Formel 1

Toro-Rosso-Boss Tost: „Wer nicht mitzieht, der muss gehen!“

Geradlinig: Der Trinser Franz Tost (Toro-Rosso-Teamchef) ist ein "grader Michl" und spricht nicht um den heißen Brei herum.
© imago/Motorsport Images

Tirols Formel-1-Beitrag Franz Tost (Toro Rosso) nahm sich vor dem Heim-Grand-Prix Zeit für die TT und sprach über Budget, Honda und Langeweile.

Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Franz Tost: Wir hatten gute und schlechte Rennen. Da war Bahrain und Monaco, bei denen wir überzeugen konnten. Wir hatten weniger gute in China, Baku und Barcelona — dann waren noch einige Unfälle in Kanada und in Frankreich. Ein Wochenende ohne Unfälle und mit Punkten wäre jetzt wieder gut.

Stichwort Unfälle: Einige Rennen ließen Rad-an-Rad-Duelle vermissen, es gab wenige Höhepunkte und es dominierte die Strategie. Können Sie die Kritik von einigen Otto-Normalverbrauchern nachvollziehen?

Tost: Ehrlich gesagt nicht. Das war schon schlimmer und die Rennen heuer waren gut. Und erinnern Sie sich an den Start beim Frankreich-Grand-Prix mit Vettel (Ferrari, Anm.) und Bottas (Mercedes, Anm.) — das war genug Rad-an-Rad. Wenn man die Ergebnisse anschaut, sieht man, dass mittlerweile drei Teams an der Spitze in Schlagdistanz auftreten. Das hatten wir schon lange nicht mehr. Ich weiß nicht, was die Leute wollen. Es kann nicht sein, dass in jeder Kurve überholt wird. Das ist nicht die Formel 1, sondern das wäre ein Computerspiel. Das hat aber wenig mit der Realität zu tun.

Glauben Sie, dass die Änderungen für 2019 — einfacherer Frontflügel um das Windschattenfahren zu ermöglichen — greifen werden?

Tost: In jedem Fall, weil diese „Dirty Air" reduziert wird. Man muss nur aufpassen, da die Ingenieure versuchen werden, den Verlust der Down Force zu kompensieren. Es sind immer zwei Paar Schuhe, ob wir von der Verfolgung auf einer Geraden oder in der Kurve sprechen. Ein Problem ist nicht nur der Frontflügel, sondern die Bremswege sind aufgrund der guten Aerodynamik und der breiten Reifen sehr verkürzt. Daran wird man arbeiten müssen. Denn ohne längeren Bremsweg kann man den Gegner nur schwer ausbremsen. Aber das wird man alles sehen.

Jetzt gibt es einige Skeptiker, die glauben, dass die neuen Frontflügel die Boliden stark beeinflussen werden. Manche behaupten, es könnte die Hierarchie ändern.

Tost: Das glaube ich nicht, denn die Top-Teams haben so viele Ressourcen und Geld, mit dem sie entsprechend reagieren können. Die können sämtliche Änderungen kompensieren. Das wird eher die Mittelfeld-Teams wie Toro Rosso betreffen.

Stichwort Budget — wie realistisch ist für Sie die von Liberty Media angedachte Budgetobergrenze mit 150 Millionen Euro?

Tost: Ganz ehrlich: Liberty Media muss das nur beschließen und nicht alle Teams nach der Meinung fragen. So einfach ist das. In solche Entscheidungen darf man die Rennställe nicht miteinbeziehen — die schauen ja alle nur auf ihren Vorteil. Diskutiert haben wir jetzt mehr als genug. Liberty Media muss Entscheidungen treffen. Wer sie nicht akzeptiert soll halt gehen. Ich wette, dass alle bleiben.

Red Bull hat nun beschlossen, künftig auf den Honda-Motor zu bauen. Sie waren schon vor Saisonbeginn ein Befürworter der Japaner. Wie groß war ihr Anteil an der Red-Bull-Entscheidung?

Tost: Da geht es nicht um die Person Franz Tost. Das Team Toro Rosso und Honda haben die gute Arbeit geleistet. Der gemeinsam entwickelte Plan hat funktioniert und das hat Red Bull dazu veranlasst zu Honda zu wechseln. Honda war nie so schlecht, wie sie im Vorjahr dargestellt wurden. Das war mir immer klar. Ich freue mich, dass man den Schritt gewagt hat. Davon werden wir auch profitieren, denn das Heck wird künftig von Red Bull entworfen, und von uns übernommen. Wir werden wesentlich mehr Synergien nützen.

Merken Sie bei all Ihren Terminen überhaupt, dass Sie in der Heimat sind?

Tost: Doch, doch. Das ist etwas besonderes, schließlich habe ich ja viele Jahre in der Region hier verbracht. Österreich ist das schönste Land. Du kommst hierher, die Gegend ist wunderschön, die Fans freuen sich auf das Event, das Essen ist sensationell gut, du willst dich in der Früh kalt duschen, und es kommt kaltes Wasser und keine lauwarme nach Clor richende „Suppe". Alle sollen sich glücklich schätzen, die in Österreich wohnen.

Das Gespräch führte Daniel Suckert