Internationale Pressestimmen zum Gipfel Trump-Putin

Helsinki/Washington (APA/dpa) - Zum Treffen von US-Präsident Donald Trump und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin in der finnische...

Helsinki/Washington (APA/dpa) - Zum Treffen von US-Präsident Donald Trump und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin in der finnischen Hauptstadt Helsinki schreiben Zeitungen am Montag:

„Financial Times“ (London):

„Die beiden Männer täten gut daran, ihr erstes Gipfeltreffen für die Schaffung von Vertrauen sowie für Vereinbarungen zu einigen weniger dringlichen Themen zu nutzen. Eine Priorität könnte darin bestehen, dass man sich darauf verständigt, mit der Arbeit zur Erneuerung des zerbröckelnden Systems der internationalen Rüstungskontrolle zu beginnen - und die oft überhitzte atomare Rhetorik beider Führer abzuschwächen. Doch auch hier sollte Trump, der noch am Freitag erklärte, er wolle die Nuklearwaffen ‚substanziell reduzieren‘, nicht übereilt vorgehen. Er sollte das Herangehen von einem seiner Vorgänger übernehmen, mit dem er sich manchmal zu vergleichen sucht, nämlich Ronald Reagan, und sich auf nukleare Abrüstung einlassen, aber mit Vorsicht.“

„Guardian“ (London):

„Putin bringt Erfahrung, Vorbereitung, schonungslose Disziplin und reale Ziele mit. Er ist das Poker-Ass, das auf einen Mann trifft, der lediglich die Methode Beggar-my-Neighbour beherrscht (sinngemäß: Politik auf Kosten seiner Partner zu betreiben). (...) Ihre gemeinsame Feindseligkeit gegenüber der NATO, der EU und anderen etablierten Verbündeten der USA ist alarmierend. Und wir wissen nicht, warum Trump dieses Treffen will, abgesehen davon, dass er es genießt, im Scheinwerferlicht zu stehen.“

„De Tijd“ (Brüssel):

„US-Präsident Donald Trump macht in seinen Worten und seinem Verhalten keinen Unterschied zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un oder dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau.

Wenn das Treffen eine Enttäuschung wird, behandelt er Putin, den Präsidenten, der die Krim annektierte, sogar freundlicher als Merkel. Noch ist es zu früh um einzuschätzen, ob Trump eine traurige Abweichung in der amerikanischen Geschichte sein wird und in seiner bekannten Art die Welt zerstört. Jedenfalls ist er der Elefant im Porzellanladen und es ist unklar, wie er da wieder herauskommt. Schaut euch an, wie die Welt vor drei Jahren aussah und wie es nun um sie steht. Der Einzige, der froh ist, wenn sich Donald Trump und Wladimir Putin auf Augenhöhe begegnen, ist Putin.“

„Pravda“ (Bratislava):

„Es ist zu erwarten, dass sich Putin um eine Aufhebung der Sanktionen bemühen wird und freie Hand im ehemaligen sowjetischen Machtbereich haben will, vor allem in der Ukraine, wobei aber die Frage nach der Zukunft der Krim wohl ein Tabu bleiben wird. Der unberechenbare Trump könnte diesen Wünschen wohl auch entgegenkommen wollen, doch da gibt es immer noch den amerikanischen Kongress, der das klar ablehnt. Von dem Treffen eine bahnbrechende Vereinbarung zu erwarten ist daher in dieser Situation völlig unrealistisch.“

„Nepszava“ (Budapest):

„Dennoch wird dieses Gespräch im Großen und Ganzen dasselbe praktische Ergebnis haben wie das Gespräch mit dem Führer Nordkoreas Kim Jong-un: im Großen und Ganzen nichts. Die persönliche Marke - um es mit einem populären Ausdruck zu sagen - von Putin und Trump wird sicher dazu dienen, dass sich die beiden in Helsinki die Hand geben, jedoch wird die Welt davon nicht viel haben. Es ist nicht schlimm, dass die beiden miteinander verhandeln. Umso schlimmer ist es, dass Trump der demokratisierenden Rolle der Vereinigten Staaten eine totale Absage erteilt hat.“

„Latvijas Avize“ (Riga):

„Neben offiziellen Gesprächen mit Beratern und Experten hat Trump seine Bereitschaft erklärt, allein mit Putin zu reden. Es ist eine Initiative Trumps, die Außenstehenden - und nicht nur diesen - seltsam, ja sogar mysteriös erscheint. Erinnern wir uns noch mal an die charakteristischen Eigenschaften dieser beiden Präsidenten: Trump ist impulsiv und unberechenbar, Putin abgehärtet und zielstrebig. (...)

Warum ist es notwendig, allein unter vier Augen zu reden? Trump - Amerika ist noch keine Diktatur - windet sich wie eine Schlange um die Vorwürfe und Beweise, die darauf hindeuten, dass er am 8. November 2016 dank (dieses Wort ist hier wirklich angebracht) der Aktivitäten des Kremls zum US-Präsidenten gewählt wurde, der seine Rivalin Hillary Clinton verleumdete, Manipulatoren und Hacker einsetzte ebenso wie Erpressung aufgrund von alten Verbindungen und Deals. Dies hält Trump im Würgegriff, und deshalb möchte er ein privates Gespräch mit Putin von Mann zu Mann. (...)

Schauen wir mal, welche Folgen das vertrauliche Gespräch zwischen Trump und Putin haben wird - ohne Zeugen.“

„Diena“ (Riga):

„Russlands Präsident Wladimir Putin wird der größte Gewinner des ersten bilateralen Treffens mit seinem US-Kollegen Donald Trump sein. Die Beziehungen zwischen Moskau und Washington sind am tiefsten Punkt seit dem Ende des Kalten Krieges. Doch Trumps persönliche Sympathie für Putin und die Differenzen mit den engsten Verbündeten bieten dem Kreml-Chef trotz allem die Möglichkeit für einen engeren Kontakt mit dem US-Führer.“

„Adevarul“ (Bukarest):

„Trump braucht Putin unendlich viel mehr als umgekehrt. Trump steht unter dem Druck, ein Ergebnis zu erhalten, Putin weiß sehr wohl, dass er alle wichtigen Karten in der Hand hat, zumal so gut wie alle Verbündeten Trumps andere Strategien versuchen. Deswegen wird Trump und nicht Putin derjenige sein, der auf Ergebnisse dringt.

Das Problem ist, dass alle heiklen, strategisch wichtigen Themen unlösbar wirken, zumindest solange die traditionelle Politik Amerikas so weitergeht. Man wird sehen, ob Trump, um Putin freundlich zu stimmen, etwas von der gemeinsamen Position des jüngsten NATO-Gipfels aufgibt. Es wäre schwer vorstellbar. Was kann Trump anbieten? Höchstens gute Absichten, wobei er versuchen wird, Putin davon zu überzeugen, dass die EU nichts mehr bedeute und dass sie beide (Trump und Putin) faktisch die Herren des Planeten bleiben, den sie ruhig untereinander aufteilen können.“


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