Bezirk Reutte

Wenn Hohlräume im Fels zur Falle werden

© Bergrettung Nesselwängle

Bergrettungschef Markus Wolf nennt die Einsatzzahlen derzeit „brutal“. Nebenbei wird trotzdem trainiert – auch die Höhlenrettung.

Von Simone Tschol

Nesselwängle –Adieu, Schmuddelwetter, willkommen, Sommer: Nachdem der Frühling vom Wetter her eher durchwachsen war, haben die Bergretter im Außerfern derzeit alle Hände voll zu tun. Allein am Sonntag mussten die alpinen Helfer zu sieben Einsätzen ausrücken, tags zuvor galt es fünfmal zu Hilfe zu eilen. „Im Mai habe ich mir noch gedacht, es geht, aber jetzt ist es wirklich brutal“, bringt es Bergrettungs-Bezirksleiter Markus Wolf auf den Punkt.

Immer mehr Menschen suchen Ruhe und Erholung in den Bergen. Während früher viele Unfälle auf das Unterschätzen von Gefahren, wie beispielsweise rasche Wetterumschwünge, zurückzuführen waren, ist es inzwischen Selbstüberschätzung und mangelnde Erfahrung, welche die Bergsteiger in Notlagen bringt. „Und heuer sind auffallend viele Kreislaufgeschichten Auslöser für unsere Einsätze“, sagt Wolf.

Immer dann sind die Bergretter gefragt. Dabei sind auch für sie die Voraussetzungen oft schwierig. Viele Unfälle passieren bei schlechtem Wetter und nicht selten weit abseits der Wanderwege. Trotz des vollen Einsatzkalenders heißt es „immer am Ball bleiben“. Deshalb werden auch mitten in der Saison Trainingseinheiten eingelegt.

Kürzlich etwa trafen sich schon frühmorgens 25 Bergretter der Ortsstellen Nesselwängle, Tannheim und Vils sowie acht Mitglieder der Höhlenrettung Tirol im Tannheimer Tal, um den Ernstfall zu proben. Ziel war es, eine verletzte Person aus der Zwerchenwandhöhle in 40 Meter Tiefe zu bergen, um sie dann 150 Meter zum Teil senkrecht zum Wandfuß abzuseilen.

Nachdem es dort keine Aufstiegshilfe gibt, hieß es für 25 Bergretter erst mal zu Fuß zur Einsatzbesprechung am Gimpelhaus aufzubrechen. Einsatzleiter Alexander Barbist skizzierte kurz die Situation, ehe es weiter zum Sammelpunkt auf der Emne ging. In der Zwischenzeit wurden auch die Höhlenretter eingeflogen.

Anschließend hatte das Flugteam die Aufgabe, die Rettungsmannschaft samt Einsatzmaterial zum Höhleneingang zu bringen. Mittels modernster Dynemaseiltechnik befreiten die Retter den „Verletzten“ und seilten ihn zum 150 Meter tiefer liegenden Wandfuß ab. Im Übrigen keine Seltenheit: „Es gibt relativ viele solcher Höhlen im Bezirk. Jene beim Gimpel geht über 100 Meter in die Tiefe und endet in einer riesigen ‚Kathedrale‘, in der eine ganze Kirche Platz hätte, und im Bereich der Hermann-von-Barth-Hütte haben wir das tiefste und größte verzweigte Höhlensystem überhaupt“, weiß Wolf.

Umso wichtiger sei das Training mit der Höhlenrettung Tirol. Wolf: „Das geht Hand in Hand. Alle Höhlenretter sind ja auch Bergretter.“

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