Österreich weiter am Rande des Radars von chinesischen Investoren

Wien (APA/AFP) - Chinesische Investoren haben im ersten Halbjahr weniger europäische Firmen gekauft als im Vorjahresvergleich. Die Zahl der ...

Wien (APA/AFP) - Chinesische Investoren haben im ersten Halbjahr weniger europäische Firmen gekauft als im Vorjahresvergleich. Die Zahl der europaweiten Transaktionen fiel laut dem Beratungsunternehmen EY um 12 Prozent auf 111. In Österreich gingen die Transaktionen von drei auf zwei zurück. Größter heimischer Deal war der Kauf eines Mehrheitsanteils von Wolford durch Fosun um insgesamt rund 75 Mio. Euro.

Investoren aus dem Reich der Mitte beteiligten sich mit gut 14,9 Mrd. US-Dollar (12,7 Mrd. Euro) an 111 Unternehmen europaweit. Im ersten Halbjahr 2017 hatten sie noch 31,6 Mrd. Dollar für 126 europäische Firmen ausgegeben. Das deutlich größte Geschäft im ersten Halbjahr war der Einstieg des chinesischen Autoherstellers Geely beim deutschen Autoriesen Daimler um 8,9 Mrd. Dollar.

Nach wie vor die meisten Transaktionen führten chinesische Investoren laut EY in Deutschland und Großbritannien durch, in beiden Ländern sank die Zahl der Zukäufe aber von 26 auf 22. Da es sich in Großbritannien aber überwiegend um kleinere Deals handelte, schrumpfte das Investitionsvolumen von 16,2 auf 0,6 Mrd. US-Dollar. In Deutschland wurde hingegen wegen des Geely-Daimler-Deals ein Anstieg von 6,7 auf 9,9 Mrd. US-Dollar registriert. In Frankreich stieg die Zahl der Übernahmen von 10 auf 13, während sie in Italien von 12 auf 11 sank.

Neben den Fosun-Einstieg beim Vorarlberger Wäschehersteller Wolford gab es in Österreich eine weitere Transaktion. Das Wiener Biotech-Unternehmen Miracor Medical Systems erhielt im Tausch gegen Anteile in einer von Ming Capital angeführten Investmentrunde rund 25 Mio. Euro.

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„Österreich befindet sich nach wie vor nur am Rande des Radars chinesischer Investoren, Transaktionen sind weiterhin Einzelfälle und kein Trend. Die M&A-Aktivitäten in den letzten Jahren verdeutlichen aber, dass sie auch in Österreich gezielt nach einzelnen Top-Betrieben mit hoher Spezialisierung, starken Marken und führenden Technologien Ausschau halten“, so Eva-Maria Berchtold von EY Österreich.

Unerreicht ist das erste Halbjahr 2016, als chinesische Investoren insgesamt 72,9 Mrd. Euro für 176 europäische Unternehmen ausgegeben hatten. Seitdem hat sich aber das Klima geändert: Politische Bedenken in Europa und Peking bremsen laut der EY-China-Expertin Yi Sun die Investoren aus. So verlangten die europäischen Verkäufer hohe Garantien, während in China strengere Auflagen für den Kapitalabfluss ins Ausland eingeführt wurden. Dadurch seien einige Übernahmen gescheitert.

Auch verschiebt sich laut EY-Analyse der Fokus der Chinesen. Die Übernahmen von klassischen Industrieunternehmen sind deutlich zurückgegangen. Dafür kauften die Investoren erstmals signifikant Konsumgüterhersteller. Auch im Energie- und Rohstoffsektor haben sie öfter zugeschlagen.

Für die zweite Jahreshälfte erwartet Yi Sun „anhaltend großes Interesse“ chinesischer Investoren an europäischen Firmen. Allerdings müssten die Chinesen ihre Interessen deutlicher kommunizieren und Zugeständnisse bei Arbeitsplätzen und Firmensitz machen, sagte sie. Umgekehrt könnten „die veränderte politische Großwetterlage und die handelspolitischen Spannungen mit den Vereinigten Staaten zu einer größeren Bereitschaft in Europa führen, chinesische Investoren ins Boot zu holen“.


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