Was wurde aus der Kitz-Sensation Sebastian Ofner?

Mit dem überraschenden Halbfinaleinzug begeisterte Sebastian Ofner im Vorjahr die Tennis-Fans von Kitzbühel. Seither kämpft der 22-jährige Steirer um Erfolge. Bei den Generali Open (ab 28.7.) soll das Geschichte sein.

Im Vorjahr schaffte Sebastian Ofner als Überraschung der Generali Open den Halbfinaleinzug und füllte den Center Court.
© gepa/Pranter

Von Roman Stelzl

Kitzbühel, Astana –Dort, wo sonst Sätze wie „Bin erreichbar“ oder „Derzeit im Ausland“ stehen, leuchtet bei Sebastian Ofner ein kurzes „Nur Lösungen“ auf. Es ist seine Statusmeldung beim Smartphone-Nachrichtenprogramm WhatsApp – und es ist ein Satz, der genauso gut für die derzeitige Lage des 22-jährigen Tennis-Talents stehen könnte.

Nachdem Ofner im Vorjahr das Publikum der Generali Open von Kitzbühel mit seinem Halbfinaleinzug verzückt hatte, gab es Probleme, die noch ohne Lösung sind. Der Steirer, der in der Gamsstadt drei Siege gefeiert hatte, konnte nie mehr an die Erfolge anschließen. Weder auf Sand noch auf Hartplatz. Nach einigen wenig erfolgreichen Einsätzen auf der ATP-World-Tour ging es vorrangig auf die zweitklassige Challenger-Ebene zurück. In Wimbledon, wo er 2017 die Drittrunden-Sensation war, gab es in Runde eins der Quali das Aus. Und Ofner rutschte auf Rang 207 der Weltrangliste ab.

„Ich kann nicht genau erklären, wieso es nicht mehr so gut geklappt hat wie in Kitzbühel“, sagte Ofner gestern nach seinem Erstrundensieg beim Challenger in Astana (KAZ). Nach Erklärungen suchend, ergänzte er nach kurzem Überlegen: „Ich hatte viele starke Gegner heuer. Und ich weiß, dass ich noch viel Luft nach oben habe.“

Dass es diese Luft nach oben gibt, davon durften sich die Fans im Vorjahr in der Gamsstadt überzeugen: Ofner entfachte in Abwesenheit seines Teilzeit-Trainingspartners, Weltstar Dominic Thiem, eine neue Begeisterung.

Tausende heimische Fans waren plötzlich im „Ofi“-Fieber – selbst seine Eltern mussten etliche Presse-Fragen über sich ergehen lassen. Und der Protagonist dieser Heldengeschichte enttäuschte die Fans nicht.

Nach vielen Rückschlägen will Sebastian Ofner wieder jubeln.
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Es war die Sensation. Ein kleines Tennis-Märchen. Der Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär, wenn man so will – aber der Fall danach war tief. Und Ofner wanderte in die Kategorie: Was wurde eigentlich aus ...?

Bei der heurigen Auflage der Generali Open in zehn Tagen (ab 28. Juli) soll diese Frage geklärt werden. Nach der Wildcard für Dennis Novak (als Drittrunden-Spieler von Wimbledon heuer hat er Ofners Vorgeschichte) könnte auch Ofner mit einem Freilos bedacht werden. Ofner: „Ansonsten hoffe ich auf die Qualifikation.“

Die Angst, dass der Auftritt in Kitzbühel eine Eintagsfliege bleiben wird, ist gering. „Wenn ich mir die Videos von damals ansehe, dann weiß ich, dass ich mit den Besten mithalten kann. Es fehlt nicht viel, um wieder dort zu sein“, ergänzte Ofner, der bei Wolfgang Thiem und Andreas Fasching in der Südstadt trainiert. Unter der Direktive von Thiem-Coach und Akademie-Leiter Günter Bresnik.

Und Ofners Liebe zu Kitzbühel ist ungebrochen: „Das ist für mich ein ganz besonderer Ort. Hier habe ich einen meiner schönsten Erfolge gefeiert, ich freue mich auf die Rückkehr.“ Wenn der Erfolg ausbleibt, fehlen 90 Punkte in der Weltrangliste – und es geht zurück auf etwa Platz 280. Neben Ofner wollen aber eine Handvoll Spieler ein Freilos für Österreichs größtes Freiluft-Tennis-Turnier. Gerald Melzer (115. der Weltrangliste), der gestern in Runde eins des ATP-Turniers in Baastad (SWE) gewann, ist ein heißer Tipp, könnte es aber auch so ins Hauptfeld schaffen. Für Lucas Miedler (234.) spricht die Form. Ebenfalls auf der Liste ist der Wahl-Tiroler Andreas Haider-Maurer (396.), der als Ex-Top-50-Spieler weiß, wie es geht. „Andi ist nicht mehr weit weg. Wir müssen weiter hart arbeiten“, sagt sein Coach Daniel Huber. Kitz-Turnierdirektor Alexander Antonitsch will die Woche abwarten: „Wir wollen sehen, wie die Österreicher spielen.“

Für Ofner spricht weniger Form als vielmehr Begeisterung, die er im Vorjahr entfachte. Sollte doch die Quali warten, ist das kein schlechtes Zeichen: Auch in Wimbledon ging es 2017 von dort los. Am Anfang einer kurzen Erfolgsgeschichte. Und die sucht nun ihre Verlängerung sucht.


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