Smart wie? 4.0 wo? Und was dahintersteckt
Der Tiroler Hannes Krösbacher erklärt im Handbuch „Die digitale Transformation“ Begriffe, von denen jeder gehört hat, die aber trotzdem vielen fremd sind. Und anhand von Beispielen aus der Praxis zeigt er, wie die Digitalisierung Arbeit und Alltag verändert.
Von Matthias Christler
Die meisten Menschen wandern durch einen dunklen Dschungel, ein Dickicht aus digitalen Begriffen, die immer mehr werden und der Wald damit immer dichter und für Nicht-IT-Experten undurchschaubarer. Der Wildwuchs begann mit dem Internet, das Wurzeln geschlagen hat und immer neue Pflänzchen zum Vorschein bringt – Web 2.0 hieß der erste Fortschritt, jetzt sind wir bei Industrie 4.0, einem smarten Home, Smart Grid, Smart Mobility usw. „Das verunsichert viele“, sagt Hannes Krösbacher, der aus Fulpmes stammt. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet er in der IT-Branche und berät Unternehmen – als er in dem Bereich begann, wurde am CERN das World Wide Web auf den Weg gebracht.
Weil die Entwicklungsschritte immer schneller werden, hat Krösbacher das Handbuch „Die digitale Transformation“ geschrieben. Es bringt Licht in den Dschungel an Begriffen und beschreibt die Veränderungen anhand von Praxisbeispielen. Krösbacher widmet sich zu einem großen Teil der „Industrie 4.0“. Einerseits zeigt er Unternehmern, „die derzeit einen Digitalisierungsdruck spüren“, Strategien auf. Andererseits erklärt er den Kunden, auf was sie sich freuen können. Sie rücken nämlich in den Mittelpunkt. „Erfolgreiche Digitalisierungsunternehmen orientieren sich immer am Menschen. Das fängt bei einer einfachen Bedienung der Software an, wie beim Fahrdienst Uber zum Beispiel. Geht über zu Leistungen, die auf die Wünsche der Menschen eingehen; Amazon ist ein Paradebeispiel dafür. Und vor allem die Serviceleistungen im Hintergrund müssen passen. Die Beziehung zwischen Käufer und Verkäufer hört nicht auf, wenn der Kauf abgeschlossen ist“, sagt er. All das lässt sich online regeln.
Nicht mehr alles vom Fließband
Irgendwann wird man eben nicht mehr ins Möbelhaus gehen, sondern baut sich den idealen Esstisch daheim auf einer Online-Plattform zusammen und ein großer 3D-Drucker fertigt das maßgeschneiderte Objekt an. Industrie 4.0 ermöglicht komplexe Teile in kleinen Stückzahlen zu erschwinglichen Preisen.
Dass zu viel Automatisierung kontraproduktiv sein kann, hat jedoch selbst Elon Musk, Chef von Autobauer Tesla, erkennen müssen. Bei der Herstellung des Model 3 hatte man ein „verrücktes, komplexes Netzwerk von Laufbändern. Und es funktionierte nicht“, sagte Musk Anfang des Jahres.
Aus Fehlern lernt man. Die TU Wien stellt am Dienstag eine eigene Pilot-Fabrik vor, in der Fertigungsverfahren in der „Smart Factory“ der Zukunft erprobt werden. Ähnlich smart wird das Daheim. Doch wer daheim schon einmal Glühbirnen mit Alexa und die wiederum mit dem Fernseher verbunden hat, weiß, dass es hier vor allem an der Bedienung hakt. Noch, glaubt Krösbacher: „Es braucht einen einheitlichen Standard. Aber das ist wie mit den Schrauben bei Autoteilen, auch dort haben sich die Hersteller auf eine Norm einigen müssen. So wird das bei der Software für das Smart Home auch sein.“
Ob daheim, in der Fabrik oder im smarten Auto, der Fortschritt wird sich eher nicht aufhalten lassen. Deshalb ist es besser, sich damit auseinanderzusetzen. Sonst tappt man im digitalen Dschungel weiter völlig im Dunkeln.
Smartes Auto
Wenn der Fahrer eines Tesla Model S bei einem Parkplatz eine erhöhte Bordsteinkante erkennt und das Fahrwerk hochstellt, wird das zentral gespeichert. Der nächste Tesla weiß bereits davon und stellt sich darauf ein.
Smarte Mobilität
In Pisa wurden 2014 Parkplätze mit Sensoren ausgestattet, die an eine App die Info schicken, wo Plätze frei sind. Die KI in autonomen Fahrzeugen wird in Zukunft den Weg dorthin alleine finden.
Smartes Stromnetz
Ein intelligentes Netz regelt Erzeugung, Speicherung, Netzauslastung und Verbrauch. Es wird nur so viel Strom produziert, wie aktuell verbraucht wird.
Smartes Heim
Haustechnik und Haushaltsgeräte, also Lampen, Jalousien, Heizung usw. sind genauso miteinander vernetzt wie Unterhaltungselektronik. Gesteuert wird das mit einem Sprachassistenten. Noch fehlt allerdings eine einheitliche „Sprache“, mit der alle Geräte verbunden werden.
Smarte Fabrik
Die Fabrik der Zukunft am Beispiel Auto. Auf Online-Plattformen stellt sich der Kunde seinen Wunsch-Pkw zusammen. Bei Porsche im Werk Leipzig werden bestimmte Modelle bereits auf einer „Mixed Line“, einer eigenen Produktionslinie, nicht mehr in Serie, sondern ganz nach den individuellen Kundenkonfigurationen gebaut.
Smarte Produkte
Klar, dass das Smartphone smart ist, aber dabei bleibt es nicht. Zahnbürsten geben den zu putzenden Bereich vor und dokumentieren Druck aufs Zahnfleisch, damit der Arzt später Tipps geben kann. Eine Pillendose überprüft, ob die Pille eingenommen wurde und schickt automatisch eine SMS, wenn nicht.
Smarte Logistik
Vernetzte Güterzüge wissen, wann sie am Ziel ankommen, ob die Kühlkette eingehalten wurde, und geben diese Info an eine zentrale Stelle weiter. Auf der Straße wird der autonom fahrende Lkw Realität.
Buch-Tipp: „Die digitale Transformation – Industrie 4.0 und Internet of Things“, Hannes Krösbacher, Edition TÜV Austria, 192 Seiten, 47,90 Euro.
Kommentare