Erinnerungen an den Salzberg, frei von Nostalgie

Ein packendes Gespräch mit einem Absamer Zeitzeugen, das ein Bild von der harten Realität im Salzbergbau zeichnet, ist nun als CD erschienen.

Das Bild zeigt Sepp Peskoller im September 2017 mit Enkelin Theresa Eder und Tochter Edith Eder vor dem Container der Wanderausstellung zum Salzberg.
© Gemeindemuseum Absam

Von Michael Domanig

Absam –Am heutigen Mittwoch um 19 Uhr dreht sich im Gemeindemuseum Absam alles um ein außergewöhnliches Tondokument: Im März 2015 erinnerte sich Sepp Peskoller aus Absam (1929–2018), damals bereits hochbetagt, in einem langen, offenen Gespräch an die Arbeits- und Lebensbedingungen am Salzberg im Halltal. Dort war er zehn Jahre lang, bis 1957, tätig gewesen – in der Grube ebenso wie etwa in der Küche der Herrenhäuser. Nun wird dieses Zeitzeugengespräch (ergänzt durch drei kurze historische Berichte aus dem Halltal und Musik von Bert Breit) erstmals als CD herausgebracht – heute erfolgt die offizielle Präsentation.

Matthias Breit, Leiter des Gemeindemuseum Absam, der das Interview gemeinsam mit Reinhold Mair, dem Sohn des letzten „Obersteigers“ am Salzberg führte, erklärt, was dieses „Oral History“-Dokument so besonders macht: Sepp Peskoller berichte darin „ohne Nostalgie, Rechtfertigungszwang oder Verklärung“ von der oft sehr harten Realität im Salzbergbau – von der Arbeit im teils nur 1,40 Meter hohen Wasserbergstollen, von den strengen Sicherheitsvorgaben (und deren Missachtung), von Unfällen, Lawinen und Disziplinarstrafen.

Eine solche war etwa die Folge, als Peskoller, der eine Zeit lang als Bremser arbeitete, im Winter einmal ein Hunt (Förderwaggon) „auskam“ und über die Rampe bis in den Bach stürzte. Der Zeitzeuge erzählte auch vom schlechten Zustand der Arbeitskleidung (bei der es sich eigentlich um Privatkleidung handelte), „während die Erinnerung sonst meist von den wunderbaren Uniformen der Bergleute geprägt ist“, wie Breit meint. Anhand eines historischen Fotos erläuterte Peskoller zudem die Besonderheiten der insgesamt acht Hauptstollen, in denen fast 700 Jahre lang, bis 1967, Salz aus dem Berg gelaugt wurde.

Jenseits jeder Verklärung: Sepp Peskoller, der im heurigen Februar verstorben ist, arbeitete zehn Jahre lang am Salzberg im Halltal.
© Gemeindemuseum Absam

Die Erinnerungen geben nicht zuletzt Einblick in teils recht patriarchalen Arbeitsverhältnisse: So habe Peskoller etwa auch als „Stiefelknecht“ für einen der Hofräte der Salinenverwaltung herhalten müssen, sagt Breit – worauf der Absamer im November 1957 endgültig keine Lust mehr hatte – er kündigte.

Doch auch danach blieb Peskoller dem Halltal weiter verbunden, wie Günter Amor im CD-Booklet ausführt: Im Sommer 1958 beendeten die damaligen Pächter der Bettelwurfhütte mitten in der Saison die Bewirtschaftung. In dieser Notsituation rettete Peskollers junge Gattin Gerda als Wirtschafterin und Köchin den Betrieb. Ab 1959 übernahm das Ehepaar Peskoller die Hütte als Pächter – und bewirtschaftete sie 24 Saisonen lang. Mit enormem Einsatz und Organisationstalent führte Peskoller die Hütte in die modernen Zeiten – und wurde dafür weit über Absam hinaus bekannt.

Die neue CD ist ab heute gegen freiwillige Spenden im Gemeindemuseum Absam erhältlich.


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