Braunkehlchen nicht im „Regen“ stehen lassen

In Nauders kommen sich ein landwirtschaftliches Bewässerungsprojekt und das geschützte Braunkehlchen in die Quere.

Das Braunkehlchen ist in Tirol bedroht. Für den Wiesenbrüter gibt es nur wenige Lebensräume.
© M. Dvorak/BirdLife

Von Matthias Reichle

Nauders – „Es gibt ein klares Signal, wenn das Braunkehlchen massiv beeinträchtigt ist, haben wir ein Problem damit. Dann werden wir auf den Verlust einer so bedrohten Art reagieren müssen“, betont Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer. Der kleine Wiesenvogel ist in Tirol stark gefährdet. Es gibt nur noch wenige Reviere – ein wichtiges Brutgebiet befindet sich in Nauders. Gerade dort kommt der Zugvogel jedoch in Konflikt mit einem landwirtschaftlich wichtigen Projekt, wie Bezirksbauernobmann Elmar Monz betont.

Er möchte in seiner Heimatgemeinde eine große Beregnungsanlage errichten. Es gab mehrere Vorgespräche mit den Grundbesitzern. Von 150 Hektar, die dafür infrage kommen, sind rund 50 Hektar übrig geblieben, auf denen er künftig künstlich bewässern will, betont er. Dass in diesem Gebiet – zwischen dem Gasthaus Martha und der Talstation der Bergbahn – zahlreiche Braunkehlchen vorkommen, dürfte aber zum Problem werden.

Um bereits im Vorfeld Fragen zu klären, hatte man sich mit der Landesumweltanwaltschaft auseinandergesetzt. „Wir haben alle Vorgaben erfüllt“, betont Monz – von der Technik der Anlage bis zum Schnittzeitpunkt – und trotzdem heiße es, man könne sich die Bewässerungsanlage nur schwer vorstellen.

Dem widerspricht Kostenzer. „Wir haben uns letzten November zum letzten Mal getroffen und uns nicht grundsätzlich gegen die Beregnung ausgesprochen.“ Man sei so verblieben, dass ein Ornithologe (Anm.: Vogelkundler) hinzugezogen werden sollte.

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Mit dem Projekt wollen die Bauern den zweiten Schnitt absichern. Nauders ist ein Trockengebiet, so Monz. Da es sich um drei Teilflächen und kein zusammenhängendes Gebiet handelt, auf dem die Beregnungsanlage umgesetzt werden soll, geht der Bauernchef ohnehin davon aus, dass das Braunkehlchen Flächen zum Ausweichen hat. Er will das Projekt so lange nicht einreichen, bis alles geklärt sei. Einen Instanzenweg könne man sich nicht leisten. Für Kostenzer ist der Vogel hingegen ein wertvolles geschütztes Tier – und gleichzeitig eine Indikatorart für einen „wichtigen Lebensraum, der in dieser Form selten geworden ist“.


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