockbands kaum wegzudenken. Mit dem aktuellen Album kommen sie morgen nach Tirol. Ein Gespräch über Fan-Nähe und spontane Einfälle.

Die Festivalsaison ist eröffnet. In Innsbruck werdet ihr in der Music Hall spielen. Was ist schöner, ein Gig auf der großen Bühne oder im kleinen Club?

Peter Baumann: Es hat beides seinen Reiz. Wir sind inzwischen in der glücklichen Lage, in beiden Situationen spielen zu dürfen. Mir persönlich ist der Club näher als die ganz große Bühne. Natürlich hat etwa die Parkbühne Wuhlheide in Berlin schon auch eine ganz besondere Atmosphäre. In den kleinen Clubs haben wir aber unsere Karriere begonnen. Das liegt uns also einfach.

Inzwischen seid ihr mit eurem achten Studioalbum „Yours" unterwegs. Gibt es Verbindungen zu alten Songs?

Baumann: Ja, die neue Platte funktioniert erstaunlich gut in Kombination mit älteren Stücken. Es macht im Moment einfach großen Spaß, sie live auszuprobieren.

Wer entscheidet, was live ausprobiert wird?

Baumann: Unsere Setlist entsteht eigentlich relativ spontan und in Absprache mit allen. Wir versuchen bei unseren Auftritten darauf zu achten, dass kein Gig für das Publikum gleich ist. Das heißt auch, dass wir keine Setlist zweimal spielen. Bei der letzten Tour haben wir fast alle Auftritte ganz ohne Setlist gespielt. Das heißt, wir einigen uns auf den Opener und dann reagieren wir spontan auf Zuruf, je nachdem wie sich der Abend gestaltet. Spontanität schlägt Routine.

Dieses Motto könnte man auch auf eure Studioalben ummünzen. Immer wieder gibt es spontane Kooperationen. Dieses Mal etwa Chad Price, Stereo Total oder Deichkind.

Baumann: Ja, diese spontanen Aktionen sind uns sehr wichtig. Besonders bei der aktuellen Platte merkt man, wir wollten bewusst die Türen aufmachen für Kollegen. Uns interessiert es, was unseren Kooperationspartnern zu den Songs ein- fällt.

Und alle haben bereitwillig mitgemacht?

Baumann: Komischerweise haben alle bei diesen spontanen Aktionen mitgemacht. Bei den Produzenten war es ein wenig schwieriger, bei den Interpreten, die beim Lied mitmachen, war es einfacher.

Ihr habt also bewusst auch mit unterschiedlichen Produzenten zusammengearbeitet.

Baumann: Genau, es gab eben nicht den einen Produzenten, der die ganze Platte betreut, sondern wir haben uns für verschiedene Lieder verschiedene Produzenten geholt. Da konnten wir sozusagen nochmal Verantwortung abgeben und die Songs eben auf die Produzenten abstimmen und nicht umgekehrt.

Also war niemand federführend bei „Yours"?

Baumann: Nein, eigentlich hatte aus der Band jeweils immer derjenige die Verantwortung, von dem das Ursprungsdemo stammt: Wir bringen anfangs beim Schreiben immer alle unsere Demos ein mit Vorschlägen zu Songs. Wir setzen uns dann zuerst an jene Demos, die uns am meisten Spaß machen. Welches Lied es durch die Bearbeitung der ganzen Band schafft, kommt dann auf die Platte. Das schaffen natürlich nicht alle Lieder.

Ihr seid für eure Fannähe bekannt. Für die Single „Milk & Honey" von 2011 stellt ihr vor Veröffentlichung des Songs Text, Akkorde und Noten ins Internet und sammelt Beiträge der Fans. Zwei der Fanversionen kamen auf die Single. Ist das ein Promo-Gag oder wahre Fanliebe?

Baumann: Solche Aktionen gehören zu uns dazu. Auch, wenn wir uns eigentlich nicht besonders Mühe geben, fannah zu sein. Das ist also nie Kalkül, sondern vielmehr einfach spontane Ideen, die uns gerade so in den Sinn kommen.

Was kommt euch beim Touren aktuell so in den Sinn?

Baumann: Bei mir ist es so, ich spiele im Hier und Heute. Mein Fokus ist aktuell nicht auf neuen Sachen, wie einem neuen Album oder neuen Songs, sondern ich versuche gerade so gut wie möglich, das zu machen, was gerade ansteht. Das sind eben gerade die Konzerte. Bei Thomas, unserem Schlagzeuger ist das anders, er schreibt auch sehr gerne, während wir unterwegs sind. Ich sauge im Moment alle Eindrücke wie ein Schwamm auf und hoffe, dass dann später etwas dabei rauskommt. Letztendlich ist beides Musikmachen.

Ihr habt schon mal gesagt, ihr seid nicht mehr die Punkrockband, die ihr einmal wart. Denkt man an eine Entwicklung?

Baumann: Ich glaube nicht, dass hinter einer Entwicklung eine theoretische Grundlage besteht. Sie passiert einfach. Wir machen uns höchstens Gedanken, dass die nächste Platte anders sein muss, wie die davor. Wie anders wissen wir aber eigentlich nicht. Wenn es um Entwicklung geht, müsste man auch definieren, welches Genre wir bedienen: Rock, so wie man uns in Amerika ankündigt? Unsere Songs leben ja eigentlich von Pop- oder Punkelementen. Wir heften uns lieber unter einem weiteren Genrebegriff ab. Wir waren eben immer schon offen für alles.

Das Gespräch führte Barbara Unterthurner