Komödienspiele Porcia: Schräges 70er-Jahre-Revival von Dario Fo

Spittal/Drau (APA) - Der linke italienische Theaterautor Dario Fo ruft derzeit im Salamanca-Keller des Schlosses Porcia zum zivilen Ungehors...

Spittal/Drau (APA) - Der linke italienische Theaterautor Dario Fo ruft derzeit im Salamanca-Keller des Schlosses Porcia zum zivilen Ungehorsam auf. Auch wenn dabei weitgehend auf Aktualisierungen verzichtet wurde, hatten Regisseur Alexander Kratzer und sein Team Sonntagabend bei der Premiere von „Bezahlt wird nicht!“ die Lacher auf ihrer Seite. Minutenlanger Applaus belohnte den sozialkritischen Slapstick.

Als der kommunistische Komödiant Dario Fo Anfang der 1970er-Jahre diese turbulente Farce schrieb, war er noch kein Nobelpreisträger. Der Literaturnobelpreis wurde dem 1926 geborenen Italiener erst 1997 verliehen, was damals für heftige, teils ablehnende Reaktionen sorgte. Er gilt als Erneuerer der Commedia dell‘arte und Leitfigur eines politischen Volkstheaters, als Stimme der kleinen Leute und provokanter Clown. 2016 starb der 90-jährige Satiriker, der einer der meistgespielten italienischen Dramatiker unserer Zeit ist.

Mit anarchischem Witz probt Fo in „Bezahlt wird nicht!“ den Aufstand des Proletariats und lässt ihn von den Frauen ausgehen: Die resolute Antonia (hinreißend verkörpert von Katharina Solzbacher) zieht die sanfte Margherita (Sonja Kreibich als passiver, blonder Lockenkopf) mit, als sie voll Empörung über die gestiegenen Preise im Supermarkt zu Ladendiebinnen werden. Doch die Frauen haben zusammengerafft, was sie finden konnten, und so landen schließlich Hundefutter, Kaninchenköpfe und Kanarienvogel-Hirse in der buchstäblich aus den Angeln gehobenen Wohnung von Antonia und ihrem Mann Giovanni (Walter Ludwig als gestenreicher italienischer Macho mit Sonnenbrille). Der ist ein braver Kommunist, der Revolten eigentlich ausschließt und auf „subproletarische Hunde“ schimpft. Aber nicht nur vor ihm müssen die Ladendiebinnen ihre Beute geheim halten. Angesichts einer drohenden Polizeikontrolle werden die Lebensmittel unter die Kleidung gestopft, die Frauen wechselweise zu „Schwangeren“, und die Verwicklungen nehmen ihren Lauf.

Als die Gefahr von Kurzarbeit und Entlassung aus der Fabrik im Raum stehen, werden schließlich auch Giovanni und Margheritas Mann Luigi (Markus Achatz als couragierter Fließbandarbeiter) zu Dieben. Wütend wollen sie sich „nehmen, was uns gehört“. Das Tür-auf-Tür-zu-Verwirrspiel nimmt bald groteske Züge an, Carabiniere (Christopher Ammann) und Wachtmeister (Michael Köhler, der auch den Bestatter und den verwirrten Vater verkörpert) vervollständigen das Chaos, das immer mehr ins Absurde kippt und die Lachmuskeln des Publikums strapaziert.

Um die turbulenten Flucht- und Verfolgungsaktionen räumlich (wenn auch mit wie schneller gedrehten Trippelschritten) in Szene setzen zu können, wird das Gewölbe der Kellergalerie im Schloss Porcia diesmal der Länge nach bespielt. Regisseur Alexander Kratzer setzt in das windschiefe Wohnungs-Szenario Zitate aus Lachnummern wie dem alljährlichen Silvester-Sketch „Dinner for one“ und lakonisch- pantomimische Szenen, die an Ionesco und absurdes Theater denken lassen. Aktuelle Zeitbezüge fehlen allerdings fast gänzlich, es ist das soziale Ungleichgewicht der Entstehungszeit vor rund 40 Jahren, das hier lustvoll und unterhaltsam thematisiert wird.

Umso passender ist diesmal die Ausstellung des Strabag-Kunstforums, das bereits zum vierten Mal als zusätzliches „Bühnenbild“ den Galerien-Keller bespielt: Denn Alfred Hrdlicka, der heuer 90 Jahre alt geworden wäre, hat ebenfalls als glühender Kommunist jene Zeit erlebt. Die 25 teils großformatigen Arbeiten auf Papier und in Bronzeguss ergeben eine hochkarätige Schau - Dario Fo und Alfred Hrdlicka im Doppelpack sollte man sich nicht entgehen lassen!

(S E R V I C E - „Bezahlt wird nicht!“ von Dario Fo, Komödienspiele Porcia, Spittal an der Drau. Regie: Alexander Kratzer. Ausstattung: Natascha Maraval, Mareile von Stritzky. Mit Markus Achatz, Christopher Ammann, Sonja Kreibich, Michael Köhler, Walter Ludwig, Katharina Solzbacher. Weitere Aufführungen bis 26. August. Information und Tickets: www.ensemble-porcia.at, Tel.: 04762/42020)


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