Große Rettungsaktion für ,,komische“ Vögel in Schwaz

In Schwaz wurden vier junge Mauersegler aus ihren Nestern geholt, bevor der Dachstuhl abgerissen wird. Mauersegler schlafen fliegend.

Zwei der jungen geretteten Mauersegler, die schon fast startklar sind für die große Reise in ihre zweite Heimat Zen­tralafrika, machten bei der Rettungsaktion erste Flugversuche.
© Dähling

Von Angela Dähling

Schwaz –Mit Stoffhandschuhen und mehreren ausgepolsterten Plastikboxen rückten gestern drei Damen vom Tierschutzverein Tirol in der Innsbrucker Straße 47 in Schwaz an. Ihre Mission: junge Mauersegler aus ihren Nestern im Dachgebälk zu retten. Denn der Dachstuhl muss abgerissen werden. Das Haus ist der beliebteste Brutplatz der Mauersegler in Schwaz. „Bei einer Renovierung vor Jahrzehnten wurden bei den Dachbalken Gitterbleche montiert, damit keine Tauben dort brüten. Doch dank der offenen Ritzen wurden perfekte Brutplätze für die Mauersegler geschaffen“, weiß der Schwazer Vogelkundler Reinhard Hölzl.

Vom Baugerüst aus holte Christina Skupien die Vögel aus den Nestern.
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Beim Dachgeschoßausbau wurde man erst auf das defekte Dach, dann auf die Mauerseglernester aufmerksam. Dann arbeiteten alle zusammen, um den brütenden Vögeln nicht zu schaden – vom Hausbesitzer über die Gerüstbauer bis zu den Baufirmen. Mit gekonntem Griff nahm Christina Skupien vom Tierschutzverein gestern schließlich einen Jungvogel nach dem anderen aus den zahlreichen Nestern. Still und verängstigt ließen die Vögel die Rettungsaktion über sich ergehen. Einige ältere starteten sogar erste Flugversuche. Vier junge Mauersegler und drei Spatzenbabys nahmen Skupien und ihre Kolleginnen Nadine Eberharter und Alime Isik am Ende mit ins Tierheim Mentlberg.

Die Nester sind hinter den Gittern im Gebälk entstanden.
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Die Eltern etlicher der geretteten Jungvögel sind bereits in ihre zweite Heimat Zentralafrika zurückgeflogen. „Das ist normal. Die Jungvögel sind zu diesem Zeitpunkt so fett, dass sie nicht fliegen könnten. Und wenn sie dann so weit sind, finden sie selbstständig den Weg nach Afrika“, erklärt Vogelkundler Reinhard Hölzl. „Der Mauersegler ist schon ein komischer Vogel“, weiß er über jede Menge Besonderheiten zu berichten. Er kommt nur während der Brutzeit zwischen Mai und August nach Tirol. „Weil hier das Nahrungsangebot besser ist. Sonst ist es ihm hier aber zu kalt“, so Hölzl. Nur beim Brüten verlässt der Mauersegler, der sein Leben lang nie in Bodenkontakt komme, die Luft. „Er schläft fliegend. Die eine Gehirnhälfte schläft, die andere lässt ihn fliegen“, weiß der Vogelkundler. „Und wenn bei uns über längere Zeit das Wetter schlecht ist und damit auch das Insektenangebot in der Luft, fliegt er mit durchschnittlich 200 km in sonnigere Gefilde. Die zurückgebliebenen Jungvögel im Nest fallen dann in eine Art Winterschlaf. Bis zu zehn Tage können sie ohne Nahrung überleben“, berichtet Hölzl.

Die jungen Mauersegler aus Schwaz werden jetzt im Tierheim Mentlberg weitergefüttert und auf ihre große Reise nach Afrika vorbereitet. Sobald sie ausgewachsen sind, das richtige Gewicht haben und der richtige Windstoß kommt, werden sie davonfliegen.

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Bauaufsichtleiterin Annabel Thaler: „Wir haben die Sanierung nicht weiter aufschieben können, sonst wäre jemand wohnungslos gewesen“, erklärt sie. Weil der Lebensraum der gefährdeten Vögel geschützt ist, wird aber auch der neue Dachstuhl des Hauses wieder mit Nistmöglichkeiten versehen.

Jedes Mauersegler-Geschwisterpaar wurde von Christina Skupien, Alime Isik und Nadine Eberharter (v. l.) in eine separate Transportbox gesetzt.
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